Logo - springer
Slogan - springer

Umweltwissenschaften | Kanada: Immer mehr Waldbrände durch Klimawandel?

21. Dezember 2011

Kanada: Immer mehr Waldbrände durch Klimawandel?

Großen Waldregionen Kanadas steht offenbar ein sprunghafter Wandel bevor. Anhand von Modellen haben Wissenschaftler jetzt gezeigt, dass es bei Waldbränden ebenso wie bei Epidemien Schwellenwerte gibt. Große Gebiete Kanadas bewegen sich offenbar auf diesen Schwellenwert zu und könnten diesen künftig durch den Klimawandel überschreiten.

Die Folge sei, dass sowohl die jährlich abgebrannten Flächen als auch die durchschnittliche Größe der Feuer steigen würde, schreiben die Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und der University of Michigan in der Dezember-Ausgabe des Fachblattes „The American Naturalist“. Die Strategien zur Bekämpfung von Waldbränden in weiten Teilen Kanadas sollten daher überdacht werden.

Steigt die Waldbrandgefahr im Nationalpark Yellowstone? 

Waldbrand
Nach wochenlanger Trockenheit brannten Medienberichten zufolge im Sommer 2009 allein in der westkanadischen Provinz British Columbia etwa 1.000 Hektar Wald- und Buschland ab. 11.000 Menschen mussten damals evakuiert werden. Nehmen derartige Ereignisse als Folge des Klimawandels zu? Diese Frage wird von Ökologen weltweit intensiv diskutiert. Erst im Juli 2011 hatte ein US-Forscherteam um Anthony Westerling von der University of California im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) ähnliche Veränderungen prognostiziert. Danach könne der Klimawandel dazu führen, dass die Waldbrandgefahr im Nationalpark Yellowstone drastisch ansteige und die Wälder dort noch im 21. Jahrhundert verschwinden könnten. Brände sind ein entscheidender Faktor in vielen Landökosystemen. Sie sind geprägt durch das Zusammenspiel von Wetter, Vegetation und Landnutzung, was sie empfindlich für den globalen Wandel macht. „Veränderungen im Waldbrandregime haben deutliche Auswirkungen von der lokalen bis zur globalen Skala und damit auch auf das Klima. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, wie die Mechanismen ablaufen, die diese Waldbrände prägen, um Vorhersagen machen zu können, was sich in Zukunft ändern wird“, erklärt Volker Grimm vom UFZ.

Daten des Kanadischen Forstdienstes ausgewertet 

Für ihr Modell werteten die Wissenschaftler Daten des Kanadischen Forstdienstes aus, der Feuer ab einer Größe von 200 Hektar zwischen 1959 und 1999 erfasst hatte, und sortierten diese nach Ökoregionen. Dadurch zeigte sich, dass sich drei dieser Ökoregionen Kanadas kurz vor einem Wendepunkt befinden: die Hudson Ebene südlich der Hudson Bucht, die Boreale Ebene im mittleren Westen und der Boreale Schild, der sich vom mittleren Westen bis an die Ostküste erstreckt und damit die größte Ökoregion Kanadas ist. Einem Wendepunkt am nächsten ist offenbar die Boreale Ebene. Um ihr Modell und die Theorie eines Schwellenwertes für Waldbrände zu überprüfen hatten die Wissenschaftler die Feuer in dieser Region genauer unter die Lupe genommen. Um 1980 verdreifachte sich die durchschnittliche Größe der Feuer in diesem Teil der Provinzen Alberta, Saskatchewan und Manitoba sprunghaft.

Auch bei Wäldern gibt es Schwellenwerte  

„Das ist aus unserer Sicht ein Indiz dafür, dass es auch bei Wäldern Schwellenwerte gibt, ab denen sich das Waldbrandregime drastisch ändert“, berichtet Grimm. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Boreale Ebene in den letzten Jahrzehnten vor allem um 1980 einen Wandel zu einem von Waldbränden geprägten System durchlebt hat. Das hat fundamentale Auswirkungen für die Umwelt und für die Waldbrandbekämpfung. Geringe Veränderungen in den Parametern der Feuerausbreitung haben große Auswirkungen auf die Größe der Feuer.“ Allmähliche Veränderungen, wie sie durch den Klimawandel erwartet werden, können daher zu einer abrupten und starken Vergrößerung der Feuer führen, so die Forscher.

Parallelen zur Ausbreitung von Seuchen  

Für sie waren auch die Parallelen zur Ausbreitung von Seuchen interessant. Vermeidungsstrategien, die das brennbare Material reduzieren, ähneln in gewisser Weise den Impfungen, die gegen die Ausbreitung von Seuchen wie Masern eingesetzt werden. Auch dort gibt es einen Schwellenwert, ab dem sich eine Seuche ausbreitet und unter dem sie zurückgeht. So konnten andere UFZ-Modellierer diesen theoretischen Schwellenwert in einen Praxiswert übertragen. Bei Füchsen zeigte sich, dass nur 60 Prozent gegen Tollwut geimpft sein müssen, um die Seuche erfolgreich zu bekämpfen. Die Wissenschaftler erhoffen sich daher weitere Erkenntnisse von künftigen Untersuchungen, die beide Disziplinen umfassen.
(Quelle: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ, 19.12.2011, Bild: Andrea Booher/FEMA News Photo)

Bücher zum Thema 

9783540745464_112x95
Wissen Hoch 12
Erkenntnisse und Themen die uns bewegen
ISBN 978-3-540-74546-4
Ob Klimawandel, Doping oder Bildungspolitik: Wissen hoch 12 bietet einen fundierten, aber leicht verständlichen Überblick über aktuelle Entwicklungen aus Wissenschaft, Forschung und Technik. Spannend und informativ werden Ereignisse und Entwicklungen kommentiert und Hintergründe beleuchtet.
Leben im Treibhaus
Unser Klimasystem - und was wir daraus machen
ISBN 978-3-540-43361-3
In seinem neuen Buch beschreibt P. Fabian die Entstehung, den Aufbau und die Funktion unseres Klimasystems und die besondere Rolle, die das Leben darin spielt: Der Mensch als höchste Form der Evolution ist im Begriff, die lebensfreundlichen Eigenschaften des Treibhauses in dem wir leben, unser Klimasystem also, massiv zu verändern. Ein Klimawandel und andere veränderte Umweltbedingungen sind schon heute klar erkennbar. Das Kyoto-Protokoll allein wird praktisch zu keiner Verbesserung der Situation führen. P. Fabian stellt mit "Leben im Treibhaus" in klarer Sprache und unter Einbeziehung neuester Ergebnisse die vielfältigen Einflüsse menschlicher Aktivitäten und ihre wahrscheinlichen, dramatischen Folgen für das Klima dar. Und er zeigt konsequent Wege auf, die beschritten werden könnten, um zu verhindern, dass das Leben im Treibhaus "aus dem Ruder läuft". Das Buch ist für Fachleute und alle an der Umwelt Interessierten eine Pflichtlektüre.