Wie kommt die Moral in den Kopf?

Von den Grenzen der Werteerziehung zur Förderung sozialer Kompetenzen

Heidelberg, 08. Dezember 2014

© SpringerDie Feiertage stehen vor der Türe. In dieser vorweihnachtlichen Zeit besinnt man sich auf Tugenden wie Hilfsbereitschaft, Großzügigkeit und Nächstenliebe. Moralisches Verhalten wird in diesen Tagen groß geschrieben. Doch wie werden wir zu moralisch handelnden Menschen? Klaus Wahl, Autor des Buches Wie kommt die Moral in den Kopf?, beleuchtet die Motive unseres Handelns, basierend auf Erkenntnissen der Gehirnforschung, der Psychologie und Soziologie. Er zeigt, welche Persönlichkeitsaspekte, Fähigkeiten und Verhaltensneigungen moralisches Handeln begünstigen und somit zu einem friedlichen und angenehmen Zusammenleben führen können. Er erklärt, wie genetische Anlagen, frühkindliche Erfahrungen sowie die Erziehung unser Moralbewusstsein prägen und was im Gehirn passiert, wenn wir moralische Entscheidungen treffen.

„In Krisenzeiten – seien es Umwelt-, Wirtschafts-, Finanz-, Banken- oder Bildungskrisen – wird der Ruf nach Werten laut. Die Auslöser für Krisen sind vielfältig: bankrotte Großbanken, die Bildungsmisere, jugendliche Gewalttäter, Korruption und erschwindelte Doktortitel, Fehltritte von Bundespräsidenten, Bischöfen und Fußballbossen. Das erhitzt die moralische Empörung in Leserbriefen und Internetforen ebenso wie die ‚moral panic‘ von Kulturkritikern, Politikern und Journalisten“, sagt Wahl. Viele klagen, dass sich bestimmte Gruppen nicht mehr an allgemeingültige Werte halten, zumindest nicht an die, die sie selbst zu beachten vorgeben. Solche Vorwürfe sind uns allen nicht fremd und sie helfen auch, gesellschaftliche Normen einzuhalten, indem sie bei Abweichlern Schuld- oder Schamgefühle hervorrufen. Die übliche Erwartung an Werte, Tugenden und Moral sei es, allen Menschen ein gutes individuelles und gesellschaftliches Leben zu ermöglichen, so Wahl.

Doch sind all die Reden über Werteverfall und der Ruf nach Werteerziehung berechtigt? Denn die Forschung hat gezeigt, dass die Macht der Vernunft und eine einfache Werteerziehung nicht die ausschlaggebenden Faktoren für moralisches Verhalten sind. Wahl bezieht sich bei seiner Erklärung auf zahlreiche Forschungsergebnisse aus den Natur- und den Sozialwissenschaften. So berücksichtigt er beispielsweise evolutionstheoretische Annahmen über die Entstehung von Verhaltensregeln. Nicht nur die individuelle Persönlichkeitsentwicklung, sondern auch gesellschaftlichen Erwartungen und die wirtschaftliche Lage können unser Verhalten beeinflussen. Als Fazit stellt er ein Modell für die Ursachen moralischen Verhaltens vor, das sich auf interdisziplinäre Forschung stützt.

Werte haben in einer Gesellschaft die Funktion von ‚Leitsätzen‘, die eine Moral rechtfertigen sollen, die ein gutes Leben und Zusammenleben ermöglicht. Dies kann jedoch von Kultur zu Kultur oder auch von sozialer Schicht zu sozialer Schicht recht unterschiedlich sein. Es lassen sich jedoch immer die Menschen, die der Norm- und Strukturerhaltung gehorchen von denen unterscheiden, die dagegen rebellieren. Der Leser erfährt, welche Kompetenzen zur Verwirklichung von Werten wie Gesundheit, Gerechtigkeit, Freiheit oder Solidarität verhelfen, was unser moralisches Verhalten letztendlich antreibt und wie sozialpädagogische Maßnahmen dies fördern können.

Prof. Dr. Klaus Wahl forschte am Deutschen Jugendinstitut und am Hanse-Wissenschaftskolleg. Zurzeit betreibt er das ‚Psychosoziale Analysen und Prävention – Informations-System (PAPIS)‘. Daneben unterrichtete er an verschiedenen in- und ausländischen Universitäten, unter anderem an der Universität München.

Klaus Wahl
Wie kommt die Moral in den Kopf
2015, XI, 179 S., 7 Abb.
Softcover € 14,99 (D) | € 15,41 (A) | sFr 19.00 (CH)
ISBN 978-3-642-55406-3
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