Julius-Springer-Preis für Chirurgie 2015 verliehen

Beste Übersichtsarbeit aus der Springer-Fachzeitschrift Der Chirurg erhält den diesjährigen Julius-Springer-Preis für Chirurgie | Übersichtliche Datenanalyse und Therapie-Empfehlungen für Patienten mit Gerinnungsstörungen

München | Heidelberg, 30. April 2015
Chirurgische Eingriffe bedürfen von je her eine erhöhte Aufmerksamkeit, um Blutungen zu vermeiden. Handelt es sich um einen Patienten mit Gerinnungsstörungen, müssen umso genauer die für ihn passenden Maßnahmen perioperativ, also vor und nach der Operation, geplant werden. Welche Therapie sich am besten bei welchen Patienten eignet, stellt ein Beitrag, erschienen in der Springer-Fachzeitschrift Der Chirurg, zusammen. Für die übersichtliche Zusammenfassung der aktuellen Datenlage und seine pragmatischen Entscheidungshilfen für den praktizierenden Chirurgen erhält Professor Dr. Ralf Eisele den diesjährigen Julius-Springer-Preis für Chirurgie. Die Preisverleihung des mit 3.000 Euro dotierten Preises fand anlässlich des Chirurgenkongresses Ende April in München statt. (Foto vlnr: Prof. Dr. Dr. h.c. Henning Dralle, Schriftleiter von Der Chirurg; Christiane Jurek, Springer Medizin; Prof. Dr. Ralf Eisele, Preisträger © Springer-Verlag GmbH)

Beispielsweise in Folge eines Hüft- oder Kniegelenkersatzes, oder bei bestimmten Herzerkrankungen sowie bei Prävention eines Schlaganfalles, nehmen viele Menschen über einen längeren Zeitraum oral Blutgerinnungsmittel ein. 10 bis 25 Prozent dieser Fälle mit einer sogenannten Langzeitantikoagulation müssen sich während ihrer Therapie einem weiteren, davon unabhängigen chirurgischen Eingriff unterziehen: dies bedeutet für den operierenden Arzt und seine Operationsplanung noch aufmerksamer als sonst zu sein. Denn eine sonst übliche Medikamentenunterbrechung kann sowohl ein erhöhtes Blutungsrisiko als auch thromboembolische Komplikationen hervorrufen. Das Team um Professor Eisele untersuchte 31 repräsentative Studien aus über 13 Jahren und analysierte die Datenlage. In ihrer Übersichtsarbeit gaben sie außerdem entsprechende Empfehlungen für den praktizierenden Chirurgen zum geeigneten Gerinnungsmanagement.

Das Expertenteam kommt zum Schluss, dass bei Patienten mit einem niedrigen Blutungs- und Thromboserisiko eine orale medikamentöse Therapie durch einen Gerinnungshemmer fortgeführt werden kann. Anders verhielte es sich hingegen bei einem moderaten bis höheren Risiko einer Blutung. Hier sei es wichtig, vor dem Eingriff zu pausieren und als Überbrückung sogenannte Heparine zu verabreichen. Trotz dieser Empfehlungen weist Eisele ausdrücklich darauf hin, dass das perioperative Gerinnungsmanagement in der heutigen modernen Medizin immer noch eine Herausforderung darstellt. Wegen der begrenzten Datenlage müsse das bestmögliche Blutgerinnungsmanagement bei Patienten mit einer Langzeitantikoagulation weiterhin kontrovers diskutiert werden. Da die ausgezeichnete Arbeit, erschienen in der Springer-Fachzeitschrift Der Chirurg 6/2014‚ einen wertvollen Beitrag leiste, diese Diskussion weiter voranzutreiben, erhielten Professor Eisele und sein Team den diesjährigen Julius-Springer-Preis für Chirurgie 2015, so die Begründung der Schriftleitung zum diesjährigen Preis. Der Preis wurde am Vorabend des Chirurgenkongresses am 27. April 2015 in München verliehen. Springer Medizin verleiht diesen Preis zur Förderung der Wissenschaft jährlich für die beste Original- oder Übersichtsarbeit, die im Vorjahr in der Springer-Fachzeitschrift Der Chirurg veröffentlicht worden ist.

Nach seinem Medizinstudium an der Universität in Tours, Frankreich und in Ulm und anschließender Promotion, absolvierte Ralf Eisele seinen Facharzt in den Bereichen Unfallchirurgie, Orthopädie und Gefäßchirurgie. Nach verschiedenen Tätigkeiten an Kliniken in Stuttgart und Göppingen war Eisele als Oberarzt am Universitätsklinikum Ulm in der Abteilung Unfallchirurgie tätig. Seit 2004 arbeitet er als Chefarzt der Abteilung für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie an den Kliniken der Kreisspitalstiftung Weißenhorn. Seit 2008 ist er außerplanmäßiger Professor der Medizinischen Fakultät der Universität in Ulm.

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Interessierten Journalisten kann der Volltext 'Perioperatives Gerinnungsmanagement bei oraler Antikoagulation', erschienen in Der Chirurg (6/2014) 85:513-518 auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden.

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