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Medizin & Gesundheitsberufe - Medizin News | Sportanorexie – Wenn Sport krank is(s)t

Sportanorexie – Wenn Sport krank is(s)t

Zusammenhänge zwischen gestörtem Essverhalten, Essstörungen und Sport sowie die Auswirkungen auf die Gesundheit werden seit 20 Jahren beschrieben. In den letzten Jahren wurde begonnen Lösungsstrategien zu erarbeiten.

Leistungssteigerung durch Gewichtsreduktion?  

Bin ich zu dick oder zu dünn? Diese Frage stellt sich nicht nur einem pubertierenden Mädchen, das einem Jungen gefallen möchte, nein, auch im Sport treten immer häufiger Essstörungen auf. Viele junge Sportlerinnen und Sportler glauben, dass sie mehr Erfolg haben, wenn sie schlanker sind. Aber Diäten und starke Gewichtsschwankungen sind häufig kontraproduktiv. Leistungspotentiale können über lange Sicht nicht gehalten werden.
In vielen Sportarten wird das Körpergewicht für Erfolg oder Misserfolg verantwortlich gemacht. Nicht nur der häufig zitierte „Skispringer“ sei hier genannt. Zu den Risikogruppen zählen sowohl alle ästhetischen Sportarten wie Ballett, Tanz oder rhythmische Sportgymnastik, gewichtabhängige Sportarten wie Rudern oder Boxen und Ausdauersportarten wie etwa der Marathon.
Jugendliche sind hierbei besonders gefährdet: Die eigenen Grenzen werden nicht erkannt und für den Triumph werden fast alle gesundheitlichen Risiken in Kauf genommen.
Erfolge werden – wie auch im Beruf und Privatleben – im Sport zunehmend wichtiger: Spitzensportler und Führungskräfte haben vieles gemeinsam: Zielorientierung, mentale Stärke, schnelles Entscheiden, Durchhaltevermögen und den Willen zum Sieg.

Anorexia athletica 

Anorexia athletica wurde erstmals in den 80er Jahren bei einem 19 Jahre alten Sportler mit starken Gewichtsschwankungen und einer ausgeprägten Abneigung gegen das Essen beschrieben. Um in die Leichtgewicht-Ruder-Klasse zu kommen begann der Patient trotz eines gesteigerten Trainings weniger zu essen. Im Laufe der Zeit entwickelte er Anorexie-ähnliche Züge.
Ziel der Abnahme des Körpergewichts bzw. des Körperfettanteils bei Anorexia athletica ist immer die Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit. Im Streben nach besseren sportlichen Leistungen rücken der Körper, die Körperzusammensetzung (Körperfett- und Muskelmassenanteil) und somit die Ernährung ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Beschäftigung mit dem eigenen Körper kann ein Risikofaktor für die Entstehung einer Essstörung sein.

Woran eine Essstörung bei Kindern und Jugendlichen erkennen?  

Bei Kindern und Jugendlichen sind die Kennzeichen und Merkmale einer Essstörung oft nicht eindeutig erkennbar. Zudem ist eine frühe Diagnose ohne entsprechende Schulung und Ausbildung schwierig. Das Erstsymptom ist oft ein noch intensiveres Training, das auch bisweilen versteckt wird. Des Weiteren kann ein gestörtes Essverhalten mit selbst erfundenen Diäten hinzukommen.
Unbedachte Äußerungen zum Gewicht können dazu beitragen, dass die besten und ehrgeizigsten Sportler ein gestörtes Essverhalten bzw. eine Essstörung mit entsprechenden körperlichen und seelischen Folgen entwickeln. Für den Sieg gehen viele bis ans Limit: „The more they train, the less they eat, the less they eat, the more they train”.

Präventionsmöglichkeiten 

Die Informationen über die gesundheitlichen Auswirkungen von Essstörungen im Leistungssport haben gezeigt, dass der sensible Umfang gerade bei jungen Sportlerinnen und Sportlern unabdingbar ist. Aber auch spezielle Regelwerke können helfen. So konnte beispielsweise durch das Reglement der Skispringer, das die Kürzung der Skilänge bei geringerem Körpergewicht zur Folge hat, einem Zuwachs von untergewichtigen Skispringern entgegenwirken.
Dies ist nur ein erstes Beispiel für einen gelungenen präventiven Ansatz. Ähnliche Reglements können künftig auch in anderen Sportarten Abhilfe schaffen.
Verfasserin dieses Themas der Woche: Isabelle Dürk

Unser Tipp 

Der Originalbeitrag "Sportanorexie und Athletinnen-Trias bei Jugendlichen" erscheint in Ausgabe 09/2007 der Zeitschrift "Monatsschrift Kinderheilkunde" voraussichtlich am 21.09.2007.
Sie können auch Einzelhefte dieser Zeitschrift bestellen.

Diese Ausgabe informiert u.a. über folgende Themen: 

  • Psychoanalytisch-orientierte Fokaltherapie der generalisierten Angststörung
  • Überlebensfaktoren in der Therapie erblicher Netzhautdegenerationen

Zertifizierte Fortbildung mit dieser Zeitschrift unter CME.springer.de 

Sammeln Sie mit dieser Ausgabe außerdem 3 CME-Punkte. Thema der Fortbildungseinheit ist „Fetales Alkoholsyndrom (FAS)“