Schrumpfende Regionen – dynamische Hochschulen

Wie Universitäten die wirtschaftlichen Gefahren des demografischen Wandels eingrenzen | Forschungsband fordert neues Hochschulfinanzierungsmodell

Wiesbaden, 12. August 2015

© Springer„Die Existenz von Hochschulen vorwiegend mit Studierendenzahlen zu rechtfertigen, könnte sich gerade in demografisch herausgeforderten Regionen fatal auswirken“, warnen die Herausgeber Michael Fritsch, Peer Pasternack und Mirko Titze im Vorwort des neuen Springer VS-Sammelbands Schrumpfende Regionen – dynamische Hochschulen. Denn nach Auffassung der Herausgeber nehmen Universitäten neben ihrem Bildungsauftrag weitere Funktionen in Forschung und Wissenstransfer wahr. Das macht sie zu einem wichtigen Akteur für die regionale Innovationstätigkeit. Im Kontext der alternden und schrumpfenden Bevölkerung und den damit einhergehenden ökonomischen Problemen sei dies von hoher Bedeutung – insbesondere in ländlichen und ostdeutschen Regionen ohne große Unternehmenszentralen. Die Beiträge im Buch sind die Ergebnisse eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekts. Sie zeigen, wie die vielfältigen Aktivitäten von Universitäten die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung einer Region fördern. Auf dieser Grundlage wird die aktuelle Ressourcenausstattung der Hochschulen kritisch diskutiert und ein alternatives Hochschulfinanzierungsmodell vorgeschlagen.

„Politik und regionale Akteure stehen vor der Aufgabe, zugleich Voraussetzungen für ‚selbsttragende Entwicklungen‘ und ‚gleichwertige Lebensverhältnisse‘ zu schaffen – und dies unter den Bedingungen deutlich abgesenkter Landeshaushalte“, beschreibt Michael Fritsch das Problem. Ein zentraler Stellenwert komme bei dieser Herausforderung Innovationsprozessen und den Hochschulen als Basis von Wissensgenerierung und -transfer zu. Welche Beiträge können Universitäten in demografisch geforderten Regionen leisten? Und wie müssen sie gefördert werden? Eine wichtige Erkenntnis des Forschungsprojekts besteht darin, dass die Studierendenanzahl in einer Region weitestgehend unabhängig von der regionalen Bevölkerungsentwicklung ist, so der Volkswirt: „Die Hochschulen müssen also ihre Attraktivität für Studierende von außerhalb der Region durch Profilbildung und gute Studienbedingungen erhöhen.“ Ein intensiverer Wettbewerb könne zu einer Verbesserung der Hochschulausbildung beitragen. Da die zu verteilende Gesamtanzahl der Studierenden aber begrenzt ist, bleibe die Frage der Kapazitätssteuerung von Hochschulen weiterhin relevant.

In den Beiträgen werden daher die vielfältigen Wirkungen von Hochschulen auf die regionale Entwicklung analysiert. Die Ergebnisse belegen, dass diese über eine reine Ausbildungsfunktion hinausgehen. Zum Beispiel erzeugen Hochschulen nicht nur neues Wissen durch eigene Forschung, berichten Peer Pasternack und Mirko Titze: „Hochschulen wirken auch als „Gatekeeper“, in dem sie außerhalb der Region erzeugtes Wissen absorbieren, aufbereiten und in die private Wirtschaft einbringen.“ Diese Verflechtungen förderten regionale Innovationsprozesse. Zudem pflegten Universitäten auch Beziehungen zu regionalen Akteuren aus nicht-ökonomischen Motiven: „Durch die Integration in regionale Entscheidungsstrukturen – sei es in Zusammenarbeit mit Stadtverwaltungen, Unternehmen oder Vereinen – nehmen sie aktiv Einfluss auf die soziale Entwicklung.“ Nicht zuletzt entwickelten Hochschulen auch eigene regionsspezifische Angebote. Wissensgesellschaftliche Erfolgsgeschichten sehen die Herausgeber dabei nicht auf Ballungszentren begrenzt: „Es gibt zahlreiche Beispiele von Städten kleinerer und mittlerer Größe, die in der Lage sind, Wissensdomänen und damit verbundene Aktivitäten an sich zu binden.“

Den Ergebnissen des Forschungsprojekts zufolge schlagen die Herausgeber der Politik ein alternatives Hochschulfinanzierungsmodell mit vier Bereichen vor: „Eine von der Studienplatzauslastung abhängige Komponente sollte kombiniert werden mit wettbewerblich verteilten Anteilen – zum Beispiel für Spitzenforschung und für die Gestaltung ökonomischer wie auch sozialer Innovationen für die Region.“

Professor Dr. Michael Fritsch lehrt an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Professor Dr. Peer Pasternack leitet das Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg (HoF).

PD Dr. Mirko Titze ist Koordinator des Zentrums für evidenzbasierte Politikberatung am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).

Michael Fritsch | Peer Pasternack | Mirko Titze (Hrsg.)
Schrumpfende Regionen – dynamische Hochschulen
Hochschulstrategien im demografischen Wandel
2015, 300 S.
Softcover € 34,99 (D) | € 35,97 (A) | sFr 44.00 (CH)
ISBN 978-3-658-09123-1
Auch als eBook verfügbar

Bild: Coverabbildung des Buchs Schrumpfende Regionen – dynamische Hochschulen von Springer VS | © Springer

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