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Über Springer - Presse - Springer Select | Gebremster Kaffeegenuss für Raucher

Heidelberg / New York, 24. März 2014

Gebremster Kaffeegenuss für Raucher

Bitterstoffe können normalerweise schon in sehr niedriger Konzentration wahrgenommen werden – allerdings nicht von Rauchern

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Viele Raucher und Ex-Raucher können den Geschmack einer Tasse Kaffee nicht voll auskosten, da sie die Bitterstoffe ihres Koffein-Kicks nicht schmecken können. Dies ist das Ergebnis einer Studie unter der Leitung von Nelly Jacob vom Pitié-Salpêtrière Hospital APHP in Frankreich, die in der Springer-Fachzeitschrift Chemosensory Perception erscheint.
Es ist bereits bekannt, dass Rauchen, insbesondere durch die giftigen Chemikalien im Tabak, zu Geschmacksverlust führt. Es verursacht außerdem Strukturveränderungen der Pilzpapillen der Zunge, in denen sich die Geschmacksknospen befinden. Ob sich der Geschmackssinn wieder vollkommen regeneriert, nachdem jemand mit dem Rauchen aufgehört hat und wie lange dies dauert, ist allerdings noch nicht erforscht.
Nelly Jacob und ihre Kollegen gingen diesen Fragen nach und testeten 451 Mitarbeiter von Pariser Krankenhäusern darauf, ob und wie intensiv sie die vier grundlegenden Geschmacksrichtungen süß, sauer, bitter und salzig schmecken können. Die Teilnehmer wurden in Raucher, Nichtraucher und Ex-Raucher aufgeteilt. Die freiwilligen Tests wurden an drei aufeinanderfolgenden „Weltnichtrauchertagen“ durchgeführt.
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass alle Teilnehmer – egal, ob Raucher oder nicht – die Geschmacksrichtungen salzig, süß oder sauer gut schmecken konnten. Bei der Wahrnehmung von Bitterstoffen im Koffein, mussten die Raucher jedoch öfter passen. Normalerweise können die Bitterrezeptoren der Zunge diesen Geschmack in sehr geringen Konzentrationen wahrnehmen. Jedem fünfte Raucher (19,8 Prozent) sowie jedem vierten Ex-Raucher (26,5 Prozent) gelang dies allerdings nicht. Bei den Nichtrauchern konnten nur 13,4 Prozent die bitteren Prüfmuster bei den Geschmackstests nicht richtig zuordnen.
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Anreicherung bestimmter Tabak- bzw. Verbrennungsprodukte im Körper die Regeneration der Geschmacksknospen behindert. Dadurch ist die Wahrnehmung bestimmter Geschmäcker auch dann beeinträchtigt, wenn man das Rauchen aufgegeben hat.
„Wir sind der Meinung, dass es wichtig ist, die Wahrnehmung von Bitterstoffen genauer zu untersuchen, um so zum einen besser bei der Raucherentwöhnung unterstützen zu können und zum anderen auch bereits präventiv den Einstieg in ein Raucherdasein zu verhindern. Generell halten wir es für sinnvoll, die Rolle der chemosensorischen Wahrnehmung beim Rauchverhalten näher zu untersuchen“, sagt Jacob.
Quelle:
Jacob, N. et al (2014). Differential perception of caffeine bitter taste depending on smoking status, Chemosensory Perception. DOI 10.1007/s12078-014-9164-5
Der Volltext-Artikel ist für Journalisten auf Anfrage verfügbar.

Kontakt: 

Saskia Rohmer, Springer, tel. +49 6221 4878414, saskia.rohmer@springer.com