Der Untergang eines Imperiums

Der ehemalige russische Premierminister Jegor Gajdar über die Umbrüche der 1990er-Jahre | Volkswirtschaftlich-politisches Sachbuch posthum in deutscher Sprache veröffentlicht

Wiesbaden, 12. November 2015

© Springer„Es gibt nur wenige Menschen, die in Zeiten des Umbruchs gegen viel Widerstand ruhig, zielgerichtet und konsequent bleiben. Gajdar war so ein Mensch“, schreibt der Vizepräsident des Europäischen Parlaments Alexander Graf Lambsdorff im Vorwort des gerade bei Springer Gabler erschienenen Sachbuchs Der Untergang eines Imperiums. Jegor Gajdar, ab 1991 russischer Wirtschaftsminister und später kommissarischer Premierminister unter Staatspräsident Boris Jelzin, war nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion einer der Väter der marktwirtschaftlichen Reformen in seinem Land. Als er 2009 starb, hinterließ er der Nachwelt ein faszinierendes Manuskript, das jetzt erstmals in deutscher Sprache vorliegt. Schonungslos schildert Gajdar darin, wie die sowjetische Planwirtschaft in den 1980er-Jahren immer mehr in die Krise geriet und auf welche Schwierigkeiten die anschließenden Reformen stießen. Dabei legt er nicht nur eine scharfsinnige Analyse jener ökonomischen Transformation vor, sondern weitet als Wissenschaftler und Wirtschaftsjournalist auch den Blick auf den Niedergang von Imperien im Allgemeinen. Damit liefert er ein wichtiges Werk – auch für das Verständnis der Vorgänge in Putins Russland sowie in anderen Teilen Mittel- und Osteuropas.

„So wie der heutige Erfolg der deutschen Wirtschaft unter Bundeskanzlerin Angela Merkel auf die Arbeitsmarktreformen unter ihrem Vorgänger Gerhard Schröder vor 10 Jahren zurückzuführen sind, so muss man Jegor Gajdar für das russische Wirtschaftswachstum der 2000er-Jahre verantwortlich machen – nicht für das Erbe seiner Vorgänger“, so Alexander Graf Lambsdorff weiter. Der ehemalige russische Premierminister sei damit ein Vorbild als Politiker und Ökonom. Durch entschlossene markwirtschaftliche Reformen habe er Russland Anfang der 1990er-Jahre vor dem Abgleiten in einen Bürgerkrieg bewahrt und gleichzeitig die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass das Land zu einer Marktwirtschaft mit großem Potenzial werden konnte: „Dass dieses Potenzial bis heute nicht verwirklicht wird, ist nicht Gajdar zuzuschreiben, sondern seinen Nachfolgern.“ Gajdar habe gewusst, dass Freiheit und Eigenverantwortung als Grundlagen für eine neue, stabilere Gesellschaftsordnung und für eine erfolgreiche Wirtschaft in Russland nötig sind.

Jegor Gajdar bestand stets darauf, mehr Volkswirt als Politiker zu sein. Als solcher hat er einige der wichtigsten Chroniken der russischen Wirtschaftsgeschichte verfasst. Das vorliegende Buch aber ist nicht nur eine spannende Chronik der Vergangenheit, sondern behandelt auch zwei Probleme, die aktueller nicht sein könnten: die Absage an ein Imperium als Voraussetzung für das Überleben in einer neuen Welt sowie der Fluch der Rohstoffwirtschaft. Gajdar verdeutlicht, dass eine blühende Zukunft Russlands in Reichtum, Freiheit und Fortschritt nur mit einer Absage an eine aggressive Außenpolitik funktionieren kann. Im Anblick der Rezession in der russischen Wirtschaft seit dem Ende der Sowjetunion scheint seine Warnung vor der Rohstoffabhängigkeit für Alexander Graf Lambsdorff fast schon prophetisch: „Die heutige Krise hat ihre Wurzeln in der Monopolisierung und Zentralisierung der Energiewirtschaft, in der immer tieferen Abhängigkeit vom Ölpreis und der Verzögerung nötiger marktwirtschaftlicher Reformen.“ Solange aber die Werke von Jegor Gajdar gelesen werden, bestehe Hoffnung: „Wir werden weiter an einem ‚Gemeinsamen Haus Europa‘ bauen können, wie es der ehemalige Präsident Michael Gorbatschow ausgedrückt hatte.“

Jegor Gajdar (1956-2009) war russischer Politiker und Ökonom. Als Wirtschaftsmi-nister und kommissarischer Ministerpräsident von Russland während der Rubelkrise war er der Architekt der einschneidenden Wirtschaftsreformen Anfang der 1990er-Jahre – der so genannten „Schocktherapie“.

Jegor Gajdar
Der Untergang eines Imperiums
Mit Illustrationen von Werner Tiki Küstenmacher
2016, 369 S.
Hardcover € 29,99 (D) | € 30,83 (A) | sFr 31.00 (CH)
ISBN 978-3-658-10572-3
Auch als eBook verfügbar

Bild: Coverabbildung des Buchs Der Untergang eines Imperiums von Springer Gabler | © Springer

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Vorwort Alexander Graf Lambsdorff

Vorwort Alexej Kudrin

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