Kosten senken durch wertorientierte Instandhaltung

Wie Unternehmen mit einer strategisch geplanten Instandhaltung ihrer Industrieanlagen Ressourcen schonen und Kosten senken können, zeigt Springer Gabler-Autor Bernhard Leidinger

Wiesbaden, 23. September 2014

© SpringerTrotz hoher Budgets hat die Instandhaltung in produzierenden Unternehmen einen niedrigen Stellenwert. Nach Ansicht von Bernhard Leidinger hat die Industrie hier deutlichen Nachholbedarf: „Es gibt hohe Potenziale zur Kostensenkung im zweistelligen Bereich, die Unternehmen liegen lassen.“ Häufig beschäftige sich das Management im technischen Bereich ausschließlich mit Investitionen für Neubau oder Erweiterungen von Anlagen, warnt der Experte im Interview mit dem Wissensportal Springer für Professionals. Die Instandhaltung von Produktionsstätten hingegen werde zwar als erforderlich, aber auch als lästig angesehen und liege daher nicht im Fokus der Entscheider. In seinem gerade bei Springer Gabler erschienenen Fachbuch Wertorientierte Instandhaltung zeigt Leidinger, wie Unternehmen mit einer strategisch geplanten Instandhaltung ihrer Industrie- und Infrastrukturanlagen den Abnutzungsvorrat der Ersatzteile stärker verbrauchen und damit Ressourcen schonen sowie Kosten senken können.

„Die Instandhalter müssen bei Störungen stets den Kopf hinhalten“, beschreibt Bernhard Leidinger das zentrale Problem. Daher würden sich Techniker im Zweifel immer für die Durchführung einer Maßnahme entscheiden. Ein Regulativ durch das Controlling könne es aufgrund des dort fehlenden technischen Wissens nicht geben: „Die Instandhalter kommen in der Regel mit der Argumentation ‚das muss so sein‘ durch, denn der Gegenbeweis ist schwer zu erbringen.“ Für eine nachhaltige Vorgehensweise aber müssten Kosten und Nutzen ausgewogen berechnet werden: „Das bedeutet, dass man den Instandhaltungskosten den durch den Aufwand entstandenen Mehrwert gegenüber stellt und erst dann entscheidet, ob man das Geld ausgibt.“ Darüber hinaus liege der Fokus meist auf dem Ausmaß der Auswirkungen, anstatt auch die Häufigkeit derartiger Ereignisse in Betracht zu ziehen: „Der Risikowert aber ergibt sich als Produkt aus Wahrscheinlichkeit und Ausmaß. Das macht die Umsetzung der Wertorientierten Instandhaltung schwierig.“

Der Schlüssel für den Erfolg einer nachhaltigen Kostensenkung in der Instandhaltung ist nach Meinung von Leidinger daher, dass diejenigen, die von der Kostensenkung profitieren, denjenigen, die dafür die technische Funktionalität garantieren müssen, zur Seite stehen: „Wenn Anlagenbetriebsführung und Instandhaltung im gleichen Boot sitzen und gemeinsam entscheiden, bestimmte Aufwendungen zu unterlassen, können die Kosten signifikant gesenkt werden.“ Darüber hinaus empfiehlt der Autor, externe Berater und technische Sachverständige hinzuzuziehen: „Um den Abnutzungsvorrat der Bauteile vollständig auszubeuten, hilft es, neutrale Dritte mit an Bord zu nehmen, die helfen, die Einsparziele der Kaufleute gegenüber den Technikern umzusetzen.“ Außerdem könne es Sinn machen, das Ersatzteillager bewusst komfortabler zu bestücken: „Das ist so, als ob man stets ein Blinkerbirnchen im Handschuhfach hat und auch in der Lage ist, es zu wechseln.“

Tabu sind bei allen Einsparungen allerdings diejenigen Risiken, die den Bereich HSSE – Health, Safety, Security, Environment – betreffen, betont Leidinger. Die bewusst in Kauf genommenen Ausfälle reduzieren sich demnach auf den wirtschaftlichen Bereich: „Das ist wichtig zu sagen, denn die wertorientierte Instandhaltung ist seriös und hat nichts mit akzeptierter Fahrlässigkeit zu tun.“ In diesem Rahmen müsse der Instandhalter zwischen Kostensenkung und Risikominimierung letztlich auch das Recht haben, in einem gewissen Maße ungestraft ungeplante Betriebsstörungen zu verursachen: „Ohne die Toleranz derartiger Ereignisse ist das Sparen nicht möglich, und die Gesamtkosten der Produktion liegen zu hoch.“

Dr. Ing. Bernhard Leidinger ist Ingenieur der Reaktortechnik und verfügt über operative Erfahrungen im Bau und der Umrüstung von (Kern-) Kraftwerken sowie in der Entwicklung und Konstruktion bemannter Raumfahrtsysteme. Als vereidigter technischer Sachverständiger und Geschäftsführer eines Risikomanagement-Beratungsunternehmens hat er sich mit der Verhütung technischer Schäden von Großanlagen und Infrastruktureinrichtungen sowie der versicherungstechnischen Regulierung eingetretener Schäden befasst, bevor er seit dem Jahr 2000 als Partner einer Managementberatung insbesondere zu Prozessoptimierungen und Organisationsentwicklungen technischer Unternehmensbereiche berät.

Bernhard Leidinger
Wertorientierte Instandhaltung
Kosten senken, Verfügbarkeit erhalten

2014, 142 S., 65 Abb.
Softcover € 44,99 (D) | € 46,25 (A) | sFr 56,00 (CH)
ISBN 978-3-658-04400-8
Auch als eBook verfügbar

Bild: Coverabbildung des neuen Fachbuchs Wertorientierte Instandhaltung von Springer Gabler | © Springer

Weitere Informationen

Springer für Professionals: Interview mit Bernhard Leidinger

Informationen zum Buch

Downloads

Coverabbildung

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Probeseiten

Logo Springer Gabler

Service für Journalisten

Journalisten erhalten auf Anfrage ein Rezensionsexemplar des Buchs Wertorientierte Instandhaltung von uns zugesandt. Darüber hinaus gibt es aber auch die Option, unsere Titel als eBook sofort über einen Online-Zugriff zu nutzen. Dazu müssen Sie sich lediglich einmalig registrieren.

Unser SpringerAlert für Buchrezensenten gibt Ihnen die Möglichkeit, regelmäßig zu unseren Neuerscheinungen informiert zu werden. Auch dafür müssen Sie sich einmalig anmelden und Ihr Interessensprofil eingeben.

Kontakt

Karen Ehrhardt | Springer | Corporate Communications

tel +49 611 7878 394 | karen.ehrhardt@springer.com

Google+