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Über Springer - Presse - Springer Select | Gewinner und Verlierer der Globalisierung der Weltwirtschaft, Gesundheit und Bildung

Heidelberg / New York, 19. März 2014

Gewinner und Verlierer der Globalisierung der Weltwirtschaft, Gesundheit und Bildung

Wissenschaftler stellen fest, dass ärmere Länder der Armutsfalle kaum entkommen können

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Durch die Globalisierung ist die Welt für viel mehr Menschen ein besserer und gerechterer Ort geworden, als er es noch vor einigen Jahrzehnten war. Andererseits hat sie aber auch dazu geführt, dass zwei voneinander klar abgegrenzte Welten entstanden sind: die der armen Länder und die der reichen Nationen. Zu diesem Ergebnis kommen Vanesa Jordá und José María Sarabia von der Universität von Cantabria in Spanien. In einem Beitrag, der in der Springer-Fachzeitschrift Applied Research in Quality of Life erschienen ist, untersuchen die Wissenschaftler die Verteilung des Wohlstands während der letzten Globalisierungswelle zwischen den Jahren 1980 und 2011.
Wohlstand wird im Allgemeinen als ein Zustand beschrieben, der von Glück, Gesundheit und Erfolg geprägt ist. Bei ihren Untersuchungen legten die Wissenschaftler den UN-Entwicklungsindex ‚Human Development Index, als Indikator für Lebensqualität zugrunde. Dieser bietet eine realistische Einschätzung des Wohlstands auf nationaler Ebene von 130 Ländern. So umfasst er nahezu 90 Prozent der Weltbevölkerung. Der Index berücksichtigt auch einkommensunabhängige Dimensionen wie zum Beispiel Bildung und Gesundheit.
Er zeigt, dass die Globalisierung in mehr Ländern zu einem höheren Entwicklungsstand geführt hat, als es noch vor 30 Jahren der Fall war. Er zeigt aber auch, dass sich die Zunahme des Wohlstands zwischen den Ländern deutlich unterscheidet. Dies hat zu der Herausbildung von zwei klar voneinander abgegrenzten Gruppen geführt: eine der am wenigsten entwickelten Länder, insbesondere afrikanische Staaten südlich der Sahara und eine der hoch entwickelten Länder. Länder, die bezüglich ihrer Entwicklung einen mittleren Platz einnahmen, wie China und Indien, haben in diesem Zeitraum die Industrienationen eingeholt.
Insgesamt reduzierten sich die Einkommensunterschiede zwischen den Ländern um weniger als 10 Prozent. Wegen der sogenannten „Armutsfalle“ haben es ärmere Länder schwer, im hart umkämpften Weltmarkt aufzusteigen. Solche Anstrengungen der weniger entwickelter Länder werden durch den geringen Zugriff auf Güter und öffentliche Dienstleistungen behindert, wodurch ihnen der Zugang zu den globalen Märkten erschwert wird. Dazu kommt, dass ausländische Gelder eher in Länder investiert werden, die Erdöl exportieren, als in Länder ohne Ölexport. Die führenden Länder in jeder Region der Welt können solche Hindernisse bewältigen und so einen höheren Entwicklungsstand als andere Länder erreichen.
Innerhalb der Studie konnte festgestellt werden, dass die Ungleichheit im Bereich der Bildung mit einem Rückgang von nahezu 64 Prozent am meisten abnahm. Diese Entwicklung ist den verstärkten Bemühungen in den Entwicklungsländern, insbesondere in Asien, in diesem Bereich während der letzten 40 Jahre zu verdanken. Dieses Ergebnis steht im Einklang mit der Überzeugung, dass die Globalisierung Investitionen in Bildung fördert und Ländern in ihrer Entwicklung hilft.
Im Gesundheitsbereich konnte während der neunziger Jahre kein wirkliches Aufholen und auch keine Annäherung beobachtet werden. Dies hat sich allerdings dank der Verbreitung von Gesundheitstechnologien und Arzneimitteln während der letzten zehn Jahre verändert. So konnten durch den besseren Zugang zu Arzneimitteln gegen HIV/AIDS, zu Tuberkulosebehandlungen und zu mit Insektiziden imprägnierten Moskito-Netzen zur Reduzierung von Malariafällen große Fortschritte erzielt werden.
„Die Vorteile der Globalisierung haben in den meisten Ländern zu der Verbesserung einer Reihe von Aspekten des Wohlstands geführt. Allerdings haben diese Vorteile die Gruppe von Ländern nicht erreicht, die nicht in der Lage sind, die Barrieren in den Bereich von Gesundheit und Einkommen zu überwinden, die ihrer Weiterentwicklung im Wege stehen. Sie sind auf niedrigem Niveau gefangen und es gibt kaum Anzeichen, dass sie aufholen oder sich dem allgemeinen Trend annähern“, schlussfolgern Jordá und Sarabia.
Quelle: Jorda, V. & Sarabia, J.M. (2014). Well-being distribution in the globalization era: 30 years of convergence, Applied Research in Quality of Life, DOI 10.1007/s11482-014-9304-8
Der Volltext-Artikel ist für Journalisten auf Anfrage verfügbar.

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