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Über Springer - Presse - Springer Select | Jede Wette, dass es keine Wettexperten gibt!

2. Januar 2014

Jede Wette, dass es keine Wettexperten gibt!

Auch rationale Spieler täuschen sich in ihrer Selbsteinschätzung

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Auf eine Sache können Sie beim Pferderennen auf jeden Fall wetten: Die sogenannten erfolgreichen Wetter glauben immer, dass ihre kleinen schwarzen Bücher überlegenes Insider-Wissen enthalten, das sie zu Experten macht. Allerdings verlieren die meisten Wetter beim Pferderennen langfristig Geld auf der Rennbahn. Es gibt daher letztlich immer mehr Verlierer als Gewinner. Ernsthafte Wetter verfolgen häufig ihre Erfolgskurve beim Wetten und hoffen inständig, ein System zu entwickeln, das Gewinne garantiert. Das stellt Matthew Browne von der CQ University in Australien fest. Seine Forschungsgruppe hat herausgefunden, dass die erforderliche Anzahl von Gewinnen extrem hoch sein muss, um zu zeigen, dass jemand besser als der Zufall spielt. Die Forschungsergebnisse erscheinen online in der Springer-Fachzeitschrift Journal of Gambling Studies.
Bei Spielen wie Poker oder Sportwetten, bei denen bestimmte Fähigkeiten erforderlich sind, wollen Spieler auf lange Sicht gewinnen. Einige dieser Spieler beobachten ihre Wetterlöse, um ihre Leistung und ihre Fertigkeiten zu bewerten. Um zu untersuchen, wie groß eine nachhaltige Rendite tatsächlich sein müsste, damit eine Fähigkeit oder Erfahrung der Spieler bewiesen werden kann, entwickelte das Team von Matthew Browne eine Zufallsstrategie. Mit dieser Strategie simulierte das Team ein sogenanntes „naives“ Spiel. Ausgehend von einer repräsentativen Menge von 211 Wochenendrennen wurden gleichwertige Wetten auf zufällig ausgewählte Pferde abgeschlossen.
Die Ergebnisse wiesen selbst nach einer größeren Anzahl von wiederholten Wetten überraschend große Schwankungen auf. Nach der Anpassung an den Hausvorteil müsste ein Spieler mehr als 10.000 Wetten bei einzelnen Rennen abschließen und dabei einen Nettogewinn von mehr als 9 Prozent erzielen, um berechtigt als Wettexperte zu gelten. Das bedeutet für die überwiegende Mehrheit der Spieler, dass ihre gesammelten Aufzeichnungen oder Daten überraschend wenig Informationen über Gewinnchancen in der Zukunft liefern.
Brownes Meinung nach können sogar erfahrene und rationale Spielern nicht zugeben, dass ihre bisherige Leistung höchstwahrscheinlich einfach auf Zufall beruht - unter der Annahme, dass sie zumindest bescheidene Gewinne über eine längere Zeit erzielt haben.
Matthew Browne erläutert: „Stellen Sie sich vor, Sie haben in 1.000 unterschiedlichen Rennen gewettet. Dabei haben Sie die Pferde mit Bedacht gemäß ihrer Leistungen ausgewählt und eine Rendite von 20 Prozent erzielt. Daraus ließe sich jetzt leicht die Schlussfolgerung ziehen, dass Sie ein funktionierendes Gewinnsystem oder überdurchschnittliche Fähigkeiten besitzen. Aber entgegen jeder Intuition hatten Sie wahrscheinlich einfach nur Glück.“ Der Wissenschaftler schreibt solche falschen Überzeugungen von Wettfreunden bei Pferderennen einer Kombination aus kognitiver Voreingenommenheit und der ausgeprägten Volatilität zu, die für Gewinne bei Pferdewetten spezifisch ist. Er bezeichnet dies als „Experten-Irrtum“.
Diese Ergebnisse sind wichtig für neue Erkenntnisse zur Spielsucht: Gerade rationale Spieler, die mit ‚System‘ vorgehen und sich für einen Experten halten, unterliegen beim Spielen einer Täuschung. Dies gilt vor allem bei Spielen, die bestimmte Fähigkeiten und Kenntnisse erfordern. Matthew Browne und sein Team vertreten die These, dass solche Täuschungen und Voreingenommenheit vor allem bei Wetten verbreitet sind, bei denen auf Handicap-Rennen gewettet wird oder bei anspruchsvollen nominalen Wettarten wie Wechselkursspekulationen und beim professionellen Poker.
„Bei jedem Spiel, bei dem die Gewinne stark schwanken und eine angemessene Erwartungshaltung vorherrscht, dass Fähigkeiten eine Rolle spielen, findet man den sich irrenden Experten“, kommentiert Matthew Browne und fügt hinzu: „Insbesondere bei Pferdewetten scheint es so zu sein, dass Spieler leicht dem Glauben verfallen, dass sie eine effektive Gewinnstrategie gefunden haben, auch wenn der Erfolg tatsächlich ausschließlich dem Zufall zuzuschreiben ist.“ Menschen können offenbar ihre eigene Leistung unter diesen Bedingungen nur sehr schwer objektiv bewerten. Matthew Browne schlussfolgert: „Wenn Spieler sich ihre Gewinne anschauen, sieht es leider ganz danach aus, dass sie vergangene Wetterfolge an der Rennstrecke häufig entweder mehrdeutig auslegen oder schönreden.“
Quelle
Browne, M. et al (2013). Delusions of Expertise: The High Standard of Proof Needed to Demonstrate Skills at Horserace Handicapping, Journal of Gambling Studies. DOI 10.1007/s10899-013-9420-7
Der Volltext-Artikel ist für Journalisten auf Anfrage verfügbar.

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