Von Kaugummis, Diskokugeln und Michael Jacksons weißem Handschuh

Metzler-Autor erzählt in seinem Sachbuch All these things die Geschichte der Popkultur vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart anhand von 14 ausgewählten Dingen

Heidelberg | Wiesbaden, 26. Januar 2022

Coverabbildung_All_these_things © Springer-Verlag GmbHPopkultur drehte sich immer schon um die ganz besonderen und die ganz normalen Dinge: von Winnetous Silberbüchse über Kaugummis, Diskokugeln und Nylonstrümpfe bis zu Selfiesticks und Michael Jacksons weißem Handschuh. Sie werden alltäglich genutzt und abgöttisch verehrt, sind überall verfügbar oder unerreichbar, sind spektakuläre Unikate oder billige Massenprodukte. Stefan Krankenhagen erzählt in seinem gerade erschienenen Sachbuch All these things die Geschichte der Popkultur vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart anhand von 14 ausgewählten Dingen. Sie alle haben ihre eigene Geschichte und stehen für die kulturellen, technischen und ökonomischen Veränderungen der Zeit – vor allem aber für 150 Jahre Unterhaltungskultur.

„Ich beschreibe im Buch 14 Dinge des Populären und der Popkultur zwischen dem Ende des 19. und dem Anfang des 21. Jahrhunderts ausdrücklich als Populäre Dinge“ erklärt Stefan Krankenhagen. Dabei fragt er nach ihrem Unterhaltungswert zwischen Ernst und Unernst und thematisiert auch offensichtliche Widersprüche als einen Teil davon – etwa am Beispiel des weißen Handschuhs von Michael Jackson, der als serialisiertes Massenprodukt und Fanartikel für wenig Geld zu haben ist und als Original des Motown-Konzerts von 1983 zu einem der wertvollsten Memorabilia eines Popstars geworden ist. Krankenhagen beschreibt aber auch Dinge, die es schwermachen, den Unterhaltungswert der Populären Kultur ernst zu nehmen, weil sich hier koloniale Verstrickungen und asymmetrische Machtbeziehungen deutlich zeigen: Etwa, wenn der reale Skalp, den William F. Cody dem Häuptling der Cheyenne in einem Kampf nahm, zum „fiktionalen Zentrum“ seiner populären Geschichtsvermittlung im Format der „Wild West Show“ wird. Am Ende werde anhand all der beschriebenen Dinge deutlich, dass das Populäre und die Popkultur Anteil an den zivilisatorischen Brüchen der Moderne haben, deren Motor sie gleichzeitig sind, so der Autor: „In ihnen spiegeln sich gelungene wie missglückte, erhoffte und ersehnte, trügerische und gewaltsame Realitäten der letzten 150 Jahre wider.“

Stefan Krankenhagen verfolgt in seinem Buch den Anspruch, mit der eingenommenen Perspektive zu einem „elastischen“ Blick auf das „Multiversum“ der Popkultur einzuladen – in Anlehnung an einen Begriff des Philosophen Ernst Bloch, der daran seine Theorie der Ungleichzeitigkeit entwickelte: „Das Multiversum der Popkultur – also die unterschiedlichen, sich gegenseitig beeinflussenden kulturellen, ökonomischen und politischen Bedingungen ihrer Entstehung und Entwicklung – ist meiner Meinung nach mit einem breit gefächerten, flexiblen und dynamischen Verständnis der Dinge besser zu verstehen.“

Stefan Krankenhagen ist Professor für Kulturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Populäre Kultur an der Stiftung Universität Hildesheim.

Stefan Krankenhagen
All these things
2021, 381 S.
Hardcover € 19,99 (D) | € 20,55 (A) | sFr 22.50 (CH)
ISBN 978-3-476-05829-4
Auch als eBook verfügbar

Bild: Coverabbildung von All these things | © Springer

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