Vier von zehn oder jeder Vierte

Warum Medien an der Prozenthürde scheitern, zeigt Andreas Quatembers Tour durch falsche Schlagzeilen und unsinnige statistische Interpretationen

Heidelberg | Wiesbaden, 27. Mai 2015

© SpringerEin Schaubild zur Aktienkursentwicklung unterstützt die Kaufempfehlung von Börsenexperten. Die Analyse von Meinungsforschungsergebnissen belegt den möglichen Einzug einer neuen Partei in das zu wählende Parlament. Und im Sportteil veranschaulicht eine Zeitreihe der Weltranglistenplatzierten zum Jahresende die sportliche Entwicklung eines Tennisspielers. Ein Blick in eine beliebige Tageszeitung zu einem beliebigem Thema genügt: Statistiken sind fester Bestandteil der Informationsgesellschaft. „Dennoch ist das Image des Faches Statistik schlecht“, sagt Andreas Quatember. Die Diskrepanz zwischen Bedeutung und schlechtem Ruf beruht nach Ansicht des Linzer Statistik-Professors auf dem Fehler, die Qualität der statistischen Methoden mit der Qualität ihrer Anwendung zu verwechseln. Denn ob aus Unachtsamkeit, Unverständnis oder Unvermögen: „In den Medien wird mit Statistiken allzu oft Des-Information betrieben.“ Jahrelang hat Quatember Beispiele gesammelt und lädt jetzt in seinem Springer Spektrum-Sachbuch Statistischer Unsinn zu einer kritischen und amüsanten Tour durch falsche Schlagzeilen und unsinnige Interpretationen statistischer Ergebnisse in den Medien ein.

„Vier von zehn Beschenkten sind zumindest mit einem der dieses Jahr erhaltenen Weihnachtspräsente unzufrieden. Das ergibt sich aus einer aktuellen Studie, die das Internetversandhaus Ebay präsentiert hat.“ So beginnt ein Artikel einer österreichischen Tageszeitung mit der Schlagzeile „Geschenke werden immer häufiger weiterverkauft“ und dem Untertitel „Jeder Vierte unzufrieden mit Weihnachtspräsenten“. Die aktuelle Studie zeigt, dass vier von zehn Beschenkten unzufrieden sind – also 40 Prozent. Daraus wird in der Zeitung jeder Vierte – also 25 Prozent. Die Liste solcher Beispiele im Buch ist lang. Der Leser kann darüber staunen, dass ein Viertel aller Studierenden alkoholabhängig ist oder dass höherer Schokoladenkonsum mehr Nobelpreisträger erzeugt. Quatember beschreibt dabei nicht nur, was selbst bei einfachen Prozentrechnungen schief laufen kann, sondern thematisiert auch grafische Fehlinterpretationen oder absurde Vergleiche von Mittelwerten in tatsächlich nicht vergleichbaren Populationen. Oft seien zudem Stichprobenerhebungen im Hinblick auf ihre Rückschlüsse auf die Gesamtheit verzerrt, schafften es aber dennoch in die Zeitungen und sogar wissenschaftliche Journale. Weitere Kapitel widmet der Statistik-Professor dem „PISA-Wahnsinn“ beziehungsweise dem unreflektierten Niederschlag der statistischen Hintergründe der bekannten Bildungsstudie und ihrer Sekundäranalysen sowie dem „Tatort Lotto“ beziehungsweise der emotionalen Auseinandersetzung vieler Menschen mit der Wahrscheinlichkeitstheorie beim Traum des Lottogewinns.

Das Sachbuch hat das Potenzial, den Leser zu einem kritischeren Zeitungsleser und TV-Konsumenten zu machen, so Quatember abschließend: „Jedenfalls berichten Studierende meiner Lehrveranstaltungen, in denen ich den gesammelten ‚statistischen Unsinn‘ ebenfalls einarbeite, dass sie Zeitungen nach solchen Beispielen ‚mit anderen Augen‘ gelesen hätten.“

Andreas Quatember ist außerordentlicher Professor an der Abteilung für Datengewinnung und Datenqualität des Instituts für Angewandte Statistik (IFAS) der Johannes Kepler Universität Linz (Österreich). Er lehrt Statistik, ist Autor und betreibt die Website Unsinn in den Medien.

Andreas Quatember
Statistischer Unsinn
Wenn Medien an der Prozenthürde scheitern
2015, 223 S.
Softcover € 14,99 (D) | € 15,41 (A) | sFr 19.00 (CH)
ISBN 978-3-662-45334-6
Auch als eBook verfügbar

Bild: Coverabbildung des Buchs Statistischer Unsinn von Springer VS | © Springer

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