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Medizin & Gesundheitsberufe - Physiotherapie | Neuropsychologische Rehabilitation

Neuropsychologische Rehabilitation

G.P. Prigatano

2004, 290 S. 51 illus., 5 in Farbe., Brosch.

ISBN: 3-540-43653-7

39,95€

Mit diesem Buch hat George Prigatano seine Erfahrungen über Auswirkungen von Hirnverletzungen und die daraus abgeleiteten Behandlungskonzepte in einem handlichen Lehrbuch zusammengefasst. Die 13 allgemeinen Arbeitsprinzipien, die sich wie ein roter Faden durch das Buch ziehen, basieren auf wissenschaftlichen und klinischen Beobachtungen an hirnverletzten Menschen. Die Prinzipien geben Aufschluss über das Verhalten des Patienten, aber auch seiner Familie und sind Richtlinien für die spätere Behandlung.
Der Autor geht sehr gut auf theoretische Grundlagen ein, verliert aber dabei nie den Bezug zum Patienten. 14 Kapitel sind in drei Schwerpunktthemen aufgeteilt, die über klinische Aspekte bis hin zu theoretischen und empirischen Themen kognitive Störungen, wie z.B. Lern- und Gedächtnisstörungen, Störungen der Selbstwahrnehmung und die Verbesserung bzw. Verschlechterung der Hirnfunktion analysieren.
Sehr gut ist die Darstellung vieler Fallbeispiele. Dies erleichtert den Bezug auf das zuvor vermittelte theoretische Wissen.
Am Ende eines Kapitels werden wichtige Punkte noch mal zusammengefasst, zudem stechen farbige Merksätze hervor. Für nicht Fachkundige steht am Ende des Buches ein Glossar zur Verfügung.
Im angelsächsischen Bereich ist dieses Buch ein großer Erfolg nun liegt endlich eine deutsche Übersetzung vor. Das Buch sei nicht nur allen Neuropsychologen wärmstens ans Herz gelegt, sondern auch Therapeuten anderer Fachrichtungen die mit hirnverletzten Patienten arbeiten und keine neuropsychologische Vorbildung haben.
Stefanie Kohl, Mannheim
Aus: Stuttgarter Rundschreiben 9/2004

Das Buch ist die deutsche Übersetzung des im angelsächsischen Sprachraum sehr erfolgreichen Werkes „Principles of Neuropsychological Rehabilitation“. 

Prigatano ist Inhaber eines Lehrstuhls für Neuropsychologie in Phönix, Arizona und Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen auf dem Gebiet der Neuropsychologie. Er ist Vertreter einer holistischen Betrachtungsweise und eines milieutherapeutischen Behandlungsansatze. Prigatano zeigt in dem Buch auf, dass es nicht nur darum geht, die durch die Hirnschädigung verursachten Funktionsdefizite zu erfassen und zu behandeln, sondern auch die aus diesen Defiziten resultierenden emotionalen Probleme und das subjektive Erleben des Patienten und seiner Angehörigen. Er geht dabei auf die ganze Breite möglicher funktionaler Störungen und emotionaler Beeinträchtigungen ein, gegliedert in drei Themenblöcke mit jeweils mehreren Unterkapiteln. Im ersten Block geht es um historische und klinische Aspekte der Neuropsychologie und der Autor beschreibt darin die Entwicklung neuropsychologischer Theorien und der Beurteilung von Symptomen einer Hirnschädigung. Im zweiten Themenblock stehen Prozess und Outcome der neuropsychologischen Rehabilitation im Mittelpunkt. Vorgestellt werden darin auch psychotherapeutische Interventionen bei Patienten mit Hirnschädigungen und deren Familienangehörigen. Im dritten Block diskutiert der Autor Störungen der Selbstwahrnehmung und Modelle zur Funktionsverbesserung und -verschlechterung nach Hirnschädigung.
Der Autor überzeugt durch präzise neurobiologische wie auch psychologische Aussagen, die gestützt sind durch aktuelle Literaturangaben. Gewürzt ist das Ganze mit einer Fülle von Fallbeispielen, die Symptome und Interventionen verdeutlichen. Der Text besticht durch leichte Lesbarkeit und ist getragen von großer Empathie für die Betroffenen und ihre Angehörigen
Das Buch ist allen Physiotherapeuten, die mit hirngeschädigten Patienten arbeiten, sehr zu empfehlen, hilft die Lektüre doch Erleben und Verhalten dieser Patienten differenzierter zu beurteilen und zu verstehen. Es ist zu hoffen, dass ansprechende Gestaltung und Lesefreundlichkeit des Buches mit dazu beitragen, dass sich auch Physiotherapeuten mit diesem anspruchsvollen Thema auseinandersetzen.
Fazit: Das Buch stellt einen komplexen Inhalt in leicht verständlicher Form dar und ist auch von fachfremden Therapeuten mit Gewinn zu lesen. Die große Informationsfülle macht es auch als Nachschlagwerk nutzbar. Der Preis ist ausgesprochen günstig.
S. Freivogel
Z.f. Physiotherapeuten 56 (2004) 10

Wieder ein Lehrbuch über neuropsychologische Rehabilitation? Wieder eines mit gleichem Titel?  

Dieses Buch jedoch ist mit seinen gleichnamigen Vorgängern nicht zu vergleichen. Es handelt sich um die deutsche Übersetzung von George P. Prigatanos 1999 im Amerikanischen erschienenen Buch „Principles of Neuropsychological Rehabilitation“. Neben den Vorteilen, den die Titelwahl der Übersetzung hat (siehe unten) sehen wir den Nachteil in einer möglichen Verwechslungsgefahr. Um es vorweg zu nehmen: bei diesem Werk handelt es sich nicht um eine Einführung in die Grundlagen neuropsychologischer Therapie und Rehabilitation. Es handelt sich auch nicht um ein Lehrbuch, das den aktuellen Wissensstand eines Fachgebietes wieder gibt. Vielmehr liegt, nun endlich auch im Deutschen, eine Monographie im wahrsten Sinne des Wortes vor.
Wie über alle großen Bücher bedeutender Autoren, ist auch über dieses schon ausführlich geschrieben worden (z. B. Wilson, 2001). Erfreulich sind die Geleitworte von Siegfried Gauggel und Wolfgang Fries in der deutschen Ausgabe. Gauggel hebt den holistischen Ansatz der neuropsychologischen Rehabilitation hervor, in den das Buch einen „wunderbaren Einblick“ gebe. Zugleich bedauert er, dass „diese erweiterte Perspektive ... leider auch heute noch nicht in allen entsprechenden klinischen Einrichtungen selbstverständlich ist“ (S. VI). Ähnlich Fries, der „in der deutschen REHA-Landschaft noch eine erhebliche Lücke klaffen“ sieht (S. VIII) zwischen dem im Sozialgesetzbuch verankerten Ideen und deren praktischer Umsetzung. Fries empfiehlt die Lektüre „nicht nur NeuropsychologInnen .... sondern auch TherapeutInnen anderer Fachrichtungen, die mit hirnverletzten PatientInnen arbeiten“ sowie und dies sei hervorgehoben – „den Verantwortlichen und EntscheidungsträgerInnen in der Gesundheitspolitik und den Kostenträgern der Rehabilitation“ (S. VIII). Wir möchten uns beiden Geleitworten in vollem Umfang anschließen.
Stefan Fischer und Jutta Küst haben das Buch mit hoher Sprach und Fachkompetenz ins Deutsche gebracht. Die im Vorwort der Übersetzer zum Ausdruck kommende Begeisterung für diese Arbeit wird bei der Lektüre spürbar. Es ist gelungen, den leicht lesbaren Stil des Autors für den deutschsprachigen Leser zu erhalten. Der Leser wird über weite Strecken nicht bemerken, dass dieses Buch in einer deutlich anderen „REHA Landschaft“ (USA) entstanden ist.
Offensichtlich rechnen die Übersetzer damit, dass der Leser dieses Buch mehrmals und gezielt in die Hand nimmt. Die einzelnen Kapitel werden durch farbige Zwischenblätter mit jeweils einem kurzen Inhaltsverzeichnis eingeleitet, farbige Registermarkierungen der einzelnen Kapitel sowie die im vorderen und hinteren Umschlagtext wiederholten Inhaltsverzeichnisse erweisen sich als ausgesprochen hilfreich beim gezielten Auffinden einzelner Passagen. Im Vergleich zur Originalausgabe fällt die optisch verbesserte und ansprechende Gestaltung des Buches auf: alle Falldarstellungen, Tabellen und zentrale Aussagen sind in blauer Farbe hervorgehoben. Einige Legenden von Abbildungen wurden zum leichteren Verständnis ergänzt, die Fotos der historisch wichtigen „Schlüsselfiguren“ (S. 5) wurden auf ein einheitliches Format gebracht. Zum Index der englischen Ausgabe kommt jetzt noch ein Glossar der Fachbegriffe und der dargestellten Testverfahren in jeweils alphabetischer Form hinzu. Dies macht die Lektüre auch für andere in der Neurorehabilitation tätige Berufsgruppen leichter.
Allerdings spiegelt die Liste der im Buch erwähnten Testverfahren die amerikanisch-neuropsychologische Tradition und nicht die im deutschen Sprachgebrauch verwendeten Verfahren wider. Untersuchungsverfahren zu spezifischen Aufmerksamkeitsfunktionen vermissen wir.
Tabelle 1: Die 13 Prinzipien neuropsychologischer Rehabilitation nach Prigatano
1. Verständnis des subjektiven Patientenerlebens und tragfähige, therapeutische Beziehung sind von entscheidender Bedeutung
2. Prämorbide kognitive und Persönlichkeitseigenschaften sowie neuropsychologische Veränderungen bilden in Wechselwirkung das aktuelle Symptomprofil des Patienten
3. Neuropsychologische Rehabilitation besteht sowohl aus restitutionsbezogener Funktionsbehandlung als auch aus einem adäquaten Management im. sozialen Kontext
4. Unterstützung bei der Selbstwahrnehmung und dem Verständnis der Hirnschädigungsfolgen
5. Kognitive Störungen und ihre möglichen Auswirkungen auf die individuelle Persönlichkeit des Patienten
6. Allgemeine Richtlinien für eine neuropsychologische Funktionstherapie
7. Psychotherapeutische Interventionen bei Patienten und Angehörigen
8. Management emotionaler Reaktionen im familiären Umfeld ist von entscheidender Bedeutung für den Rehabilitations- und Anpassungsprozess
9. Notwendigkeit geeigneter Managementmethoden zur erfolgreichen interdisziplinären Zusammenarbeit
10. Effektive neuropsychologische Rehabilitationsprogramme verbessern die psychosoziale Integration des Patienten
11. Störungen der Selbstwahrnehmung und ihre möglichen Auswirkungen auf die Rehabilitation
12. Spezifische Fachkenntnisse über Folgen einer Hirnschädigungen sind notwendige Voraussetzungen für ein kompetentes und innovatives Rehabilitationskonzept
13. Neuropsychologische Rehabilitation erfordert sowohl einen wissenschaftlichen als auch einen phänomenologischen Zugang
Wir halten es nicht für einen Nachteil, dass der erste Teil des Titels („Principles of“) in der deutschen Übersetzung fehlt. Die 13 Prinzipien (siehe Tabelle), die Prigatano formuliert und die gleichzeitig als Gliederung für den Großteil des Buches fungieren, sind aus unserer Sicht eher Leitgedanken und Forderungen, die sich aus der klinischen Erfahrung und den umfassenden Kenntnissen des Autors ableiten. So fällt es uns z.B. schwer, in Sätzen wie „Es fehlt an fundiertem Wissen über die Grundlagen höherer Hirnfunktionen und ihre restitutionsbezogene Behandlung nach einer Hirnschädigung“ (S. 4) oder „Störungen der Selbstwahrnehmung nach einer Hirnschädigung werden häufig nicht adäquat verstanden und behandelt“ (S. 4f.) wirklich Prinzipien neuropsychologischer Rehabilitation zu erkennen. Doch so hat es der Autor wohl offensichtlich nicht gemeint:
Bescheiden lässt er der Auflistung der „Prinzipien“ eine lexikalische Diskussion des Begriffs „Prinzip“ folgen. Er stellt die Hauptmerkmale seines Rehabilitationsansatzes ausdrücklich als Vorschläge für mögliche Leitlinien vor (S. 5). Dieses Buch ist aus unserer Sicht deshalb so wertvoll für den potenziellen Leser, weil hier gerade nicht auf Prinzipien herumgeritten wird. Obwohl sprachlich leicht verständlich, halten wir dieses Buch – „richtig“ gelesen und verstanden für äußerst anstrengend und zeitaufwändig. Aber, so erging es uns bei der Lektüre, die investierte Zeit lohnt sich um ein Vielfaches. So wird der mehr oder weniger erfahrene klinische Praktiker zu „prinzipiellen“, besser: „grundsätzlichen“ Überlegungen darüber aufgefordert, was er da täglich eigentlich tut. Der Erfahrungsbericht eines vielfach ausgezeichneten Kollegen ist hierfür Anleitung und stellt durchaus ein Coaching dar. Unter dieser Perspektive könnte Prigatanos Buch sogar einen Beitrag zur Burnout-Prophylaxe leisten. Die von den Übersetzern intendierte Zielsetzung des Buches, den LeserInnen einen Orientierungs- und Handlungsrahmen zu geben (S. IX), ist in diesem Sinne gut umgesetzt. Der Verlag benutzt dies zu Recht für seine Werbung („Ihr Orientierungs- und Handlungsrahmen“).
In der Regel ist von Personen mit Schädel-Hirn-Trauma die Rede. Den einleitenden Kapiteln ist jedoch zu entnehmen, dass Prigatano insgesamt Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen meint, also auch andere Ätiologien einschließt. Die Besprechung der einzelnen Buchkapitel jeweils im Detail würde den für diese Rezension vorgegebenen formalen Rahmen sprengen. Wir konnten uns mit der Mehrzahl der Kapitel gut identifizieren und empfanden die angegebenen Gedanken als hilfreiche Anregungen für die Auseinandersetzung mit dem eigenen klinischen Alltag. Problematisch ist für uns jedoch das 9. Kapitel „Psychotherapie“. Freud und Jung als alleinige theoretische Grundlage für eine adäquate Behandlung klingen uns doch arg pragmatisch heruntergebrochen. Angesichts der vor allem im deutschsprachigen Raum aktuell geführten Psychotherapiedebatte erscheint manches inzwischen historisch überholt. Hier nehmen wir gerne eine Vielzahl nützlicher Ideen auf, wünschten uns aber auch mehr kritische Reflexion! Fruchtbar könnte eine direkte Diskussion mit dem Autor sein, der bekanntlich viele Reisen, darunter auch nach Deutschland, unternimmt. So wird man Gelegenheit haben, in „true sceptical European fashion“ (Wilson, 2001, S. 579) mit ihm auch persönlich darüber zu diskutieren
Wertvoll wird das Buch für den Leser besonders durch seine Vielzahl an unkonventionellen Ideen und Sichtweisen. Der Leser wird zu einem interdisziplinären Handeln aufgefordert und angeleitet, das nicht allein auf die Beseitigung von Symptomen abzielt, sondern vielmehr einen Menschen in seinen Lebensbezügen wahr- und ernst nimmt. Trotz aller charismatischen Attitüde des Autors sollte der Anwender nicht blind einem Guru folgen, sondern seine Augen offen halten für die Integration auch unkonventioneller Behandlungsansätze. Klinische Neuropsychologie reduziert sich hier gerade nicht nur auf diagnostische Schwerpunkte. Der folgende, kürzlich im Diskussionsforum http://www.npsych.com erschienene Beitrag zum Thema „normal vs. Normative“ bringt dies für uns auf den Punkt: „Sure, norms and actuarial criteria are important. But put the data in context. That is why we still have clinicians, not just cookbooks”.
Hirnverletzungen „manifestieren sich in höchst individueller Ausprägung im Rahmen einer gelebten Biographie und betreffen somit die eigenen Konzeptionen von personaler Identität“ (S. VII). Daher wird deutlich, „dass es die Hauptzielsetzung des Programms ist, die Unabhängigkeit zuhause und in der Gesellschaft zu erreichen und sofern dies möglich ist zu einer produktiven Arbeit zurückzukehren“ (S. 195). Damit sind die ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health der Weltgesundheitsorganisation) sowie die Absichten des Sozialgesetzbuches (SGB IX) in die Behandlungsstrategie integriert.
Das 14. Kapitel lesen wir als ein integratives. Zahlreiche Gedanken werden erneut aufgegriffen und unter der Dichotomie des wissenschaftlichen und phänomenologisch-psychotherapeutischen Zugangs zusammenfassend diskutiert. Prigatano plädiert hier für eine Integration psychotherapeutischer Methoden in die neuropsychologische Praxis und umgekehrt: „Manchmal werde ich gefragt, ob Patienten mit schweren kognitiven Defiziten wirklich von Psychotherapie profitieren. Die Antwort ist ‚Ja’. Viel hängt dabei jedoch von der Fähigkeit ab, die neuropsychologischen Probleme und die Symbole des Patienten zu verstehen“ (S. 271). Dies führt konsequenter Weise zu der Forderung, psychotherapeutische Inhalte in die Ausbildung Klinischer NeuropsychologInnen verstärkt einzubeziehen sowie eine kontinuierliche Supervision auch über die Zeit der Ausbildung hinaus in Anspruch zu nehmen.
Legt man an das Buch wissenschaftliche Maßstäbe an, so erscheint es befremdlich, dass Prigatano viele seiner im Indikativ geschriebenen Aussagen (manches würde man spontan eher in den Konjunktiv setzen) mit eigenen klinischen Erfahrungen untermauert. Selten argumentiert er mit systematischen Studien, dann jedoch wiederum überwiegend mit eigenen. Bei der Diskussion funktionell-neuroanatomischer Zusammenhänge im Kapitel 5 (S. 88) und im Anhang ein weiteres Mal in Farbe (S. 288) lässt uns der Autor auch noch seinem eigenen Gehirn bei der Arbeit zusehen. Dieser „fundamentalist and even perhaps charismatic than rational or objective“ (Wilson, 2001, S. 580) Tenor des Buches ist einer der Hauptkritikpunkte für Barbara Wilson. Sie moniert, dass vom Leser erwartet wird, “to take Prigatano's words for the validity of his views” (Wilson, 2001, S. 581). Wir halten es jedoch auch für möglich, dass dieses Buch bewusst so geschrieben wurde, um die Skepsis und den Widerspruch des Lesers zu provozieren. Jedenfalls wurden wir dadurch zu einer vertieften Auseinandersetzung mit dem Text und zur steten Reflexion unserer eigenen Standpunkte angeregt.
Im einführenden ersten Kapitel gibt der Autor einen geschichtlichen Überblick. Ausgewählte Protagonisten werden mit ihren grundlegenden Beiträgen zur Entwicklung der neuropsychologischen Rehabilitation dargestellt. Die Auswahl erfolgte offensichtlich unter rein subjektiven Gesichtspunkten: es werden eben jene erwähnt, die für Prigatanos eigene Arbeit bedeutsam sind und waren. Wer hier eine vollständigere historische Reminiszenz vermisst, sei auf Preilowski (2004) verwiesen.
Seine Bemühungen jedoch, die eigenen reichhaltigen Erfahrungen für den klinischen Praktiker leicht lesbar und verständlich zu halten, möchte Prigatano nicht als simplen Reduktionismus missverstanden wissen. Vielmehr wirbt er dafür, sich ständig mit seinem Fachgebiet in der Diskussion mit sich selbst und anderen Fachbereichen interdisziplinär und damit allgemein verständlich auseinanderzusetzen. Provokativ wie durchaus amüsant finden wir dabei seinen Gedankengang auf S. 49, einmal über mögliche eigene Schwächen nachzudenken. Wie würden der Dialog und die therapeutische Beziehung aussehen, wenn z.B. der Patient ein höheres Intelligenzniveau aufweist als der Therapeut?
Eines sei noch bemerkt: die optisch ansprechende und sehr übersichtliche Gestaltung des Buches hat uns zu einem Experiment ermuntert: Man kann dieses Buch insbesondere bei der wiederholten Durchsicht sowohl „in blauer als auch in schwarzer Schrift“ lesen. Die Fülle an durchgängig in blau gedruckten Fallbeispielen illustriert anderen Berufsgruppen u. a. die Vielschichtigkeit der Problematik von Patienten mit Hirnverletzungen als auch den Facettenreichtum des Arbeitsalltags von NeuropsychologInnen. Auch Verantwortliche in Schlüsselpositionen der Verwaltung können sich mit relativ wenig logistischem Aufwand hier einen guten Überblick verschaffen, welche Krankheitsbilder und Themen in der klinischen Praxis mit hirngeschädigten Patienten verhandelt werden. Zum zweiten hatte uns das Umschlagbild zunächst inspiriert, diese Buchbesprechung in Dialogform zu gestalten. Dies wäre jedoch so umfangreich geworden, dass die Besprechung und Diskussion wohl beinahe so lang ausgefallen wären wie das Buch selbst. Uns fiel zu den zahlreichen Fallbeispielen eine Vielzahl von ähnlich gelagerten eigenen, aktuellen oder früher behandelten Patienten ein. Diese Diskussionen waren interessant und hätten stundenlang andauern können. Wir hoffen, dass Sie dieses Buch als potenzielle LeserIn genauso anregend zum kritischen Überdenken der eigenen Arbeit finden, wie wir. Insofern unterstützen wir ausdrücklich die Anmerkungen von Barbara Wilson (2001) zur englischsprachigen Ausgabe „and what he has to say is indeed relevant to all who work in the field of neuropsychological rehabilitation. It is one of our books” (S. 580). Wir wünschen dem Buch eine große Verbreitung und allen klinisch als auch administrativ in der Neurorehabilitation Tätigen viele anregende und innovative Diskussionen!
Literatur
Preilowski, B. (2004). Entwicklung und Stand der Psychiatrie und der Neuropsychologie. In S. Lautenbacher & S. Gauggel (Hrsg.), Die Neuropsychologie psychischer Störungen. Berlin: Springer.
Prigatano, G.P. (1999). Principles of Neuropsychological Rehabilitation. New York: Oxford University Press.
Wilson, B.A. (2001). Book Review about George P. Prigatano (1999): Principles of Neuropsychological Rehabilitation. Neuropsychological Rehabilitation, 11(5), 579 582.
Dipl.-Psych. Wolfgang Kringler
Rehabilitationsklinik Schloß Bad Buchau
Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Ulm
wolfgang.kringler@t-online.de
Dipl.-Psych. Herbert König
Zentrum für Klinische Neuropsychologie Würzburg
herbert.koenig@neuropsychologie.de