Das „Ewige Eis“ schmilzt: Politkrimi Arktis?

Die Gefahr eskalierender Spannungen zwischen den arktischen Küstenstaaten ist geringer als in der öffentlichen Diskussion vermutet

Wiesbaden, 14. Juli 2015

© SpringerDer Klimawandel und die globale Erwärmung bewirken tiefgreifende Veränderungen in den Naturräumen der Erde. Nirgendwo wird das so offenkundig sichtbar wie in der Arktis, wo sich der Anstieg der Durchschnittstemperaturen doppelt so schnell vollzieht wie in südlicheren Breiten. Wo bislang eine schwimmende Eisschicht das Meer zwischen Sibirien, Alaska, Kanada, Grönland und dem Norden Skandinaviens ganzjährig bedeckte, werden sich in absehbarer Zukunft neue Seewege für den Welthandel öffnen und der Zugriff auf bisher unerreichbare Bodenschätze unter dem Meeresgrund möglich sein. Diese Perspektiven haben eine Debatte darüber ausgelöst, ob der Klimawandel im Hohen Norden nicht nur ökologische, sondern auch brisante politische Folgen mit sich bringen wird: Droht ein Konflikt der arktischen Küstenstaaten um Territorien und Schürfrechte? In seinem in der Buchreihe Springer essentials erschienenen Springer VS-Buch Zukunftsraum Arktis erklärt Golo M. Bartsch, warum die Gefahr eskalierender Spannungen zwischen den Anrainern wesentlich geringer ist als oftmals in der öffentlichen Diskussion vermutet.

„Eine Hochrechnung vor einigen Jahren erwartete nicht weniger als 13 Prozent der weltweit noch unentdeckten Erdöl- und sogar 30 Prozent der Erdgasvorräte unter dem küstennahen Meeresboden des Polarmeeres“, beschreibt Golo M. Bartsch den Zusammenhang von Klimawandel und globalisierter Ökonomie. Die tauende Arktis liefert so scheinbar besten Stoff für einen regelrechten Politkrimi um Territorien und Schürfrechte – insbesondere zwischen den fünf Küstenstaaten USA, Kanada, Norwegen, Dänemark und Russland. In der öffentlichen Diskussion wird immer wieder sogar eine militärische Eskalation befürchtet, so der Autor weiter: „Die Entwicklungen rund um die Ukraine-Krise haben speziell dem Verhältnis der westlichen Anrainer zu Russland noch zusätzliche politische Aktualität verschafft.“

Jedoch treffen diese Erwartungen nach Ansicht von Bartsch nur mit erheblichen Einschränkungen zu. Denn eine rentable Nutzbarkeit der Rohstoffvorkommen und Seewege der Arktis sei keineswegs vorprogrammiert, sondern abhängig von weltwirtschaftlichen Entwicklungen wie den Energie- und Frachtpreisen: „Der hohe Erschließungsaufwand und das ungünstige Kosten-Nutzen-Verhältnis der Offshore-Bohrung und Seefahrt entlang der Küsten des Polarmeeres haben bislang statt Konflikten viel eher die Bereitschaft der Anrainerstaaten zur Kooperation stimuliert.“ Mit Hilfe des internationalen Seerechtes ließen sich zudem die zugänglich werdenden Territorien des Nordens verbindlich zuordnen, sodass faktisch kaum echtes zwischenstaatliches Konfliktpotential entstehe. Auch die seit der Jahrtausendwende zunehmende militärische Präsenz und Manövertätigkeit Russlands und der westlichen Anrainer in der Arktis laufe der kooperativen Arktispolitik der letzten Jahre nicht grundsätzlich zuwider: „Eine verstärkte Militärpräsenz bedeutet nicht gleich aggressive Expansionsabsichten – das Militär im Norden nimmt unter anderem vielfach rein grenzpolizeiliche Aufgaben wie Überwachung und Seenotrettung wahr.“ Unter dem Strich sei die Erschließung der Arktis damit weniger ein vom Konkurrenzkampf geprägtes Nullsummenspiel, sondern eröffne gemeinsamen Anstrengungen der Interessenten weit bessere Aussichten auf wirtschaftlichen Erfolg.

Für Bartsch stehen die Chancen daher trotz der aktuellen Spannungen zwischen Russland und dem Westen gut, dass die Arktis ihre politische Stabilität auch zukünftig bewahren kann. Die Gefahr lauert ganz woanders, so das Fazit des Autors: „Die aus der Erderwärmung resultierende Bedrohung für die einzigartige Umwelt der Nordpolarregion ist ungleich gravierender als das vergleichsweise weit hergeholte Risiko eines zwischenstaatlichen Konfliktes.“

Golo M. Bartsch studierte Staats- und Sozialwissenschaften sowie Governance in München und Hagen und promovierte zur arktischen Sicherheitspolitik an der Universität Bielefeld. Er ist Referent für Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Europäischen Union im Bundesministerium der Verteidigung in Berlin.

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Golo M. Bartsch
Zukunftsraum Arktis
Klimawandel, Kooperation oder Konfrontation?
2015, 40 S.
Softcover € 9,99 (D) | € 10,27 (A) | sFr 7.50 (CH)
ISBN 978-3-658-09262-7
Auch als eBook verfügbar

Bild: Coverabbildung des Buchs Zukunftsraum Arktis von Springer VS | © Springer

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