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Über Springer - Presse - Springer Select | Unter Risikoabwägung: Der passende Lockruf des grünen Pfeilgiftfrosches

Heidelberg / New York, 11. November 2013

Unter Risikoabwägung: Der passende Lockruf des grünen Pfeilgiftfrosches

Bei Aussicht auf eine erfolgreiche Paarung geht die grüne Variante dieser Froschart aufs Ganze, selbst wenn der Frosch dadurch riskiert, Beuteopfer zu werden

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Aus der Perspektive eines Pfeilgiftfroschweibchens leuchtet die Färbung eines roten Männchens nicht viel kräftiger als die eines grünen. Allerdings unterscheidet sich das Paarungsverhalten der grünen und der roten Variante der gleichen Froschart voneinander. Eine Studie unter Leitung von Beatriz Willink von der Universidad de Costa Rica in Costa Rica, die in der Springer-Fachzeitschrift Behavioral Ecology and Sociobiology erscheint, liefert Einblicke in diese Forschungsergebnisse.
Die leuchtende Färbung der Pfeilgiftfrösche lockt nicht nur potentielle Partner an, sondern warnt auch Vögel und andere Fressfeinde davor, dass diese Amphibien giftig sind. Innerhalb der gleichen Art lassen sich unterschiedliche Färbungen finden, wie beispielsweise beim granulierten Pfeilgiftfrosch (Oophaga granulifera), der in den südwestlichen Tiefebenen von Costa Rica lebt. Hier haben sich aus der ursprünglichen roten Variante auch gelbe und grüne Färbungen entwickelt.
Beatriz Willink und ihre Kollegen wollten herausfinden, ob die grünen Exemplare des granulierten Pfeilgiftfrosches für potenzielle Partner und Feinde mehr oder weniger auffällig sind als die roten Frösche derselben Art. Daher untersuchten die Wissenschaftler, wie sich die Hautfarbe der Frösche von ihrer natürlichen Umgebung abhebt. Diese Untersuchung wurde durchgeführt, da bekannt ist, dass zumindest bei einer Giftfroschart die Leuchtkraft des Rückens die Weibchen bei ihrer Partnerwahl beeinflusst. Darüber hinaus wurden auch die Rufe von zwölf roten und zehn grünen Froschmännchen aufgezeichnet. Damit wollten die Forscher herausfinden, ob die grünen Männchen ihr Farbanzeigeverhalten anpassen, wenn potentielle Partnerinnen in der Nähe sind.
Die Ergebnisse zeigen: Obwohl grüne Frösche vor einem dunklen Hintergrund manchmal schlechter zu sehen sind, können sie für ihre Artgenossen genauso leuchtend erscheinen wie rote Exemplare. Für Vögel sind sie so allerdings schlecht zu entdecken.
Grüne Frösche scheinen ihr Sexualverhalten also entsprechend anzupassen: Sie können Weibchen relativ auffällige Signale senden – sind aber gleichzeitig für potentielle Feinde weniger auffällig. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die grünen Männchen im Vergleich zu ihren roten Rivalen seltener Lockrufe ausstießen, wenn sie ein weiter entferntes Weibchen anlocken wollten. Allerdings riefen sie deutlich öfter, wenn sich ein Weibchen in der Nähe aufhielt. Dann gaben sie genauso viele Lockrufe von sich wie die roten Männchen. Der grüne Frosch scheint also abzuwägen: Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, die Gelegenheit für eine Paarung also günstig ist, nimmt er das Risiko zur Beute zu werden in Kauf. Dann wirbt er auffällig, um die potentielle Partnerin zu gewinnen.
„Unsere Ergebnisse stützen die Annahme, dass phänotypische oder sichtbar unterschiedliche Gruppen divergierender Arten bei der natürlichen und sexuellen Selektion unterschiedliche Lösungen wählen, indem sie Ort und Zeitpunkt auffälligen Werbungsverhaltens an Risiken und Nutzen anpassen“, sagt Beatriz Willink. „Bei den Giftfröschen könnte dies zur enormen Variation der auffälligen Farbmuster innerhalb dieser Gattung beigetragen haben.“
Quelle:
Willink, B. et al (2013). Conspicuous displays in cryptic males of a polytypic poison-dart frog, Behavioral Ecology and Sociobiology. DOI 10.1007/s00265-013-1640-4
Der Volltext-Artikel, Fotos und ein Videoclip sind für Journalisten auf Anfrage verfügbar.

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