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Über Springer - Presse - Springer Select | Die Migration in China ist nach wie vor hoch, aber mit neuem Trend

Heidelberg / New York, 13. März 2014

Die Migration in China ist nach wie vor hoch, aber mit neuem Trend

Neue Studie: Chinas Küstengebiete sind nicht mehr der Migrationsmagnet wie früher

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Die extreme Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte ist immer noch am deutlichsten in den Provinzen Zentral- und Westchinas zu spüren. Die Migrationsbewegung zieht vor allem in die wissensbasierten Industriezweige in den großen Küstenstädten. Wanderarbeiter mit niedrigerem Bildungsstand finden jedoch aufgrund neuer wirtschaftlicher und regierungspolitischer Rahmenbedingungen auch immer häufiger Arbeitsplätze in ihren Heimatprovinzen in den zentralen und westlichen Regionen. Zu diesen Ergebnissen kommen Ye Liu und seine Kollegen von der Chinesischen Universität Hong Kong und der Universität Leeds in Großbritannien. Sie haben in den letzten 25 Jahren systematische Analysen der Migrationstrends in China durchgeführt. Ihr Beitrag erscheint online in der Springer-Fachzeitschrift Applied Spatial Analysis and Policy.
Als Folge einer unausgewogenen regionalen wirtschaftlichen Entwicklung und lockeren Migrationskontrollen erlebte China in den achtziger Jahren eine beispiellose Binnenmigration. Während dieser Zeit sind 163,4 Millionen Wanderarbeiter aus dem weniger entwickelten Inland überwiegend in die Küstengebiete Chinas abgewandert. Berechnungen zufolge werden bis zum Jahr 2025 weitere 240 Millionen Migranten in die Städte abwandern. Dies könnte die Stadtbevölkerung auf fast eine Milliarde Menschen anwachsen lassen.
Woher die Migranten bestimmter Altersgruppe kommen und welche berufliche Qualifikation sie haben, spiegelt sich in der geografischen Lage der unterschiedlichen Industriezweige wieder. Wissensbasierte Industriezweige und moderne Dienstleistungsunternehmen, die gut ausgebildete Migranten anziehen, sind zum Beispiel in wenigen großen Küstenstädten wie Beijing und Shanghai konzentriert. Arbeitsintensive Wirtschaftszweige, die junge und weniger ausgebildete Wanderarbeiter bevorzugen, sind über das gesamte Küstengebiet verteilt. Dorthin kommen in den meisten Provinzen hauptsächlich geringqualifizierte Migranten.
Die wirtschaftlichen Wachstumsraten einiger Provinzen im Inland übertreffen neuerdings jedoch die der meisten Küstenprovinzen, was an Investitionsanreizen und den zunehmenden staatlichen Investitionen in die Industrialisierung liegt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Küstengebiete ihre komparativen Kostenvorteile durch die steigenden Lohnkosten bei der Entwicklung arbeitsintensiver Industriezweige verlieren. Weitere Gründe sind die Entwicklungen der chinesischen Währung und die begrenzten Landressourcen.
Die Autoren kommen zu der Schlussfolgerung: „Die unausgewogenen Entwicklungsstrategien und die lockeren Migrationskontrollen haben die massive Abwanderung Richtung Osten ausgelöst. Unsere Forschungsergebnisse legen nahe, dass sie auch im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts noch angedauert haben und dass die kürzlich unternommenen Anstrengungen der Regierung zum Abbau regionaler Ungleichheiten nicht zu einem Gleichgewicht in der Binnenwanderung Chinas geführt haben. Dennoch haben die Investitionsanreize und die zunehmenden staatlichen Investitionen dazu geführt, dass in den letzten Jahren die wirtschaftlichen Wachstumsraten einiger Provinzen im Inland die der meisten Küstenprovinzen übertreffen.“
Ye Liu und seine Kollegen erläutern weiter: „Während in den Küstengebieten jegliche Anstrengungen unternommen wurden, die industriellen Strukturen zu modernisieren und wissensbasierte Wirtschaftszweige aufzubauen, haben die Gebiete im Inland eine Welle der Industrialisierung erlebt, bei der viele arbeitsintensive Industriezweige aus den Küstengebieten sich dorthin verlagert haben. Unter diesen Bedingungen entschieden sich junge Wanderarbeiter und solche mit niedrigerem Bildungsstand zunehmend für Arbeitsplätze in ihren Heimatprovinzen in den zentralen und westlichen Regionen, während hochqualifizierte Migranten immer noch in die Großstädte in den Küstengebieten abwanderten.“
Quelle:
Liu, Y. et al (2014). Interprovincial migration, regional development and state policy in China, 1985-2010, Applied Spatial Analysis and Policy, DOI 10.1007/s12061-014-9102-6
Der Volltext-Artikel und Interviews sind für Journalisten auf Anfrage verfügbar.

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