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Über Springer - Presse - Springer Select | Kalt wie ein Fisch? – Weit gefehlt!

Heidelberg / New York, 17. Juni 2014

Kalt wie ein Fisch? – Weit gefehlt!

Neue Studie über geistige Fähigkeiten zeigt, dass Fische den meisten Tieren ebenbürtig sind

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Glauben Sie auch noch, Fische könnten keine Schmerzen empfinden? Oder dass es völlig egal sei, wie sie gehalten und gefangen werden? Liest man den Übersichtsartikel von Culum Brown von der Macquarie University in Australien, dann denkt man nochmal ganz neu darüber nach. In seinem Beitrag, der im Springer-Journal Animal Cognition erschienen ist, wird deutlich, dass sich Kognition und Sinneswahrnehmung von Fischen im Allgemeinen nicht von der anderer Tiere unterscheiden. Brown fordert daher, Fische gut zu behandeln und nicht zu quälen.
Für die meisten Menschen sind Fische nichts anderes als Nahrungsmittel, bestenfalls Haustiere, sagt der australische Wissenschaftler. Allerdings: Als Versuchstiere stehen sie an zweiter Stelle hinter den Mäusen und mit 32.000 bekannten Fischarten sind sie artenreicher als alle anderen Wirbeltiere zusammen. Wie Fische behandelt werden, kümmert die Öffentlichkeit allerdings wenig – und ist somit auch nicht interessant für die Politik. Brown geht davon aus, dass dieses mangelnde Interesse auch damit zusammenhängt, für wie intelligent man sie hält und ob man ihnen überhaupt ein Bewusstsein zutraut. Solche Annahmen werden sicher auch dadurch beeinflusst sein, dass Mensch und Fisch in ihrer natürlichen Umgebung eher selten Berührungspunkte haben.
Browns Untersuchung konzentriert sich speziell auf Knochenfische. Die Ergebnisse legen nahe, dass Fische in der Tat viel intelligenter sind als angenommen. Sie haben ein gutes Erinnerungsvermögen, leben in komplexen sozialen Gemeinschaften, in denen sie Beziehungen knüpfen und voneinander lernen können, wodurch das Entstehen solider kultureller Traditionen gefördert wird. Fische erkennen sogar sich und andere. Sie helfen einander und zeigen Anzeichen machiavellischer Intelligenz, wie zum Beispiel durch Zusammenarbeit und Versöhnung. Sie bauen komplexe Strukturen auf, sind imstande Werkzeuge zu benutzen und verwenden die gleichen Methoden zum Einschätzen von Mengen wie Menschen. Die primären Sinne von Fischen sind größtenteils genauso gut ausgeprägt wie die des Menschen, in vielen Fällen sogar besser. Ihr Verhalten gleicht stark dem von Primaten, abgesehen davon, dass sie nicht die Fähigkeit zur Imitation besitzen.
Der Grad der mentalen Komplexität gleicht dem der meisten anderen Wirbeltiere und es finden sich zunehmend Hinweise, dass Fische ein dem Menschen ähnliches Schmerzempfinden besitzen. Das Gehirn von Fischen unterscheidet sich zwar von dem anderer Wirbeltiere, es finden sich aber viele analoge Strukturen, die ähnliche Funktionen haben. Wenn jedem Tier Empfindungen zugesprochen werden, so meint Brown, so gelte dies auch für Fische.
„Eine definitive Antwort auf die Frage nach dem Maß des Bewusstseins bei nichtmenschlichen Wirbeltieren hat die Wissenschaft zwar noch nicht. Angesichts der vielen Hinweise auf den hohen kognitiven und verhaltenstechnischen Entwicklungsstand und das Schmerzempfinden ist dringend anzuraten, Fischen das gleiche Maß an Schutz angedeihen zu lassen wie jedem anderen Wirbeltier“, sagt Brown, dem bewusst ist, dass solch ein Schritt unter anderem Folgen für die Fischindustrie hätte. „Wir sollten Fische in unsere moralischen Überlegungen mit einbeziehen und ihnen den Schutz geben, den sie verdienen.“
Quelle: Brown, C. (2014). Fish intelligence, sentience and ethics. Animal Cognition. DOI 10.1007/s10071-014-0761-0.
Bild:Animal Cognition | © Springer

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