Stuttgart 21 & Co: Machbar ist nur, was vermittelbar ist

Große Infrastrukturprojekte lösen zunehmend gesellschaftliche Empörungswellen aus | Springer VS-Buch zum Diskurs über Akzeptanz und Bürgerbeteiligung in der modernen Medien- und Protestgesellschaft erschienen

Wiesbaden, 11. Dezember 2014

© SpringerStuttgart 21 ist zu einer Chiffre für Bürgerproteste geworden. Weitere Beispiele wie der Berliner Flughafen und die Elbphilharmonie in der Hamburger Hafencity zeigen nach Ansicht von Günter Bentele, dass große Infrastrukturprojekte auch in Zukunft vor gesellschaftlichen Akzeptanzproblemen stehen werden: „Es wird in der nächsten zehn Jahren nicht einfacher werden.“ Dafür sorgen die schnelle Informationsverbreitung im Internet sowie der hohe Vernetzungsgrad durch Social Media, erklärt der Medienexperte im Interview mit dem Wissensportal Springer für Professionals. Strukturelle Großprojekte könnten nicht mehr im Hinterzimmer der Politik besprochen, verabschiedet und durchgesetzt werden. Vielmehr seien sie heute das Ergebnis einer klugen und geduldigen Informationsstrategie. Daher fordert Bentele von Betreibern von Großprojekten: „Frühzeitig, schnell, glaubwürdig, richtig und auch transparent kommunizieren.“ Gemeinsam mit Reinhard Bohse, Uwe Hitschfeld und Felix Krebber leistet der Herausgeber mit dem gerade bei Springer VS erschienenen Sammelband Akzeptanz in der Medien- und Protestgesellschaft einen wichtigen Beitrag zum Diskurs über Akzeptanz und Bürgerbeteiligung in der modernen Gesellschaft.

„Bürgerbeteiligung ist nicht die ‚bittere Pille‘ oder ‚Durststrecke‘, die man hinter sich bringen muss, um endlich wieder freie Bahn zu haben“, kritisiert Bodo Hombach im Vorwort des Buchs die Kommunikationspolitik der Unternehmen bei der Planung großer Bauprojekte. Der bisherige Mindeststandard für die Öffentlichkeitsbeteiligung in Genehmigungsverfahren reicht nach Meinung des ehemaligen Bundesministers für besondere Aufgaben nicht mehr aus. Denn die Menschen spüren, ob sie nur Statisten sind, oder ob sie mit ihren Sorgen und sachlichen Einwänden ernst genommen werden: „Sie wollen ergebnisoffen diskutieren und nicht mit Herrschaftswissen gedemütigt werden, zumal sie selbst oft große Sachkompetenz haben.“ Eine breite Beteiligung im Vorfeld beschere dem Betreiber des Vorhabens nicht nur eine höhere Akzeptanzwahrscheinlichkeit, sondern ermögliche es ihm darüber hinaus, frühzeitig Lösungen zu bis dato unbekannten Problemen zu finden. Teilziele der Skeptiker könnten im Gesamtkonzept berücksichtigt werden, empfiehlt Hombach. In jedem Fall aber sollten mögliche Konflikte erkannt und offen benannt werden: „Das erleichtert die Zustimmung zum Ganzen, reduziert die Menge der ‚Jedermann-Einwendungen‘ und verschiebt sie von der Gefühlsebene auf die der rationalen Argumente.“

Nur durch glaubwürdige Kommunikation und entsprechendes Handeln kann Vertrauen aufgebaut und Akzeptanz erreicht werden, bestätigt Günter Bentele. Das allerdings bedeute für die Unternehmen einen Mehraufwand an Zeit und Geld und sei einfacher gesagt, als getan: „Jemanden zu überzeugen ist viel schwerer, als jemandem schnell irgendetwas ‚aufzuschwatzen‘.“ Um mit transparenter und nachhaltiger Kommunikation mehr Bürger-Akzeptanz für ihre Vorhaben zu erreichen, sollten Unternehmen sich frühzeitig organisieren und ihre strategisch fundierten Botschaften konsistent an die Unternehmensstrategien anbinden, lautet das Fazit des Herausgebers: „Je stärker die Bereitschaft und Kompetenz zum Dialog ist, zur Beteiligung von Betroffenen und auch zum Überdenken von Entscheidungen, desto größer sind die Chancen, auch in zehn Jahren noch das ein oder andere Großprojekt zu realisieren – aufgrund der Kraft guter Argumente.“

Der Sammelband bietet wissenschaftliche Zugänge zu Akzeptanz, Vertrauen, Transparenz und Legitimation von großen Infrastrukturprojekten in der modernen Medien- und Protestgesellschaft. Darüber hinaus beschreiben die Beiträge konkrete Fallbeispiele für Konflikte in Wirtschaft, Kultur und Politik sowie praktische Methoden und Verfahren zur Erlangung besserer Akzeptanz.

Professor (em.) Dr. phil. Günter Bentele war von 1994 bis 2014 Professor für Öffentlichkeitsarbeit / Public Relations am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig.

Dipl.-Geowissenschaftler Reinhard Bohse ist geschäftsführender Gesellschafter der Wortgebrauch GmbH, Medien und Kommunikationsberatung in Markkleeberg / Leipzig.

Dipl.-Ing. Uwe Hitschfeld ist geschäftsführender Gesellschafter von Hitschfeld Büro für strategische Beratung in Leipzig.

Felix Krebber, M.A., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Strategische Kommunikation am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig.

Günter Bentele | Reinhard Bohse | Uwe Hitschfeld | Felix Krebber (Hrsg.)
Akzeptanz in der Medien- und Protestgesellschaft
Zur Debatte um Legitimation, öffentliches Vertrauen, Transparenz und Partizipation

2015, 434 S., 24 Abb.
Softcover € 39,99 (D) | € 41,11 (A) | sFr 50,50 (CH)
ISBN 978-3-658-06166-1
Auch als eBook verfügbar

Bild: Coverabbildung des neuen Buchs Akzeptanz in der Medien- und Protestgesellschaft von Springer VS | © Springer

Weitere Informationen

Springer für Professionals: Interview mit Günter Bentele

Springer für Professionals: Beitrag von Felix Krebber

Informationen zum Buch

Downloads

Coverabbildung

Inhaltsverzeichnis

Geleitwort der Herausgeber

Vorwort Bodo Hombach

Über die Herausgeber und Autoren

Logo Springer VS

Service für Journalisten

Journalisten erhalten auf Anfrage ein Rezensionsexemplar des Buchs Akzeptanz in der Medien- und Protestgesellschaft von uns zugesandt. Darüber hinaus gibt es aber auch die Option, unsere Titel als eBook sofort über einen Online-Zugriff zu nutzen. Dazu müssen Sie sich lediglich einmalig registrieren.

Unser SpringerAlert für Buchrezensenten gibt Ihnen die Möglichkeit, regelmäßig zu unseren Neuerscheinungen informiert zu werden. Auch dafür müssen Sie sich einmalig anmelden und Ihr Interessensprofil eingeben.

Kontakt

Karen Ehrhardt | Springer | Corporate Communications

tel +49 611 7878 394 | karen.ehrhardt@springer.com

Google+