Arzneimittelausgaben in Deutschland auf Rekordniveau

Ausgabenanstieg von über 3,3 Milliarden Euro bei Arzneimitteln in Deutschland | Neue hochpreisige Arzneimittel forcieren Entwicklung | Herausgeber warnen vor Kostenexplosion und fordern Nutzenbewertung von Arzneimitteln auch für Bestandsmarkt | Forderung nach rechtlichem Rahmen zur Begrenzung der Hochpreispolitik

© springerBerlin, 23. September 2015. Die Ausgaben für Arzneimittel in Deutschland haben einen neuen Höchststand erreicht. Dies belegt der jährlich bei Springer erscheinende Arzneiverordnungs-Report, der am 23. September in Berlin vorgestellt wurde. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Arzneimittelausgaben 2014 um 3,3 Milliarden Euro auf 35,4 Milliarden Euro gestiegen, was einem Plus von 10,3 Prozent entspricht.

Für die Ausgabendynamik führen die Herausgeber vor allem zwei Faktoren an: die gesetzliche Absenkung des Herstellerabschlags von 16 auf 7 Prozent und eine starke Verteuerung der Therapie mit patentgeschützten Arzneimitteln. So kam es im Markt der patentgeschützten Fertigarzneimittel zu einem starken Ausgabenanstieg um 15,1 Prozent. Große Bedeutung für die Marktdynamik im patentgeschützten Markt hat die Hochpreispolitik bei vielen neuen patentgeschützten Produkten. Arzneimittel wie die neuartigen Hepatitis-C-Präparate und moderne Krebsmittel treiben die Ausgabenentwicklung voran. So kostete die durchschnittliche patentgeschützte Verordnung die Gesetzliche Krankenversicherung rund 25 Prozent mehr als im Vorjahr.


Zwar sehen die Herausgeber auch wirksame Kostenbremsen. So beziffern sie die Rabatterlöse im Generikabereich für 2014 auf insgesamt 3,2 Milliarden Euro. Und im Bereich der patentgeschützten Arzneimittel seien durch die AMNOG-Regelungen, also die frühe Nutzenbewertung sowie Erstattungspreisverhandlungen, 443 Millionen Euro eingespart worden. Trotzdem boome der Pharmamarkt und führe mit der neuen Preispolitik im Patentmarkt die Solidargemeinschaft der gesetzlichen Krankenversicherung langfristig an ihre finanzielle Grenze.

Die Herausgeber plädieren deshalb für eine noch konsequentere Ausnutzung von Einsparpotentialen im Generikabereich. So zeigen die Preisvergleiche mit den Niederlanden, dass es hier nach wie vor viel Luft nach unten gibt. Für den Patentmarkt halten sie die Wiedereinführung der Nutzenbewertung auf den Bestandsmarkt für angebracht, damit sich auch bereits vor 2011 eingeführte Analogpräparate dem Wettbewerb stellen müssen. Außerdem müsse vor dem Hintergrund der Preispolitik im Patentmarkt der rechtliche Rahmen zur Preisfindung im AMNOG-Verfahren gestärkt werden.

Der Arzneiverordnungs-Report ist das Nachschlagewerk für den deutschen Arzneimittelmarkt. Seit mehr als 30 Jahren bietet er eine unabhängige Informationsmöglichkeit über die verschiedenen Komponenten der Arzneimittelverordnung und trägt damit zur Transparenz des Arzneimittelmarkts, zur Bewertung von Arzneimitteln und zu einer sowohl zweckmäßigen und sicheren evidenzbasierten als auch wirtschaftlichen Arzneitherapie bei. Im Arzneiverordnungs-Report werden die Rezepte für die Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit Methoden der evidenzbasierten Medizin analysiert. So schafft er seit Jahren eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für den fachlichen Austausch zwischen Ärzten, Apothekern und Krankenkassen. Sämtliche Analysen im Arzneiverordnungs-Report basieren auf den Verordnungsdaten des GKV-Arzneimittelindex, der in der Trägerschaft des AOK-Bundesverbandes in bewährter Weise vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) erstellt wird.


Ulrich Schwabe | Dieter Paffrath (Hrsg.)

Arzneiverordnungs-Report 2015
Aktuelle Zahlen, Kosten, Trends und Kommentare

2015, 1.336 S., 84 Abb.
Softcover, € 59,99 (D) | € 61,68 (A) | sFr 63.50 (CH)
ISBN 978-3-662-47185-2
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