Raus aus dem Dunkel der Anonymität

Warum der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) und PEGIDA auch eine Bewährungsprobe für die Sozialwissenschaften sind

Wiesbaden, 20. Oktober 2015

© SpringerAm 04. November jährt sich die Selbstenttarnung des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) zum vierten Mal. Mehr als 13 Jahre lang hatte die rechtsextreme Terrorgruppe um Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe versteckt gemordet, gebombt und Banken überfallen. Die Ereignisse werden zum Wendepunkt im Umgang mit rechter Gewalt und der militanten Neonaziszene in Deutschland, wo sich die rechtspopulistischen Milieus und Bewegungen neu sortieren. Die folgende PEGIDA-Bewegung und ihre Ableger sind dabei nach Meinung von Wolfgang Frindte und Matthias Quent auch als eine Bewährungsprobe der Sozialwissenschaften zu sehen: „Weil nun sichtbar wird, was bisher im Dunkel anonymer Befragung verschwand – die Vielfalt empirischen Materials, dass uns mit den Debatten in den Sozialen Medien zur Verfügung steht, eröffnet Chancen, unser Instrumentarium neu zu justieren.“ Die beiden bei Springer VS erschienenen Bücher Rechtsextremismus und „Nationalsozialistischer Untergrund“ und Rechtsextremismus in lokalen Kontexten zeigen entsprechende Ansätze in der Rechtsextremismusforschung, diskutieren die öffentlichen Kontroversen um den NSU und stellen neue Präventions- und Interventionsansätze vor.

„Im Jahre 2014 verzeichnete die Polizei einen deutlichen Anstieg bei rechten Gewalttaten, vor allem bei den fremdenfeindlich motivierten“, warnt Wolfgang Frindte. So würden die zunehmenden Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte durch rechtspopulistische Bewegungen angeheizt, die scheinbar mit den etablierten wissenschaftlichen Rechtsextremismus-Definitionen und -Instrumentarien nicht mehr zu analysieren sind. Was sozialwissenschaftliche Beobachtungen in diesem Zusammenhang tatsächlich leisten können, ist die Frage im Mittelpunkt des Sammelbands Rechtsextremismus und „Nationalsozialistischer Untergrund“, den Frindte gemeinsam mit Daniel Geschke, Nicole Haußecker und Franziska Schmidtke herausgegen hat. Ein großer Teil der Beiträge geht auf die 27. Jahrestagung Friedenspsychologie zurück, die Ende Juni 2014 unter dem Titel „Nationalsozialistischer Untergrund, Rechtsextremismus und aktuelle Beiträge der Friedenspsychologie“ an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena stattfand. Um die damals angestoßenen Debatten weiterzuführen und nach Antworten auf die offenen Fragen zum Rechtsextremismus, Rechtspopulismus und NSU zu finden, bietet der Band vielfältige Anregungen aus theoretischen, empirischen und praktischen Perspektiven.

„Es gibt keine Stadt ohne Rechtsextremismus – diesen zu erkennen aber ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Praxis dagegen“, sagen Matthias Quent und Peter Schulz. An dieser Herausforderung für viele Kommunen und Akteure setzt das Buch Rechtsextremismus in lokalen Kontexten an. In vier soziologischen Fallstudien identifizieren die beiden Autoren Faktoren, die lokale Gemeinschaften anfällig oder widerstandsfähig gegenüber rechtsextremistischen Erscheinungsformen machen. Der Vergleich der Fallbeispiele offenbart, wie der Rechtsextremismus vor Ort funktioniert, wie man ihn erkennt und wissenschaftlich erhebt, was ihn befördert, wie er sich verändert und wie ihm beizukommen ist: „Am Fall der Stadt Jena, die viele Jahre eine Hochburg der rechtsextremen Bewegung und der politische Sozialisationsraum des rechtsterroristischen NSU war, wird nachgewiesen, wie die demokratische Zivilgesellschaft es schaffen kann, den organisierten Rechtsextremismus zurückzudrängen.“ Quent und Schulz stellen Befunde der empirischen Untersuchung anschaulich dar und leiten daraus praxisnahe Handlungsempfehlungen für Politik, Öffentlichkeit und Wissenschaft ab – auch über den lokalen Tellerrand hinaus. Dabei werben die Soziologen für eine Allianz zwischen Forschenden und Zivilgesellschaft.

Die beiden Bücher sind in der Edition Rechtsextremismus erschienen. Die Buchreihe versammelt innovative und nachhaltige Forschungsbeiträge zu Erscheinungsformen der extremen Rechten als politisches, soziales und kulturelles Phänomen. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei transnationalen Entwicklungen in Europa.

Professor Dr. Wolfgang Frindte leitet die Abteilung Kommunikationspsychologie am Institut für Kommunikationswissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Dr. Daniel Geschke ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Servicestelle LehreLernen der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Dr. Nicole Haußecker ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Kommunikationspsychologie am Institut für Kommunikationswissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Franziska Schmidtke ist Koordinatorin des Kompetenzzentrum Rechtsextremismus an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und lehrt am dortigen Institut für Soziologie.

Matthias Quent und Peter Schulz sind wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Wolfgang Frindte | Daniel Geschke | Nicole Haußecker | Franziska Schmidtke (Hrsg.)
Rechtsextremismus und „Nationalsozialistischer Untergrund“
Interdisziplinäre Debatten, Befunde und Bilanzen
2016, 509 S.
Softcover € 39,99 (D) | € 41,11 (A) | sFr 42.50 (CH)
ISBN 978-3-658-09996-1
Auch als eBook verfügbar

Matthias Quent | Peter Schulz
Rechtsextremismus in lokalen Kontexten
Vier vergleichende Fallstudien
2015, 311 S.
Softcover € 39,99 (D) | € 41,11 (A) | sFr 42.50 (CH)
ISBN 978-3-658-07369-5
Auch als eBook verfügbar

Bild: Coverabbildungen Rechtsextremismus-Bücher von Springer VS | © Springer

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