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Über Springer - Presse - Springer Select | Weniger Fälle von Kindesmissbrauch durch Legalisierung von Kinderpornografie?

New York / Heidelberg, 30. November 2010

Weniger Fälle von Kindesmissbrauch durch Legalisierung von Kinderpornografie?

Studie aus Tschechien bestätigt ähnliche Erkenntnisse in Japan und Dänemark

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Könnte die Legalisierung von Kinderpornografie dazu führen, dass es weniger Fälle von Kindesmissbrauch gibt? Eine neue Studie von Milton Diamond und Kollegen von der Universität von Hawaii sagt Ja. Untersuchungen in Tschechien wie auch in Kanada, Kroatien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Hong Kong, Shanghai, Schweden und den USA haben gezeigt, dass es nicht vermehrt zu Vergewaltigungen und anderen Sexualdelikten kam, nachdem Pornografie nicht mehr strafrechtlich verfolgt wurde und somit stärker verbreitet war. Besonders bemerkenswert ist, dass die Anzahl der Fälle von Kindesmissbrauch seit 1989, als Kinderpornografie leichter zugänglich wurde, deutlich zurückgegangen ist. Dieses Phänomen ließ sich auch in Dänemark und Japan beobachten. Die Resultate dieser Studie erscheinen heute online im Springer-Journal Archives of Sexual Behavior.
Die Ergebnisse unterstützen die Theorie, dass Kinderpornografie bei möglichen Sexualtätern als eine Art Ersatz für Sexualdelikte an Kindern fungiert. Natürlich verurteilen die Autoren die Beteiligung von Kindern an der Erstellung oder Verbreitung von kinderpornografischem Material, künstlich reproduziertes Material könne aber durchaus seinen Zweck erfüllen.
Diamond und sein Team untersuchten die Entwicklung der Zahl von Sexualdelikten in der Tschechischen Republik während der Übergangsphase vom strikten Verbot sexuell eindeutigen pornografischen Materials hin zur Entkriminalisierung. Zwischen 1948 und 1989 war Pornografie streng verboten. Mit dem Übergang des Landes zur Demokratie wurde das Verbot aufgehoben und bis 1990 nahmen Verfügbarkeit und Besitz pornografischer Vorlagen dramatisch zu. Selbst der Besitz von Kinderpornografie galt nicht mehr als Delikt.
Ausgewertet wurden die dem Innenministerium vorliegenden Zahlen zu den Fällen von Sexualdelikten wie Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung, sexuelle Übergriffe und besonders Kindesmissbrauch. Sie erstreckten sich über die 15 Jahre, als Pornografie verboten war und die folgenden 18 Jahre seit der Aufhebung des Verbots.
Besonders bemerkenswert ist der Umstand, dass mit der Aufhebung des Verbots von sexuell eindeutig pornografischem Material im Jahr 1989 die Zahl der Fälle von Kindesmissbrauch deutlich zurückging. In Japan und Dänemark ist der Sachverhalt ähnlich, auch hier sank die Zahl mit der Freigabe der Kinderpornografie.
Andere Ergebnisse machten deutlich, dass es seit der Legalisierung der Pornografie insgesamt keine Zunahme von Sexualdelikten gegeben hat. Während Sexualdelikte nach 1989 sogar zurückgingen, nahmen andere Verbrechen, wie etwa Mord, Körperverletzung oder Raub, interessanterweise deutlich zu.
Quelle
Diamond M et al (2010). Pornography and sex crimes in the Czech Republic. Archives of Sexual Behavior. DOI 10.1007/s10508-010-9696-y
Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

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