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Über Springer - Presse - Springer Select | Wählerische Hunde: Bei den Mahlzeiten ist weniger mehr

Heidelberg / New York, 18. März 2014

Wählerische Hunde: Bei den Mahlzeiten ist weniger mehr

Wenn man ihnen die Wahl lässt, bevorzugen Hunde wie Menschen Qualität statt Quantität

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Man würde erwarten, dass hungrige Hunde, wenn sie die Wahl haben, die Alternative wählen, die ihnen mehr Nahrung bietet. Aber wie Menschen und Affen handeln auch sie manchmal nach dem „weniger-ist-mehr-Prinzip“. Zu dieser Schlussfolgerung kommen Kristina Pattison und Thomas Zentall von der Universität Kentucky in den USA. Sie erforschten dieses Verhalten, indem sie zehn Hunde verschiedener Rassen mit Babymöhrchen und amerikanischen String-Käse fütterten. Die Ergebnisse ihrer Arbeit erscheinen in der Springer-Fachzeitschrift Animal Cognition.
Dir Hunde, mit denen diese Forschung durchgeführt wurde, fraßen sowohl den Käse als auch die Babymöhrchen, wenn diese ihnen angeboten wurden, hatten aber eine Vorliebe für den Käse. Bei der Untersuchung zeigte sich, dass neun von zehn Hunden, die zwischen einem Stück Käse oder dem Käse zusammen mit Möhrchen wählen konnten, lieber den einzeln angebotenen Käse fraßen. Sie gaben also der kleineren Portion den Vorzug.
Dieser „weniger-ist-mehr-Effekt“ wird als Affektheuristik oder auch als eine Art mentaler Kurzschluss gesehen, der manchmal dazu führt, dass Qualität der Quantität vorgezogen wird, wenn sich verschiedene Optionen bieten. Innerhalb der Studie zeigte sich, dass die Hunde eher die Qualität der angebotenen Nahrung als ihre Menge beurteilten. Diese schnelle Entscheidungsfindung wurde zuerst bei Menschen und später bei Affen nachgewiesen. Menschen schätzen zum Beispiel den Wert von einem Satz von sechs Baseballkarten in perfektem Zustand höher ein, als den des gleichen Satzes, wenn dieser ihnen zusammen mit drei weiteren Karten in nur relativ gutem Zustand gezeigt wird. Ein vergleichbarer Effekt wurde in Studien mit Affen beobachtet. Die Tiere, mit denen diese durchgeführt wurden, fraßen sowohl Trauben als auch Gurken. Wenn sie die Auswahl hatten, zogen sie aber eine einzelne Traube einer Kombination aus einer Traube und einem Stück Gurke vor.
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine solche, eher paradoxe, Auswahl getroffen wird, weil es in den meisten Fällen einfacher ist, die durchschnittliche Qualität zu bewerten, als die Gesamtmenge der angebotenen Alternativen einzuschätzen. In Fällen, in den schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen, können schnelle, lösungsorientierte Heuristiken wie der „weniger-ist-mehr-Effekt“ von Vorteil sein. So ist dieser zum Beispiel hilfreich, wenn Mitglieder der gleichen Art, wie ein Rudel Hunde, zusammen fressen. Ein zögerlicher Hund wird Fressen an den Konkurrenten verlieren, der schneller entscheidet. Solche Heuristiken, die zu schnellen Entscheidungsfindungen führen, helfen auch Beutetieren in der freien Natur dabei nicht zum Abendessen zu werden. Das bei der Studie immerhin ein Hund von zehn die Käse-Möhrchen Variante wählte weist darauf hin, dass auch die Art der Motivation bei diesem Effekt eine Rolle spielen kann. So verbrachte dieser Hund sein Leben in Tierheimen und musste sich oft alleine durchschlagen.
„Diese Forschung zeigt, dass der „weniger-ist-mehr-Effekt“ nicht einzigartig für Menschen oder andere Primaten ist, sondern auch bei anderen Säugetieren beobachtet werden kann. Dies gilt zumindest für sozial organisierte Arten wie zum Beispiel für die Fleischfresser Wölfe, Hunde und Schakale“, sagt Pattison. Die Wissenschaftlerin ist davon überzeugt, dass weitere Forschung erforderlich ist, um zu verstehen, ob der „weniger-ist-mehr-Effekt“ auch bei weniger sozial organisierten Tierarten, wie beispielsweise Ratten, oder auch bei Arten die nicht zu den Säugetieren zählen zu beobachten ist.
Quelle:
Pattison, K.F. & Zentall, T. (2014). Suboptimal Choice by Dogs: When Less is Better than More, Animal Cognition. DOI 10.1007/s10071-014-0735-2
Der Volltext-Artikel und Interviews sind für Journalisten auf Anfrage verfügbar.

Kontakt: 

Saskia Rohmer, tel. +49 6221 4878414, saskia.rohmer@springer.com