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Über Springer - Presse - Springer Select | Affen erahnen Objekte, die sie nicht unbedingt sehen

Heidelberg / New York, 19. November 2013

Affen erahnen Objekte, die sie nicht unbedingt sehen

Vergleichbar wie beim Mensch haben Affen die Fähigkeit, visuelle Dinge bewusst und unbewusst wahrzunehmen

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Können Affen genauso wie Menschen mit einem kurzen Seitenblick feststellen, wo sich Objekte befinden? „Davon ist stark auszugehen“, meint Lau Andersen von der Universität Aarhus in Dänemark. Er ist Hauptautor einer Studie, die am Yerkes National Primate Research Center der Emory-Universität in Atlanta, USA durchgeführt wurde und jetzt online in der Springer-Fachzeitschrift Animal Cognition erscheint. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Affen Reize orten können, die sie nicht bewusst wahrnehmen.
Menschen können Objekte in ihrem peripheren Sehfeld lokalisieren und sogar darauf reagieren, manchmal bereits bevor sie sich überhaupt bewusst werden, dass sie vorhanden sind. Andersen und seine Kollegen wollten daher herausfinden, ob visuell beeinflusste Handlungen und die visuelle Wahrnehmung auch bei anderen Primaten unabhängig voneinander auftreten.
Die Wissenschaftler trainierten fünf ausgewachsene Rhesusaffen-Männchen (Macaca mulatta) darauf, eine hochgradig stereotype Ortungsaufgabe in kurzer Latenzzeit auszuführen. Mithilfe eines Touchscreen-Computers lernten die Tiere, einen von vier Punkten zu berühren, an dessen Position ein Objekt kurz auftauchte. Außerdem sollten sie eine Erkennungsaufgabe ausführen, bei der mit identischen Reizen gearbeitet wurde. Hierbei mussten sie durch Knopfdruck signalisieren, ob ein Objekt gezeigt wurde oder nicht. Diese Techniken lassen sich mit den Testmethoden vergleichen, die beim Menschen angewendet werden und ermöglichen damit einen direkten Vergleich zwischen Mensch und Affe. Bei den Tests wurde die Methode der „visuellen Maskierung“ eingesetzt, um die Verarbeitung des visuellen Ziels systematisch zu erschweren.
Andersen und seine Kollegen fanden heraus, dass die Affen auch dann in der Lage waren, Ziele zu lokalisieren, wenn sie sie nicht bewusst wahrnahmen. Wenn die Reize nicht maskiert waren, führten die Tiere die Aufgaben sehr präzise aus, wenn diese jedoch visuell maskiert waren, nahm ihre Leistung ab. Die Lokalisierung funktionierte allerdings auch dann noch, wenn scheinbar kein Ziel vorhanden war. Auch wenn diese Ergebnisse bei Affen kein herausragendes Sehvermögen bestätigen können, scheint der Unterschied zwischen visuell geführten Tätigkeiten und visueller Erkennung mit der Dissoziation des bewussten und unbewussten Sehens bei Menschen vergleichbar zu sein.
„Das Wissen, ob sowohl der Mensch als auch non-verbale Spezies über ähnliche unabhängige Gehirnsysteme verfügen, ist von grundlegender Bedeutung für unser Verständnis von vergleichender Psychologie und der Evolution von Gehirnen“, erläutert Andersen.
Quelle:
Andersen, L.M. et al (2013). Dissociation of visual localization and visual detection in rhesus monkeys (Macaca mulatta), Animal Cognition. DOI 10.1007/s10071-013-0699-7.
Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

Kontakt: 

Franziska Hornig, Tel. +49 6221 4878414, franziska.hornig@springer.com