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Medizin & Gesundheitsberufe - Medizin News | Keime als Creme

Keime als Creme

Prä- und probiotische Lebensmittel und Kosmetika finden zunehmend Anwendung. Inzwischen werden sie auch bei Hautkrankheiten eingesetzt. Doch welche Therapiekonzepte gibt es und wirken sie tatsächlich?

Die Mikroflora, die Barrierefunktion und das angeborene Immunsystem der Haut beeinflussen sich gegenseitig in einem komplexen Wechselspiel. Hieraus entwickeln sich neue Therapiestrategien, die insbesondere im Fall milder Formen mikrobieller Ungleichgewichte wie unreiner Haut/milder Akne oder trockener Haut/milder atopischer Dermatitis eine wirksame und selektivere Alternative zu strikt antibakteriellen Produkten darstellen.
Die Behandlungskonzepte reichen von der Entwicklung prä- und probiotischer Kosmetik über den Einsatz systemischer Probiotika zur Behandlung entzündlicher Hautkrankheiten bis hin zur Entwicklung probiotischer Externa.
Probiotika sind – wie die Mikroflora der Haut – nichtpathogene Keime, die auf der Haut keine Entzündungsreaktionen auslösen. Diese Keime entfalten einen Großteil ihrer Wirkung zunächst direkt am Ort der Anwendung und induzieren damit natürliche Abwehrmechanismen gegenüber Pathogenen. Ein ebenso wichtiger Wirkmechanismus ist die Förderung der immunologischen Toleranz. Daher ist der topische Einsatz von Probiotika und nichtpathogenen Keimen zur Prophylaxe und Therapie überschießender kutaner entzündlicher Immunreaktionen und atopischer Erkrankungen sehr vielversprechend. Erste Ergebnisse konnten die Wirksamkeit dieses neuen Therapiekonzeptes bereits belegen.

Kosmetik mit Heilungseffekt 

Auch die Entwicklung prä- und probiotischer Konzepte im Lebensmittelsektor hat ein neues Licht auf die positiven Wirkungen von Mikroorganismen geworfen. Ausgehend von zunächst eher medizinisch-therapeutischen Ansätzen mit genau definierten Wirkweisen, werden inzwischen immer mehr Ergebnisse veröffentlicht, die den positiven Einsatz für kosmetische Anwendungen bestätigen. Erste kommerzielle Produkte mit präbiotischen Wirkstoffen, die die Hautmikroflora wieder in ihr natürliches Gleichgewicht bringen, und probiotische Applikationen, die bevorzugt aus inaktivierten Präparationen schutzvermittelnder Bakterien bestehen, sind bereits im Markt erhältlich.
Das Wissen um die verschiedenen Ansätze ist gerade für den Praktiker von Bedeutung, da Patienten in zunehmendem Maße in allen Lebensbereichen mit diesen Entwicklungen konfrontiert werden, so z. B. beim Lebensmitteleinkauf mit probiotischen Nahrungsmittelprodukten, die als funktionelle Nahrungsmittel für die Haut angeboten werden.
Forschung, Entwicklung und klinische Anwendung stehen zwar erst am Anfang, die ersten Ergebnisse zeigen jedoch, dass es sich hierbei um zum Teil außerordentlich wirkungsvolle und bezüglich ihrer Wirkmechanismen hoch interessante Verfahren handelt.
Verfasserin dieser Medizin News Michal Bänfer

Quelle: 

00105
Volz T, Biedermann T (2009) Outside-in. Probiotische Externa. Hautarzt (60):795–801
Werfel T (2009) Inside-Out. Probiotika und atopische Dermatitis. Hautarzt (60):802–808
Simmering R, Breves R (2009) Prä- und probiotische Kosmetik. Hautarzt (60):809–814

Weitere Themen in dieser Ausgabe: 

  • Arztbriefschreibung in der Dermatologie im Rahmen eines elektronischen Patientendatenmanagements
  • Medikamenteninduzierter Lupus erythematodes tumidus unter Adalimumab-Therapie
  • Beeinflusst die Verdünnung das kosmetische Ergebnis von BoNT/A?
  • Riesenkondylom des Penis mit maligner Transformation bei vorbestehendem Lichen sclerosus et atrophicus
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