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Medizin & Gesundheitsberufe - Medizin News | Spermaallergie

Spermaallergie

Eine Allergie gegenüber Spermaflüssigkeit ist eine seltene, jedoch potentiell lebensbedrohende Erkrankung, die sich sowohl lokal als auch systemisch manifestieren kann.

Differentialdiagnose der Vulvovaginitis 

Über eine klinisch manifeste Sensibilisierung gegenüber menschlicher Spermaflüssigkeit wurde erstmals 1958 in den Niederlanden berichtet. Die Symptome der Spermaallergie reichen von Lokalreaktionen wie Rötung, Brennen, Bläschen, Schwellungen und Juckreiz bis hin zu systemischen Reaktionen wie Rhinokonjunktivitis, Urtikaria, Angioödem, Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, arterieller Hypotonie und Kreislaufversagen. Entsprechend sollte auch bei isoliert lokal auftretenden Beschwerden im Rahmen der Differentialdiagnose der Vulvovaginitis eine Spermaallergie in Betracht gezogen werden, bevor es zur höhergradigen Sensibilisierung mit Ausbildung einer anaphylaktischen Symptomatik kommt.

Meist IgE-vermittelte Reaktion  

Bis auf Einzelberichte kombinierter Typ-I und Typ-IV-Sensibilisierung beruht die Spermaallergie in der Mehrzahl der Fälle auf IgE-vermittelten Reaktionen. Zur Diagnose eignen sich Hauttests (z. B. Scratchtests) mit verdünnter oder unverdünnter Spermaflüssigkeit sowie der direkte Nachweis von spezifischem IgE. Das auslösende Allergen ist allerdings nicht eindeutig identifiziert. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um ein Glykoprotein, das aus den Samenbläschen oder der Prostata stammt. Postkoitale Anaphylaxie kann in Einzelfällen jedoch auch durch den Transfer von Allergenen über die Spermaflüssigkeit nach Aufnahme bzw. Einnahme entsprechender Lebensmittel oder Stoffe durch den Geschlechtspartner zustande kommen.

Kindersegen ausgeschlossen? 

Neben sexueller Abstinenz stellt die Anwendung von Kondomen die sicherste Prophylaxe dar. Hierbei ist aufgrund der Gefahr einer Sensibilisierung gegenüber Latex bei atopischer Diathese die Anwendung latexfreier Kondome empfehlenswert. In jedem Fall sollte eine Notfallmedikation rezeptiert werden. Dennoch ist eine Schwangerschaft keineswegs ausgeschlossen. Abgesehen von der Möglichkeit einer intrauterinen künstlichen Befruchtung existieren für eine natürliche Empfängnis verschiedene Protokolle einer intravaginalen Immuntherapie mit Vollsperma oder Spermaflüssigkeit des Partners. Anschließend sollte zur Aufrechterhaltung des Therapieerfolges ein regelmäßiger ungeschützter Geschlechtsverkehr stattfinden.
Der Originalbeitrag 'Typ-I-Sensibilisierung gegenüber Spermaflüssigkeit - Urtikaria und Angioödem' erschien in der Zeitschrift 'Der Hautarzt', Ausgabe 01/2004, am 02.02.2004. Autor(en): C. Bangard, I. Rösener, H.F. Merk, J.M. Baron, Klinik für Dermatologie und Allergologie, Universitätsklinikum der RWTH Aachen.
Verfasserin dieses Themas der Woche: Susanne Platt