Hoffen, dass der Kelch an einem vorübergeht

Generationenstudie dokumentiert das Scheitern der Aufklärung zum demografischen Wandel und zeigt Wege zum überfälligen Zukunftsmanagement

Wiesbaden, 05. November 2015

© Springer„Die demografisch-historische Zäsur ist in der deutschen Bevölkerung noch nicht angekommen – und das trotz jahrzehntelanger Warnungen aus der Wissenschaft und verstärkten Bemühungen um Aufklärung durch Presse und Politik seit der Jahrtausendwende“, beschreibt Thomas Druyen das zentrale Ergebnis der aktuellen Studie Drei Generationen im Gespräch – Eine Studie zum intergenerativen Zukunftsmanagement, die als Buch bei Springer VS erschienen ist. Das Wiener Institut für Vergleichende Vermögenskultur und Vermögenspsychologie hatte im Auftrag der Allianz Leben drei Generationen zu ihrer Einschätzung des demografischen Wandels befragt. Die Resultate dokumentieren: Weder die epochalen Dimensionen der Veränderung auf individueller, kollektiver und staatlicher Seite noch die dringende Notwendigkeit geeigneter Prävention finden eine bewusste und aktive Resonanz in der Bevölkerung. Statt Initiative und Eigenverantwortung erzeugt der Rückzug der sozialen Sicherungssysteme Verdrängung, Orientierungslosigkeit und ein Festhalten an obsoleten Gewohnheiten.

„Vor dem spektakulären Geschenk von drei dazugewonnenen Jahrzehnten Lebenszeit erweisen sich die Generationen im Hinblick auf Vorsorge, Pflege und Zukunftsgestaltung als uninspiriert und weitgehend planlos“, stellt Thomas Druyen fest. Die Studie habe nachhaltig klar gemacht, dass vor allem eine Kraft alle Lebensanstrengungen dominiert: die Macht der Gewohnheit. Psychologisch ist das Verhalten der Bürger nach Ansicht des Sozialwissenschaftlers nachvollziehbar. Einer nicht zu durchschauenden Flut aus Informationen, Digitalisierung, Globalisierung und Katastrophen begegneten die meisten mit Abschottung und Verdrängung. Zudem erfreuten sich die meisten – hier und heute – eines lebenswerten Wohlstandes und einer Lebenssicherheit, deren Bedrohung sie nicht sehen wollen: „Rationalität und Fakten bringt man nicht mehr unter einen Hut – stattdessen erhält das Bauchgefühl in den Wirren des Alltags eine herausragende Bedeutung.“

Diese Dominanz des Emotionalen ist in der Studie sehr gut nachvollziehbar, so Druyen weiter. Ebenfalls ablesbar seien die Konsequenzen: eine Vernachlässigung von Langfristigkeit, Planung und Impulskontrolle. Die Zukunft werde immer mehr als Schicksal begriffen – und immer weniger als Ergebnis des eigenen Handelns. Dieses Fazit aber ist für den Herausgeber katastrophal: „In der immer schneller und unvorhersehbarer werdenden Welt brauchen jeder Mensch und jede Institution mehr denn je eine Vorstellung, ein Verständnis, eine Landkarte der eigenen Ziele, um sich zurechtzufinden.“ Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Dringlichkeit finanzieller, gesundheitlicher und biografischer Vorsorge liegen im Rahmen der Vermögensforschung vor, betont Druyen. Sie fänden bei den Betroffenen aber kaum handlungsleitenden Niederschlag. Und das, obwohl sich die vor jedem liegende Zukunft mit der gestiegenen Lebenserwartung signifikant verlängert: „Umso größer sind die Optionen und die Notwendigkeit der vorsorgenden Einwirkung – dieses Verständnis soll mit unserer Arbeit befördert werden.“

Das Buch versteht sich demnach als eine Bestandsaufnahme und erster Schritt zu einem längst überfälligen Zukunftsmanagement, indem es anhand intergenerativer Befragungen Perspektiven und Verdrängungsmechanismen in Bezug auf die Zukunftsgestaltung erstmals umfassend analysiert.

Dr. Thomas Druyen ist Professor für vergleichende Vermögenskultur und Vermögenspsychologie und Direktor des gleichnamigen Instituts sowie Leiter des im Oktober 2015 neu eröffneten Institutes für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement (IZZ) an der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien.  

Thomas Druyen (Hrsg.)
Drei Generationen im Gespräch – Eine Studie zum intergenerativen Zukunftsmanagement
2015, 238 S.
Hardcover € 34,99 (D) | € 35,97 (A) | sFr 37.00 (CH)
ISBN 978-3-658-10407-8
Auch als eBook verfügbar

Bild: Coverabbildung des Buchs Drei Generationen im Gespräch – Eine Studie zum intergenerativen Zukunftsmanagement von Springer VS | © Springer

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