Führen in Teilzeit ist machbar

Wie Arbeitgeber ihren verantwortlichen Mitarbeitern ein zukunftsweisendes Arbeitsmodell ermöglichen können

Wiesbaden, 10. Juni 2015

© Springer„Die weitverbreitete Vorstellung, dass eine anspruchsvolle berufliche Herausforderung lediglich in der vollen Arbeitszeit plus Überstunden erbracht werden kann, halte ich für ein Vorurteil – es ist an der Zeit, diese hemmende Auffassung zu hinterfragen“, spricht Brigitte Abrell im Vorwort ihres Springer Gabler-Buchs Führen in Teilzeit Klartext. Laut aktueller Umfragen sehe die überwiegende Zahl der Unternehmen einen Handlungsbedarf für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, und in vielen Betrieben gebe es schon Umsetzungsansätze – auch bei Führungskräften. Insgesamt gesehen aber ist nach Ansicht der Expertin noch viel Luft nach oben – und das trotz der Notwendigkeit, in Zeiten des Fachkräftemangels qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen oder zu halten. Die Innovationsbereitschaft in Sachen Flexibilisierung von Arbeitszeiten hänge aber immer davon ab, welcher akute Handlungsbedarf aktuell gesehen wird. Im Interview mit dem Wissensportal Springer für Professionals erzählt Abrell, wie sich die gängigen Muster nach dem Motto „lange Arbeitszeit = große Leistungsbereitschaft“ aufbrechen lassen und wie Teilzeitführung funktionieren kann.

„Frauen sind heute aufgrund ihrer Ausbildung oft bestens für Führungsaufgaben qualifiziert, bewerben sich aber erst gar nicht oder scheiden spätestens bei der Geburt ihres ersten Kindes aus dem Kreis der infrage kommenden Kandidaten aus“, kritisiert Brigitte Abrell. Dabei wünschten sich viele Firmen einen größeren geeigneten Bewerberkreis für verantwortliche Positionen. Aus gutem Grund, denn Besetzungen mit der zweiten oder dritten Wahl hätten oft negative Auswirkungen für den Unternehmenserfolg. Und auch aufseiten der Beschäftigten sei eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und privaten Interessen seit Jahren ein viel diskutiertes Thema: „Rund um die Uhr zu arbeiten und gleichzeitig eine Familie zu haben oder pflegebedürftige Angehörige zu versorgen, ist ein Anspruch, der sich schwer erfüllen lässt – das Frustpotenzial für Frauen und Männer, die versuchen, das Unmögliche möglich zu machen oder sich dauerhaft in Verzicht üben, ist enorm.“

Der Mehrheit der Arbeitgeber ist die Relevanz des Themas nach Meinung von Abrell bewusst. Dennoch gingen praktische Verbesserungen nur langsam voran: „Besonders bei den Führungskräften sind die Rahmenbedingungen für eine gute Work-Life-Balance nach wie vor ungünstig.“ Für die Autorin ist es daher höchste Zeit, auch für höher qualifizierte Beschäftigungsverhältnisse nach Alternativen zu suchen. Der erste Schritt sei eine Änderung im Grundverständnis von Leistung: „Dem Unternehmen muss klar sein, dass für die Beurteilung einer Führungskraft Ergebnisse mehr zählen als die Verfügbarkeit.“ Sobald die Gründe für überlange Arbeitstage von allen Beteiligten selbstkritisch hinterfragt würden, bestehe die Chance, Ineffizienzen aufzuspüren und zu reduzieren: Wo sind Zeitfresser, die für die Zielerreichung nicht wichtig sind? Benötigen wir alle Meetings oder eMails? Darüber hinaus genüge es aber nicht, nur der Reduzierung der Arbeitszeit nur zuzustimmen: „Das Arbeitsvolumen muss den veränderten Bedingungen angepasst und im Dialog mit allen Beteiligten eine funktionierende organisatorische Lösung gefunden werden.“ So könnten zum Beispiel Teile der Aufgaben stellvertretend an geeignete Mitglieder des Teams delegiert werden. Wichtig seien dabei klare Regeln und Zuständigkeiten und ein aktiver Austausch von Informationen, so Abrells Fazit: „Dann funktioniert Teilzeitführung gewinnbringend für alle Beteiligten.“

Das Buch ist nicht nur ein Leitfaden für Arbeitgeber. Es vermittelt auch den Führungskräften selbst, worauf es beim Führen in reduzierter Arbeitszeit ankommt, und wie sie dieses Modell wirkungsvoll umsetzen können, ohne ein Burnout zu erleiden. Interviews mit Führungskräften in verschiedenen Teilzeitmodellen aus verschiedenen Branchen geben konkrete Umsetzungsbeispiele.

Brigitte Abrell ist seit mehr als zwanzig Jahren Führungskraft bei einer großen deutschen Versicherung. Seit 2003 übt sie ihre Tätigkeit in Teilzeit aus. Zudem ist sie zertifizierter Businesscoach, hält Vorträge und berät Firmen und Verwaltungen bei der Einführung von alternativen Arbeitsmodellen für Leitungspositionen. 

Brigitte Abrell
Führen in Teilzeit
Voraussetzungen, Herausforderungen und Praxisbeispiele
2015, 192 S.
Softcover € 34,99 (D) | € 35,97 (A) | sFr 44.00 (CH)
ISBN 978-3-658-06162-3
Auch als eBook verfügbar

Bild: Coverabbildung des Buchs Führen in Teilzeit von Springer Gabler | © Springer

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