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Medizin & Gesundheitsberufe - Logopädie | Stottern bei Kindern und Jugendlichen

Stottern bei Kindern und Jugendlichen

C.Ochsenkühn,M.M. Thiel

2005.256 S, 22 illus., 13 in Farbe.,Brosch.

ISBN: 3-540-42868-2

29,95 €

Bausteine einer mehrdimensionalen Therapie 

Mit großen Erwartungen habe ich mich an das Lesen dieses Buches gemacht. Wie die beiden Autorinnen in ihrem Vorwort anmerken, soll es zwar kein Rezeptbuch sein, aber die Beschreibung verspricht über den Tellerrand eines favorisierten Therapieansatzes hinweg zu schauen und mit viel kreativem Spaß ein patientenorientiertes „Gericht“ aus einer individuellen Methodenkombination zu schaffein.
Wie alle Bücher aus dieser Reihe überzeugt auch dieses durch seinen klar strukturierten Aufbau, die ansprechenden Übersichten, Tabellen und Abbildungen sowie Zusammenfassungen am Ende jedes Unterkapitels, die den Inhalt didaktisch komprimieren ohne zu verwirren. Und der Anhang belohnt den Leser noch mit einer Menge an nützlichen Kopiervorlagen und Merkblättern.
In den ersten beiden Kapiteln werden die Klinik und die Frage nach der Verursachung des Stotterns erörtert. Schade finde ich, dass dabei die veraltete Terminologie der Kloni und Toni verwendet wird, zumal die Autorinnen selbst anführen, dass zur Vermeidung von Missverständnissen häufig Attribute hinzugefügt werden müssen. Warum also nicht gleich von Wiederholungen, Dehnungen und Blocks sprechen, die auch von den Patienten selbst besser verstanden werden?
Die Kapitel 3 und 4 beschreiben sehr differenziert die Anamnese und Befunderhebung. Gut gefällt mir, dass dabei auch die Differentialdiagnose zum Poltern berücksichtigt wird. Kapitel 5 behandelt ausgewählte Konzepte direkter und indirekter Therapieansätze, beginnend mit dem spieltherapeutisch geprägten Ansatz nach Katz-Bernstein, über die Fluency-Shaping-Programme bis zur Modifikationstherapie. Letztere bezieht sich leider nur auf die Ansätze von Dell und van Riper und ignoriert die Weiterentwicklung zu MiniKIDS und KIDS.
Nachdem Kapitel 6 die Kriterien und Voraussetzungen für die Therapie aufzeigt, werden in Kapitel 7 die einzelnen Bausteine für die Therapie mit dem stotternden Kind vorgestellt. Hier findet der Leser zu den einzelnen Elementen eine Vielzahl von Übungen und Spielideen, die, wie ich finde, mit Ausnahme der „UPS-Übung“ eine wertvolle Bereicherung der Stottertherapie darstellen. Auch hier wird die Therapie des Polterns mit berücksichtigt.
Kapitel 8 beschreibt die Therapiebausteine für die Arbeit mit den Bezugspersonen und gibt gute Hilfen für den Umgang mit dem Stottern. Kapitel 9 befasst sich mit dem Ende der Therapie und hätte etwas ausführlicher behandelt werden können, da sich in der Praxis gezeigt hat, dass es bei den Logopädlnnen gerade in diesem Bereich große Unsicherheiten gibt. Alles in allem ein gutes und umfassendes Werk, das Appetit macht, den eigenen Ansatz zu erweitern oder Neues auszuprobieren.
Michael Lücking, Paderborn
Aus: Forum Logopädie, Heft 4 (19) Juli 2005