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Medizin & Gesundheitsberufe - Fachzeitschriften | Zellen in vitro geschädigt

Zellen in vitro geschädigt

Sie sollen durch eine lokale antibakterielle Wirkung die Wundheilung begünstigen. Doch ob topische Antiseptika toxische Nebenwirkungen haben und wie sie sich auf die Wundheilung auswirken wurde bisher unzureichend untersucht. Die Ergebnisse einer In-vitro-Untersuchung brachten nun überraschende Ergebnisse über die Toxizität von kommerziell erhältlichen Antiseptika zutage.



Chronische Wunden und Wundinfektionen stellen ein großes interdisziplinäres Problem dar. Die Wunde erleichtert den Eintritt von Bakterien, die wiederum lokale bis hin zur schweren systemischen Infektionen oder gar Sepsis hervorrufen können. Zur Vermeidung und Behandlung von Wundinfektionen ist eine effektive antibakterielle Therapie notwendig. Dazu eignen sich die systemische Gabe von Antibiotika sowie die lokale Behandlung mit topischen Antiseptika.

Topische Antiseptika spielen wichtige Rolle 

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Die systemische Antibiose hat den Nachteil, dass die Wirkstoffkonzentration im Wundgewebe eher gering ist und Resistenzen auftreten können. Zusätzlich sind systemische Nebenwirkungen möglich und ihr Einsatz bei Wundinfektionen bleibt umstritten. Aufgrund dessen spielen topische Antiseptika in der Wundbehandlung eine wichtige Rolle. Durch die lokale Anwendung könnten lokale und systemische Nebenwirkungen vermieden werden, so der Grundgedanke. Jedoch wurde die Toxizität dieser Mittel und deren Auswirkungen auf die Wundheilung bisher noch nicht ausreichend untersucht.

Drei Antiseptika untersucht 

In einer Studie untersuchten Forscher aus Bochum, Hannover und Gießen nun die zytotoxischen Wirkungen von drei klinisch eingesetzten, kommerziell erhältlichen Antiseptika in vitro. Dr. Tobias Hirsch und Kollegen erforschten im Zellmodel die Wirkung von Betaisodona (10 g Povidon-Jod/100 ml wässriger Lösung), Lavasept (200 mg/ml Polyhexanid und 10mg/ml Macrogol 4000 in wässriger Lösung) und Octenisept (0,1 g Octenidindihydrochlorid und 2 g Phenoxyethanol in wässriger Lösung) auf die Zellvitalität und –proliferation.

Lavasept am wenigsten toxisch 

Je nach Zelltyp (HaCaT-Zelllinie, primäre humane Keratinozyten oder primäre humane Fibroblasten) stellten die Forscher unterschiedliche Effekte der Antiseptika auf die Zellvitalität fest. So zeigten sich insgesamt die toxischsten Effekte bei den Fibroblasten. Während Betaisodona und Octenisept in allen drei Zellmodellen deutliche toxische Eigenschaften aufwiesen, verursachte Lavasept (vor allem in HaCaT-Zellen und humanen Keratinozyten) nur eine moderate Toxizität bei hohen Konzentrationen. Es gilt bei der Auswertung dieser Ergebnisse zu bedenken, dass nicht zwischen den Wirkstoffen und anderen Inhaltsstoffen unterschieden wurde. Auch wurden längerfristige zytotoxische Effekte nicht berücksichtigt, da die Vitalität der Zellen bereits nach 30-minütiger Inkubation mit dem jeweiligen Antiseptikum analysiert wurde.
Die Untersuchung zeigte außerdem, dass Lavasept die Proliferationsaktvität der Zellen nur gering beeinflusst, während Betaisodona und Octenisept die Zellproliferation signifikant reduzierten.
Insgesamt ist noch unklar, inwiefern sich anhand dieser Ergebnisse Rückschlüsse auf die klinische Situation ziehen lassen, so die Autoren. Hirsch und Kollegen betonen aber ebenso, dass topische Antiseptika zur Standardtherapie bei chronischen und infizierten Wunden gehören und der Mangel an Daten zur möglichen Gewebeschädigung deshalb umso überraschender sei. Die Forscher fordern die Durchführung weiterer toxikologischer und zytotoxischer Analysen verschiedener Produkte, um deren Sicherheit zu gewährleisten und eine effektive Anwendung zu ermögichen.
Kurzfassung dieses Artikels aus SpringerMedizin.de von Annika Schüller
Quelle: Quelle: Hautarzt 2009; 60 (12): 984-991: Vergleichende In-vitro-Studie zur Zytotoxizität klinisch eingesetzter Antiseptika.
Autoren: T. Hirsch, F. Jacobsen, A. Rittig, O. Goertz, A. Niederbichler, H.U. Steinau, H.M. Seipp und L. Steinstraesser