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Medizin & Gesundheitsberufe - Physiotherapie | Funktionsdiagnostik des Bewegungssystems in der Sportmedizin

Funktionsdiagnostik des Bewegungssystems in der Sportmedizin

W.Banzer,K. Pfeifer,L. Vogt

2004, 288 S. 80 illus., 64 in Farbe., Brosch.

ISBN: 3-540-62536-4

39,95€

Die Behauptung, Gutes für die Gesundheit unserer Patienten zu tun, reicht zukünftig auch in der Physiotherapie nicht mehr aus. Die Bedeutung von Assessments (engl.: to assess = einschätzen, beurteilen) für die Prozessgestaltung in Prävention und Rehabilitation ist unbestritten. Maßnahmen zur Beurteilung des Therapieerfolgs und Qualitätssicherung werden zurzeit mit einer deutlichen Verzögerung im Vergleich zu anderen Ländern wie den Niederlanden, England, den USA oder Australien in Deutschland vor allem auf dem Gebiet der Akutmedizin eingeführt. In der Sportmedizin ist die sportmedizinische Funktionsdiagnostik des Bewegungssystems ein wesentliches Instrument zur Qualitätssicherung. Testverfahren sind notwendig, um den Erfolg von Behandlungsverfahren in der Rehabilitation nachzuweisen. Auch in der Prävention verlangen Kostenträger und Patienten zunehmend, den Erfolg von bewegungsbezogenen Programmen mit Hilfe von Testverfahren zu überprüfen.
Die Herausgeber erheben als Ziel ihres Werkes, die aktuellen Untersuchungsverfahren, Methoden und Tests in Rehabilitation und Prävention darzustellen. Richtig angewendet kann die Funktionsdiagnostik eine Basis liefern für die Planung, Steuerung und Bewertung (Evaluation) von therapeutischen und präventiven Interventionen. Während die herkömmliche Leistungsdiagnostik vor allem leistungsphysiologisch orientiert war, konnte die sportmedizinische Diagnostik in den letzten Jahren durch die Funktionsdiagnostik erweitert werden. Hierbei sollen neben den strukturell-morphologischen auch die funktionellen Aspekte von Störungen des Bewegungssystems erfasst werden.
Die Herausgeber verschaffen dem Leser einen Überblick über viele Facetten der sportmedizinischen Funktions- und Leistungsdiagnostik. Sie gliedern die Untersuchungsverfahren nach vierzehn Kap.: Kap. 1: Die von Sommer vorgestellten manuellen und klinischen Untersuchungsverfahren orientieren sich am klassischen orthopädischen Untersuchungsgang aus Inspektion, Palpation und Funktionsprüfung. Kap. 2: Jerosch gibt einen Überblick über etablierte Verfahren der bildgebenden Diagnostik, die vor allem bei Sportverletzungen und -schäden eine große Rolle spielen. Kap. 3: Der Einsatz von Verfahren zur Analyse von Körperbaumerkmalen und Körperzusammensetzung werden von Himmelreich vor allem unter dem Aspekt der Prävention gefordert. In der Praxis werden vor allem anthropometrische Verfahren eingesetzt. Kap. 4: Nichtapparative motorische Tests sind kostengünstige und leicht anwendbare Verfahren für ein grobes Screening der motorischen Fähigkeiten. Sie können vor allem dem Ausschluss bewegungsbezogener Risikofaktoren vor dem Einsatz von medizinischen Gesundheitsprogrammen dienen. Kap. 5: Schlumberger und Schmidtbleicher analysieren die Strukturelemente der Kraft nach Parametern, welche im rehabilitativen Bereich wichtig sind. Anschließend beschreiben sie die messtechnischen Möglichkeiten zur Bestimmung der wesentlichen Kraftkomponenten. Kap. 6: Isokinetische Messverfahren werden von Horstmann und Venter mit Bezug zu klinischen, sport- und trainingswissenschaftlichen Bereichen dargestellt. Kap. 7: Die von Vogt zusammengestellten bewegungsanalytischen Verfahren beschreiben den räumlich-zeitlichen Verlauf von Bewegungen (kinemetrische Verfahren). Neben der Bewegungsbeobachtung werden zunehmend apparative Verfahren eingesetzt. Kap. 8: Druckvertellungsmessungen vermitteln Informationen über das Belastungsverhalten des menschlichen Fußes für die Ganganalyse und zur Diagnostik von Bewegungsstörungen. Kap. 9: Pfeiffer und Vogt stellen einen Ausschnitt aus der schon seit Jahrzehnten in den Sport- und Bewegungswissenschaften etablierten Elektromyographie (EMG) vor. Kap. 10: Die Methode der überlagernden Muskel- und Nervenstimulation wird verwendet, um muskuläre Hemmungen nach Verletzungen zu messen. Kap. 11: Die Frage nach der Messbarkeit sensomotorischer Leistungen beantworten Pfeifer und Vogt anhand exemplarischer Messverfahren. Kap. 12: Schmerzmessungen werden zur Beurteilung von Schmerzsymptomen zunehmend verwandt. In einer Übersicht steilen Banzer und Bürklein den gegenwärtigen Stand subjektiver und objektiver Methoden dar. Kap. 13: Eine der spannendsten Fragen ist die Auseinandersetzung mit psychosozialen Faktoren und verhaltensmedizinischen Untersuchungsverfahren, welche von Hänsel dargestellt werden. Kap. 14: Abschließend beschreibt Huber die Grundlagen von Qualitätsmanagement und Evaluation in der bewegungsbezogenen Rehabilitation.
Ein Sachverzeichnis ergänzt das Werk und ist bei der schnellen Suche nach Grundbegriffen der Funktionsdiagnostik hilfreich. Die Diskussion um Qualitätssicherung wird in den nächsten Jahren unser Gesundheitssystem nachhaltig beeinflussen. Deshalb ist dieses Buch für Ärzte, Sportwissenschaftler, Bewegungstherapeuten (zu denen die Herausgeber auch die Physiotherapeuten zählen), Trainer und Studierende wichtig. Berufsgruppen, die sich mit Prävention und Rehabilitation von Störungen des Bewegungssystems beschäftigen, müssen sich mit Grundlagen und praxisbezogenen Beispielen der Dokumentation befassen. Obwohl für Physiotherapeuten ein großer Teil der vorgestellten Verfahren in der täglichen Praxis nicht anwendbar ist, erhalten sie wertvolle Anregungen zu der wichtigen Fragestellung der gezielten Untersuchung des Bewegungssystems.
D. Weisink,
H. Schuhmacher
Aus: Z.f. Physiotherapeuten 58 (2006) 1