Innovation im deutschen Mittelstand: Ein Zufallsprodukt?

Mit einer klugen Personalpolitik, der richtigen Organisationsstruktur und Open Innovation zu mehr Ideen

Wiesbaden, 07. Juli 2015

A_9783658025441.jpg © SpringerDem KfW-Innovationsbericht Mittelstand 2014 zufolge hat die Innovationstätigkeit der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland im dritten Jahr in Folge nachgelassen. Der Anteil mittelständischer Innovatoren ist damit aktuell sogar niedriger als zu Zeiten der Finanzkrise 2007. Nach Ansicht von Martin Kaschny, Matthias Nolden und Siegfried Schreuder muss sich der Mittelstand als eine der tragenden Säulen der deutschen Volkswirtschaft in diesem Punkt bewegen. „Die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens wird in der zunehmenden Globalisierung immer mehr zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil“, schreiben die Autoren im Vorwort ihres gerade bei Springer Gabler erschienenen Buchs Innovationsmanagement im Mittelstand. Im Interview mit dem Wissensportal Springer für Professionals erläutern die Experten, wie KMU ihre Innovationskraft steigern können. Ihr Fazit: „Mit einer klugen Personalpolitik, einer innovationsorientierten Unternehmenskultur und Open Innovation.“

Den Hauptgrund für die geringe Innovationsbereitschaft deutscher KMU sieht der KfW-Bericht in der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung Europas. „Politik generell – also nicht nur die Wirtschaftspolitik – setzt Impulse für Innovation“, bestätigen auch Martin Kaschny und Matthias Nolden. Viel wichtiger aber ist nach Meinung der Autoren die Schaffung eines innovationsfreundlichen Klimas: „Neue Produkte werden oft auf Heimatmärkten entwickelt, die offen gegenüber Neuerungen sind.“ Ein positives Beispiel in Deutschland seien viele Innovationen im Bereich Automobil. Meist aber würden neue Technologien hierzulande immer mehr als Gefahr und weniger als Chance verstanden – wie etwa bei der Gentechnik, der Nano-Technologie oder dem Fracking.

Was aber können kleine und mittlere Unternehmen tun, um – unabhängig von der Politik – ihre Innovationskraft zu erhöhen? Einen Erfolgstreiber sehen Kaschny und Nolden in qualifiziertem Personal: „Innovative Unternehmen benötigen eine innovative Personalstrategie.“ Eine wichtige Rolle spielten das Recruiting von kreativen Mitarbeitern sowie Personalbindung und -entwicklung unter Berücksichtigung des demografischen Wandels: „Bei den Mitarbeitern ist wichtig, dass sie sich nicht nur mit ihrem Fachgebiet auseinandersetzen, sondern auch mit betrieblichen und marktbezogenen Inhalten, die für das Unternehmen relevant sind.“ Weiteren Nachholbedarf sehen die Autoren in Sachen Organisationsstruktur und Unternehmenskultur. So profitierten kleinere Unternehmen von temporären projektorientierten Strukturen, während bei größeren KMU unternehmensstrukturelle Veränderungen hin zu verrichtungs- bzw. prozessorientierten Business Units förderlich sind. Zudem empfehlen Kaschny und Nolden eine verstärkte Ausrichtung auf standardisierte und modularisierte Produktportfolios, um kundenindividuelle Wünsche kostengünstig nach dem „Baukastenprinzip“ zu erfüllen. Und auch bei der Unternehmenskultur gebe es innovationsbegünstigende Faktoren – vom Verantwortungsbewusstsein für das regionale Umfeld über eine geringe Fluktuation aufgrund von gewachsenen sozialen Beziehungen bis hin zur Loyalität zwischen Geschäftsführung und Mitarbeitern. Einen Vorteil gegenüber Konzernen sehen die Autoren in den flachen Hierarchien von KMU: „Neue Ideen werden im direkten Austausch diskutiert und die Umsetzung spontan entschieden.“ Allerdings geschehe dies oft auf Kosten der objektiven Bewertung und der Ausschöpfung aller Möglichkeiten zur Ideengenerierung. Nicht nur Werkzeuge wie Social Media oder Wikis seien derzeit im Mittelstand noch nicht ausreichend verbreitet. Auch von der Umsetzung von Ideen mittels Open Innovation schrecken KMUs noch zurück: „Es besteht die Unsicherheit, was mit solchen Ideen passiert, wenn ‚Fremde‘ mitarbeiten.“ Dabei gibt es bereits positive Beispiele, wie das Buch zeigt.

Professor Dr. Martin Kaschny ist Inhaber der Professur für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre – insbesondere Mittelstandsmanagement und Unternehmertum – an der Hochschule Koblenz.

Matthias Nolden ist selbstständiger Unternehmensberater – unter anderem mit den Schwerpunkten Strategie-Implementierung, Vertriebsprozesse und Innovationsmanagement.

Professor Dr.-Ing. Siegfried Schreuder ist Professor im Fachbereich Ingenieurwesen und Leiter des Kompetenzzentrums für Wissensmanagement an der Hochschule Koblenz.

Martin Kaschny | Matthias Nolden | Siegfried Schreuder
Innovationsmanagement im Mittelstand
Strategien, Implementierung, Praxisbeispiele
2015, 419 S.
Hardcover € 69,99 (D) | € 71,95 (A) | sFr 87.50 (CH)
ISBN 978-3-658-02544-1
Auch als eBook verfügbar

Bild: Coverabbildung des Buchs Innovationsmanagement im Mittelstand von Springer Gabler | © Springer

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Springer für Professionals: Interview mit Martin Kaschny und Matthias Nolden

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