Was Johanna Schopenhauer und Astrid Lindgren gemeinsam haben

24 Biografien einflussreicher Persönlichkeiten zeigen, wie Frauen die kulturelle Entwicklung von Europa maßgeblich geprägt haben 

Heidelberg, 19. März 2015

© Springer „Frauen gebären Kinder, haben keine Bärte und werden selten kahl“ – so provozierte die Schriftstellerin Virginia Woolf vor etwa hundert Jahren in einem ihrer Werke. In einer ausschließlich von Männern dominierten Gesellschaft gäbe es darüber hinaus wenig gesichertes Wissen, ob sich das weibliche Geschlecht überhaupt für ‘größere‘ Aufgaben eignete. Dass Frauen die Kultur eines Kontinents oder gar der Welt beeinflussen können, wagte damals kaum einer zu behaupten. Die Geschichte selbst sollte die Menschen eines Besseren belehren: viele Frauen der letzten Jahrhunderte – und vor allem der letzten Jahrzehnte – prägten europäische Kulturgeschichte entscheidend. Um dies Männern und Frauen zu verdeutlichen, hat Gerhard Danzer das Buch Europa, deine Frauen geschrieben, das kürzlich bei Springer erschienen ist.

Anhand von 24 Einzelbiografien belegt Professor Dr. Danzer, wie originell und intensiv Frauen die Gesellschaft verändert haben. Der Mediziner und Psychologe portraitiert Frauen wie beispielsweise Pina Bausch, die durch ihren ausdruckstarken Tanz zur weltweiten Anerkennung gelangte. Ein ausführliches Kapitel widmet er Astrid Lindgren, die als internationale Schriftstellerin auch politisch aktiv war – angeführt sei hier ihr Briefwechsel mit Michael Gorbatschow. In einer Conclusio an jedem Kapitelende analysiert der Autor, inwieweit das Frau-Sein der dargestellten Persönlichkeit die gesellschaftliche Entwicklung in Europa beeinflusst hat. Danzers Ansicht nach hätte sich die europäische Kulturgeschichte ohne die zahlreichen weiblichen Einflüsse anders entwickelt.

Vor seinen detaillierten Biografien unternimmt Danzer einen kurzen Streifzug durch die Geschichte des Feminismus. Er gibt einen Überblick über die Bedeutung der Frauen in den verschiedenen Bereichen des Lebens: so erfährt der Leser, dass Frauen mit Blick auf die soziale Welt und Öffentlichkeit vor allem in Italien und Frankreich während der Renaissance entscheidende Vorreiterrollen eingenommen haben. Damals herrschte – wie auch während der Aufklärung und Romantik – zwar immer noch eine absolute Abhängigkeit zum Mann als Versorger, aber immer mehr Frauen setzten sich in der Öffentlichkeit für Themen ein, die ihnen am Herzen lagen. Berühmte Beispiele sind Émilie du Châtelet, die Schülerin Isaac Newtons und Geliebte Voltaires, oder Johanna Schopenhauer, die Mutter des Philosophen Arthur Schopenhauers, die ohne jegliches weibliches Vorbild ein Zeichen für künstlerische Selbstrealisation gesetzt hat. Zahlreiche weitere Biografien von repräsentativen Vertreterinnen aus Literatur, Kunst, Wissenschaft, Politik und Philosophie reihen sich in die Kette der Persönlichkeiten ein.

Schliesslich beantwortet Danzer seine eingangs gestellte Frage, ob es überhaupt eine weibliche Kulturgeschichte gibt. Sein Fazit: Es existiert weder eine männliche noch eine weibliche Kulturgeschichte. Vielmehr seien solch geschlechterspezifische Betrachtungen geprägt von Abgrenzung und verkomplizerten die Zukunft unnötig. Auch wenn - oder gerade weil - er dieses Frauenbuch vorlegt, bleibt Danzer laut eigener Aussage ein Verfechter ‚der einzig wahren – einer menschlichen – Kulturgeschichte‘. Mit seinem Buch richtet er sich an alle kulturhistorisch interessierten Frauen und Männer.

Professor Dr. med. et phil. Gerhard Danzer hat ein Studium der Medizin und Psychologie absolviert. Als Facharzt für Innere und für Psychosomatische Medizin hat er eine W3-Professur für Psychosomatik und Anthropologie an der Charité. Außerdem ist er als Chefarzt der Medizinischen Klinik C mit Schwerpunkt Psychosomatik an den Ruppiner Kliniken tätig. Der Honorarprofessor an der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt hat verschiedene Publikationen aus den Bereichen Psychosomatik, Anthropologie, Tiefenpsychologie und Kulturanalyse veröffentlicht. 
 

Gerhard Danzer
Europa, deine Frauen
Beiträge zu einer weiblichen Kulturgeschichte
2015, 367 S., 24 Abb.
Hardcover € 34,99 (D) | € 35,97 (A) | sFr 44.00 (CH)
ISBN  978-3-662-44231-9
Auch als eBook verfügbar

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