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Über Springer - Presse - Springer Select | David gegen Goliath: Wie eine kleine Spinne große Beute macht

Heidelberg / New York, 12. Juni 2014

David gegen Goliath: Wie eine kleine Spinne große Beute macht

Winzige Spinne betäubt ihre Beute mit einem einzigen Biss

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In der Natur ist der sprichwörtliche viel kleinere David, der einen Goliath überwältigen und als Abendessen verspeisen kann, eher selten zu finden. Aber genau dies ist die Vorgehensweise einer winzigen Spinne, die in der Wüste Negev in Israel als Einzelgänger lebt. Sie tötet regelmäßig Ameisen, die fast viermal so groß sind wie sie selbst. Wie die Spinne das im Einzelnen macht, erscheint online im Springer-Fachjournal Naturwissenschaften – The Science of Nature. Die Studie wurde von Stano Pekár von der Masaryk-Universität in der Tschechischen Republik geleitet.
Das Team um Pekár beobachtete das natürliche Jagd- und Beuteverhalten der ameisenfressenden Minispinne Zodarion cyrenaicum in freier Natur und im Labor. Diese Spinne frisst fast ausschließlich Ameisen der Gattung Messor arenarius. Die Ameise kann bis zu 17 Millimeter groß werden und ist damit ein wahrer Gigant im Vergleich zu der Minispinne mit einer Größe von bis zu 3 Millimetern. Von der Ameisenart wurde eine größere und eine kleinere gefunden.
Überraschenderweise stellten die Forscher fest, dass die Spinne bereits im jugendlichen Entwicklungsstadium gezielt die Ameise Messor arenarius jagt und diese allen anderen Ameisenarten vorzieht, die in den Sanddünen vorkommen. Damit unterscheidet sich diese Spinne von anderen Zodarion-Arten, die kleine Ameisen auswählen, deren Körpergröße mit ihrer eigenen vergleichbar ist, und erst mit zunehmender Entwicklung Ameisen größerer Gattungen jagen. Die Forscher führen diese aktive Auswahl auf die Fähigkeit der Spinne zurück, einen bestimmten Bestandteil eines Pheromons – eine von der Ameise produzierte chemische Substanz – wahrzunehmen. Pekárs Team fand auch heraus, dass ausgewachsene Spinnenweibchen im Allgemeinen die größeren Ameisen dieser Gattung jagen, während die kleinen jungen Spinnen die Kleineren fangen. In allen untersuchten Fällen waren jedoch die Spinnen wesentlich kleiner als ihre Beute. Die riesigen Ameisen wurden grundsätzlich nur von einzelnen Spinnen gefangen und mit einem einzigen Biss bewegungsunfähig gemacht.
Bisherige Arbeiten von Pekár haben gezeigt, dass die ausgewachsenen Spinnenweibchen als Jagdstrategie einen schnellen Angriff von hinten und ein anschließendes Rückzugsmanöver einsetzen, um Gegenangriffe durch die Ameisen zu vermeiden. In der vorliegenden Studie merkt Pekár an, dass sich die Angriffsstrategie der kleinen jungen Spinnen von jener der ausgewachsenen Weibchen unterscheidet. Dank ihrer geringen Größe können sie auf die Ameise klettern und ihr einen lähmenden Biss in den Hinterleib versetzen, wodurch sie einen Gegenschlag der augenblicklich hilflosen Beute vermeiden.
Die Giftdrüsen der ausgewachsenen ameisenfressenden Spinnen sind mehr als 50-mal größer als die der jungen Spinnen. Allerdings dauert es nur doppelt so lange, bis das Gift der jungen Spinnen wirkt. Dieser Umstand deutet darauf hin, dass diese Spinnenart bereits im jungen Entwicklungsstadium ein sehr potentes Gift besitzt. Der größere Jagderfolg der ausgewachsenen Spinnen beruht höchstwahrscheinlich auf der Tatsache, dass sie ihrer Beute mehr Gift injizieren können.
Pekár schlussfolgert: „Spezialisierte Jagdmethoden in Kombination mit einem sehr effektiven Gift ermöglichen dieser ameisenfressenden Spinne die Jagd auf eine riesige Beute.“
Quelle: Pekár, S. et al (2014). David and Goliath: potent venom of an ant-eating spider (Araneae) enables capture of a giant prey, Naturwissenschaften – The Science of Nature. DOI 10.1007/s00114-014-1189-8
Bild: Jagdsequenz einer jungen Z. cyrenaicum, die einen Arbeiter der Gattung M. arenarius angreift: Junge Spinne frisst an dem Hinterleib der paralysierten Spinne | © Stano Pekár

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