Eurokrise fördert Integration

Neuer Forschungsband stellt sich gegen den pessimistischen Mainstream und zeigt, warum die europäische Währungskrise gesellschaftsbildend wirkt

Wiesbaden, 01. Juli 2015

© SpringerDie Eurokrise und ihre Folgen stellen hohe Belastungsproben für die Europäische Integration dar – allein in den kommenden Wochen müsste die griechische Regierung Schulden in Höhe von mehreren Milliarden Euro tilgen sowie refinanzieren und steht kurz vor der Pleite. Dass solche Finanzprobleme auf die griechische Bevölkerung abgewälzt werden, ist nach Meinung von Georg Vobruba und Jenny Preunkert ein Skandal. Dennoch sehen die Herausgeber des gerade bei Springer VS erschienenen Sammelbands Krise und Integration kaum eine Gefahr für die Europäische Integration: „Die Eurokrise hat nicht zu weniger, sondern zu mehr europäischer Gesellschaft geführt.“ Die Währungskrise habe die Menschen unterschiedlicher Mitgliedsländer zueinander in engere Beziehungen gebracht – ob im Konflikt oder in Kooperation. Darüber hinaus habe sie zu einem stärkeren Institutionengerüst der EU geführt und Bewusstsein für wechselseitige Abhängigkeiten geschaffen. Die Beiträge des Forschungsbands stellen sich damit gegen den pessimistischen Mainstream der sozialwissenschaftlichen Forschung.

„In der breiten Debatte über die Krise der europäischen Währung steht außer Zweifel, dass sie tief greifende Wirkungen auf den gesellschaftlichen Integrationsprozess hat“, räumen Georg Vobruba und Jenny Preunkert ein. Jedoch gebe es unterschiedliche Auffassungen darüber, welcher Art diese Wirkungen sind. Während der Großteil der sozialwissenschaftliche Forschung bisher davon ausging, dass die Eurokrise die Entwicklung einer europäischen Gesellschaft bremse und somit Integration verhindere, präsentieren die Soziologen jetzt Forschungsergebnisse mit wesentlich positiverem Tenor zum Thema. So verstehen die Beiträge des neuen Buchs die Währungskrise selbst als wichtigen Integrationsschritt, der zur Gesellschaftsbildung beiträgt. Die Geschichte der Europäischen Integration habe gezeigt, dass Fortschritte in der Regel nach einem Muster ablaufen: „Ein Integrationsschritt erzeugt Probleme, die durch einen weiteren Integrationsschritt bearbeitet werden, der über kurz oder lang wieder zu Problemen führt.“ Mit jedem dieser Schritte nehme die Institutionalisierung und damit der integrative Fortschritt zu. Zum Beispiel habe in dieser Logik die Reduzierung der Grenzkontrollen innerhalb der EU zur Vergemeinschaftung der Kontrolle der EU-Außengrenze und in deren Folge zur schrittweisen Europäisierung der Flüchtlingspolitik gesorgt. Auf diese Weise analysieren die Beiträge den Zusammenhang zwischen Kriseninterpretationen, Krisenstrategien und der Entwicklung neuer Institutionen in Bezug auf die Eurokrise.

Zugleich aber wirft der Band auch einen Blick auf die Probleme der europäischen Währungskrise, ergänzen Vobruba und Preunkert: „Eine negative Folge ist die Dominanz der Exekutiven und damit ein Demokratiedefizit. Eine weitere die immensen Probleme in den Defizitländern – verbunden mit sozialem Stress vor allem für Städte.“ Beides müsse die Integrationspolitik im Interesse der Betroffenen angehen. Unterbrochen aber haben die Eurokrise und die neuen Herausforderungen die Integration nicht, so das Fazit der Herausgeber: „Im Gegenteil: die Krise hat Institutionen gefestigt und politische Möglichkeiten erweitert – die Destruktion der EU durch den Euro nach Angela Merkels Motto ‚scheitert der Euro, dann scheitert Europa‘ ist darum höchst unwahrscheinlich.“

Der Sammelband ist in der Buchreihe Europa – Politik – Gesellschaft erschienen. Die Reihe versammelt innovative Beiträge aus der sozialwissenschaftlichen Europaforschung und öffnet neue Forschungshorizonte an den Schnittstellen von nationaler Gesellschaft, europäischen Institutionen und globalen Arenen.

Dr. Jenny Preunkert arbeitet als Akademische Rätin am Institut für Soziologie der Universität Leipzig.

Dr. Georg Vobruba ist Professor am Institut für Soziologie an der Universität Leipzig. 

Jenny Preunkert | Georg Vobruba (Hrsg.)
Krise und Integration
Gesellschaftsbildung in der Eurokrise
2015, 234 S.
Softcover € 34,99 (D) | € 35,97 (A) | sFr 37.50 (CH)
ISBN 978-3-658-09230-6
Auch als eBook verfügbar

Bild: Coverabbildung des Buchs Krise und Integration von Springer VS | © Springer

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