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Über Springer - Presse - Springer Select | Pionierleistungen der "Schimpansenfrau" finden endlich Anerkennung

Heidelberg, 28. April 2008

Pionierleistungen der "Schimpansenfrau" finden endlich Anerkennung

Erste posthume Biografie beschreibt die bemerkenswerten Leistungen von Rosalià Abreu

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Rosalià Abreu (1862-1930) war eine reiche, exzentrische Kubanerin mit einer Vorliebe für ungewöhnliche Haustiere – Affen und Menschenaffen. Sie interessierte sich vor allem für die Erforschung von Kreuzungen zwischen Affe und Mensch. Abreu lebte zwar in einer Zeit, in der Frauen in der Wissenschaft lediglich eine untergeordnete Rolle spielten, doch sie war die erste Person überhaupt, die erfolgreich in Gefangenschaft lebende Schimpansen züchtete. Damit hat sie einen wesentlichen Beitrag zur Haltung und Erforschung von Menschenaffen geleistet, was heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist oder kaum Beachtung findet.
In der ersten Veröffentlichung über Rosalià Abreu seit ihrem Tod im Jahr 1930 beschreibt Dr. Clive Wynne vom Department of Psychology an der University of Florida Abreus einzigartiges Leben und deren Vermächtnis. Diese Kurzbiografie erscheint in der aktuellen Springer-Fachzeitschrift International Journal of Primatology. Zu Abreus bemerkenswerten Leistungen1 zählt sowohl die Geburt des ersten Schimpansenbabys, das in Gefangenschaft gezeugt und ausgetragen wurde und im April 1915 zur Welt kam, als auch ihre fortschrittliche Denkweise auf dem Gebiet der Tierhaltung.
“Angesichts der aussterbenden Spezies der Menschenaffen in der Wildnis ist es an der Zeit, dass wir an die erste Person erinnern, die lebende Affen erfolgreich in Gefangenschaft gehalten hat,” so Wynne. Er setzt das Lebenswerk und die Leistungen von Abreu Stück für Stück zusammen, indem er ihre Korrespondenz näher beleuchtet und ihre Aufzeichnungen zu Wissenschaftlern analysiert, mit denen sie Kontakt hatte und die ihrer Arbeit nacheiferten. Als wohlhabende Nichtexpertin gab es von ihr selbst keinerlei Veröffentlichungen.
Abreu gelang es als Erste überhaupt, Orang-Utans und Schimpansen lebend in Gefangenschaft zu halten und Schimpansen zu züchten. Ihre Tiersammlung wurde von Everett Harré (1930) als die “größte Sammlung von Menschenaffen weltweit” beschrieben. Auch wenn sie selbst keine Wissenschaftlerin war, so stellte sie dennoch ihre Tiere für wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung. Es waren ihre Tiere, deren Paarung, Geburt und Entwicklung erstmals öffentlich beobachtet werden konnten.
Die von ihr für die Aufzucht von Affen geschaffenen Bedingungen bildeten die praktische Grundlage für die Affenhaltung in Gefangenschaft auf der ganzen Welt. Wichtig war für sie stets, dass die Tiere in großen luftigen Käfigen mit einer Mischung aus Licht und Schatten gehalten wurden; dass sie vor Nachtfrost geschützt waren; dass sie überwiegend mit vegetarischem Futter versorgt wurden und dass Futterreste aus den Käfigen entfernt wurden, um Ungeziefer vorzubeugen. Sie erkannte auch die Bedeutung von sozialen Kontakten für Primaten.
Die Leistungen Abreus waren bemerkenswert, weil sie in einer Zeit lebte, in der Frauen keine oder nur eine untergeordnete Rolle in der Wissenschaft spielten. Wie Wynne anmerkt “war Abreu keine Wissenschaftlerin….sie besaß jedoch die Neugierde einer Wissenschaftlerin für die Welt und die Bereitschaft, aus Experimenten zu lernen.”
Ihr Interesse galt auch der möglichen Kreuzung zwischen Affe und Mensch. Abreu und der sowjetische Wissenschaftler Ilya Ivanov hatten 1926 beschlossen zusammenzuarbeiten und den Versuch einer Paarung zwischen einem männlichen Schimpansen und einer Frau zu unternehmen. Als dies jedoch durch Ivanovs Arbeit bekannt wurde, wurde Abreu angeblich vom Ku-Klux-Klan bedroht, die in diesem Experiment „Gotteslästerung“ sah. Sie zog daraufhin ihre Zusage an Ivanov zurück, in ihrem Testament hatte sie jedoch verewigt, dass sie nichts gegen eine Kreuzung zwischen einem männlichen Schimpansen mit einer Frau gehabt hätte.
Quelle
1. Wynne CDL (2008). Rosalia Abreu and the apes of Havana. International Journal of Primatology (DOI 10.1007/s10764-008-9242-0)
Der vollständige Artikel steht Journalisten als Pdf-Dokument zur Verfügung.
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