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Über Springer - Presse - Springer Select | Bekenntnis zum Glücklichsein

Heidelberg / New York, 17. März 2014

Bekenntnis zum Glücklichsein

Neue Studie untersucht die kulturellen Unterschiede zum Begriff von Glück

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Warum ist es für die einen so wichtig, im Leben glücklich zu sein und eine positive und zufriedene Lebenseinstellung zu haben, während andere Menschen solche Gefühle gar nicht erst zulassen? Dahinter steckt oft die Überzeugung, dass Glück Unglück bringt, sagen Mohsen Joshanloo und Dan Weijers von der Victoria University of Wellington in Neuseeland. Ihr Artikel in der Springer-Fachzeitschrift Journal of Happiness Studies befasst sich erstmalig mit der Beobachtung in zahlreichen Kulturen, in denen die Menschen sich weigern, sich zu ihrem Glück zu bekennen. Die Studie geht der Frage nach, warum Menschen so unterschiedlich auf Gefühle des Wohlergehens und der Zufriedenheit reagieren.
„Eines dieser kulturellen Phänomene ist, dass Glück für viele Menschen nicht unbedingt ein hohes Gut ist“, erklären Joshanloo und Weijers in ihrer Studie.
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass in Kulturen, in denen das Glück keinen hohen Stellenwert hat, die Menschen sich auch gar nicht darauf einlassen. Eine gewisse Abneigung gegen Glück existiert allerdings sowohl in westlichen als auch in nicht-westlichen Kulturen. Dennoch lässt sich eine größere Wertschätzung des Glücksbegriffs im westlichen Gesellschaften beobachten.
In den USA ist es ganz selbstverständlich, dass Glück im Leben eines Menschen einen extrem hohen Stellenwert hat. Westliche Kulturen haben den Drang, Glück zu maximieren und Traurigkeit zu mini-mieren. Wer nicht glücklich erscheint, gibt Anlass zur Sorge. Der Stellenwert zeigt sich in der positiven Psychologie des Westens und der Erforschung subjektiven Wohlergehens.
In nicht-westlichen Kulturen hingegen ist der Stellenwert von Glück längst nicht so hoch. Die Ideale von Harmonie und Übereinstimmung geraten oft in Konflikt mit dem Streben nach persönlichem Glück und der Anerkennung individueller Werte. So haben Studien gezeigt, dass Ostasiaten viel eher als Menschen im Westen glauben, dass es in vielen sozialen Situationen nicht angebracht ist, persönliches Glück zu demonstrieren. So können beispielsweise Menschen in Japan positive Gefühle nicht so sehr genießen wie Menschen in den USA.
Die Studie macht deutlich, dass viele Kulturen vor Glücksgefühlen geradezu zurückschrecken. Man ist der Überzeugung, dass Glück Unglück bringt oder doch zumindest negative Konsequenzen, die die Vorteile überwiegen. In allen Kulturen machen manche Menschen einen Bogen ums Glück. Sie glauben, dass zu viel Zufriedenheit ihrem Ansehen schadet und sie in den Augen anderer als selbstsüchtig, langweilig und oberflächlich erscheinen lässt. Menschen aus nicht-westlichen Kulturen, wie dem Iran und benachbarte Länder, fürchten den ‚bösen Blick‘ oder eine übernatürliche Macht, denen ihr persönliches Glück missfallen und sie am Ende dafür bestraft könnte.
„Aus unterschiedlichen Gründen haben viele Menschen und Kulturen eine Abneigung gegen bestimmte, besonders ausgeprägte Formen von Glücksgefühlen“, meinen die Wissenschaftler. „Die Meinung, dass Glück zum Unglück führen könnte, sind wohl eher Übertreibungen; sie beruhen auf Aberglauben oder dem allgemeingültigen Ratschlag, wie man ein gutes oder glückliches Leben genießt. Doch selbst in einer Kultur mit einer vorherrschenden Grundeinstellung zum Glück wird es auch immer Menschen mit unterschiedlichen Einstellungen dazu geben. Somit kann man auch nicht davon ausgehen, dass es eine Kultur gibt, die einen einheitlichen Glückskanon für alle Menschen vorgibt.“
Quelle: Joshanloo, M. & Weijers, D. (2014). Aversion to Happiness Across Cultures: A Review of Where and Why People are Averse to Happiness. Journal of Happiness Studies, DOI 10.1007/s10902-013-9489-9
Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

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