Vom Übertourismus zum nachhaltigen Reisen

Springer VS-Autor Kurt Luger über die Widersprüchlichkeiten im Tourismus und die Folgen durch die Corona-Pandemie | Start der neuen Buchreihe Innovativ und kompakt – gesellschaftliche Herausforderungen der Gegenwart

Wiesbaden, 19. Juli 2022   

Coverabbildung_Tourismus_Ueber_das_Reisen_und_Urlauben_in_unserer_Zeit © Springer Fachmedien Wiesbaden GmbHDurch die Auswirkungen von Covid-19 auf den Tourismus gingen der Weltwirtschaft innerhalb von zwei Jahren über vier Billionen Dollar verloren. Die Pandemie bedeutet damit eine Zäsur für diese vom Wachstum verwöhnte Branche und bewirkt nach Meinung von Kurt Luger angesichts der erkannten Verletzbarkeit des Systems und der immer spürbarer werdenden Klimakrise endgültig das bereits in den 1980er Jahren begonnene Umdenken: „Einsicht statt Gedankenlosigkeit im touristischen Verhalten und Verantwortungsbewusstsein statt ungezügelter Entwicklung könnten die ethischen Eckpfeiler sein, die auch wirtschaftlich und ökologisch vernünftig sind.“ In seinem Buch Tourismus – Über das Reisen und Urlauben in unserer Zeit schreibt Luger über das Reisen in den westlichen Industriegesellschaften, über den veritablen, globalen Massentourismus durch entfesselte individuelle Mobilität bis hin zur Problematik Übertourismus und die immer stärker werdende Forderung nach nachhaltigem, minimalinvasivem Reisen. Das Buch ist der erste Band in der neuen Springer VS-Buchreihe Innovativ und kompakt – gesellschaftliche Herausforderungen der Gegenwart, in der aktuelle und dominante gesellschaftliche Diskurse durch wissenschaftliche Einsichten bereichert werden sollen.

Die Corona-Pandemie und in der Folge der radikale temporäre Zusammenbruch der Tourismus-Branche haben deren ökonomische Bedeutung drastisch vor Augen geführt. Aber Tourismus ist mehr als nur Ökonomie, sagt Kurt Luger: „Seit den Wiederaufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Reisen Bestandteil des modernen Lebensstils der westlichen Industriegesellschaft. Erholung und Neugier, Welterfahrung und Statusgewinn sind seitdem die tragenden Motive aufseiten der Reisenden. Die Erzielung von Einkommen oder Profit hingegen die Interessenskonstellation auf der Seite der mehr oder weniger professionellen Dienstleister, die sich bis heute gerne als Gastgeber titulieren.“ Tourismus also als Gastfreundschaft oder doch nur ein profanes Geschäft? Der Nutzen hat auch negative Seiten, bestätigt Luger: „Zum Beispiel für Einheimische, die am Tourismus nicht teilhaben, und nur vom Verkehr, von den hohen Preisen in der Gastronomie und beim Wohnen betroffen sind.“ Verlierer sei nicht selten auch die ungeschützte Natur, die Umwelt und der Lebensraum. Denn Infrastruktur für den Tourismus verbrauche Landschaft und verändere sie drastisch. Wie in jeder anderen Branche also gibt es auch Schattenseiten mit dem Geschäft, in dem immer die Sonne zu scheinen schien: „Eine Bilanz muss alle diese Aspekte einbeziehen und zueinander in Beziehung setzen.“ Den vielen Widersprüchlichkeiten nachzugehen, sie aufzuzeigen und zu analysieren, um gewissermaßen einen bewussteren und eigenverantwortlichen Tourismus damit anzustoßen, ist die Absicht, die der Autor mit seinem Buch verfolgt.

In den Sozialwissenschaften wird der Ruf immer lauter, dominante gesellschaftliche Diskurse öffentlichkeitswirksamer durch wissenschaftliche Erkenntnisse zu begleiten, erklären die Herausgeber Wolfgang Aschauer und Thomas Herdin den Ansatz ihrer neuen Buchreihe: „Es gibt sie ja – die originären Ideen und fundierten Analysen – jedoch finden diese in der Regel noch zu wenig Eingang in die Alltagswelt. Hochwertige Publikationen werden oft nur in der Scientific Community rezipiert.“ Gerade aber angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen seien Sozialwissenschaftler*innen mehr denn je gefordert, ihre Erkenntnisse aus den Kernaufgaben Forschung und Lehre auch in die Gesellschaft zu tragen: „Es geht dabei um die gezielte Bekanntmachung und Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnis zum adäquaten Umgang mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen.“ Im Idealfall könnten Entscheidungsträger*innen aus Wirtschaft und Politik durch die innovativen sozialwissenschaftlichen Analysen angeregt werden, Schritte hin zu einer positiven gesellschaftlichen Entwicklung zu leisten.

„Als Wissenschaftsverlag sehen wir unsere Aufgabe nicht nur darin, die wissenschaftsinterne Kommunikation zu erleichtern und zu beschleunigen, sondern auch die zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit“, ergänzt Cori Antonia Mackrodt, Senior Editor bei Springer Nature und verantwortlich für das Soziologie-Programm von Springer VS. „Damit nehmen wir als Akteur im Wissenschaftsbetrieb auch unsere Rolle als vierte Gewalt wahr, nämlich unsere Beteiligung an der Ermöglichung einer ganzheitlichen Meinungsbildung.“ Bände zu aktuellen Themen wie Migration, Globalisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt seien für die neue Buchreihe in Diskussion.

Springer VS (www.springer-vs.de) publiziert deutschsprachige Lehr- und Fachmedien im Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften. Das Programm steht für fundierte Inhalte und kompetenten Service rund um die Themen Soziologie | Politik | Pädagogik | Medien | Ethik + Philosophie | Geschichte. Springer VS bietet sowohl Hochschulen als auch politischen und kulturellen Organisationen eine fundierte und aktuelle Plattform im Bereich Gesellschaft. Das Portfolio umfasst gedruckte Bücher und eBooks, Zeitschriften sowie Online-Angebote. Springer VS ist Teil von Springer Nature.

Bild: 
Coverabbildung des ersten Bandes der neuen Buchreihe: Tourismus – Über das Reisen und Urlauben in unserer Zeit | © Springer

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