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Über Springer - Presse - Springer Select | Psychopathische Verhaltensweisen bei Teenagern lassen sich auch wieder auf Kurs bringen

Heidelberg / New York, 19. September 2013

Psychopathische Verhaltensweisen bei Teenagern lassen sich auch wieder auf Kurs bringen

Wissenschaftler gehen davon aus, dass frühzeitige Therapie in einigen Fällen hilfreich sein kann

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Die meisten Jugendlichen reflektieren durchaus das Empfinden ihrer Mitmenschen, sie haben Schuldgefühle, wenn sie etwas falsch gemacht haben, und sie halten sich an soziale Regeln. Für eine kleine Gruppe junger Leute gilt dies allerdings nicht. Sie entwickeln psychopathische Persönlichkeitsmerkmale, die einer Störung bei Erwachsenen ähneln, und diese starke Persönlichkeitsstörung kann einhergehen mit antisozialem oder kriminellem Verhalten. Selma Salihovic und ihr Team von der Universität in Örebro in Schweden haben in einer neuen Studie festgestellt, dass psychopathische Persönlichkeitsmerkmale bei dieser kleinen Gruppe Jugendlicher über einen Zeitraum von vier Jahren recht stabil bleiben. Ihre Ergebnisse werden in der Springer-Fachzeitschrift Journal of Psychopathology and Behavioral Assessment veröffentlicht.
Während neuere Studien sich eher mit der relativen Stabilität psychopathischer Merkmale im Teenageralter beschrieben haben, befassen sich Salihovic und Kollegen erstmalig mit der langfristigen Entwicklung, bei der sich drei typische Merkmale für psychopathische Entwicklungen im Jugendalter parallel, aber getrennt voneinander, manifestieren. Zu den Charakteristika gehört das Fehlen von Reue- oder Schuldgefühlen, manipulatives und verantwortungsloses Verhalten. Diese hängen auch mit Jugendkriminalität, späterem antisozialem Verhalten und Gewalt zusammen.
„Einer der Gründe, warum sich Wissenschaftler mit dem frühen Auftreten psychopathischer Merkmale befassen, ist das bessere Verständnis darüber, wie sich psychische Störungen entwickeln“, sagt Salihovic, Doktorandin in Entwicklungsbiologie und Hauptautorin der Studie. „Mithilfe der Kenntnis von Stabilität und Veränderung derartiger Merkmale können wir die Entwicklungsphase bestimmen, in der sie am wenigsten stabil und somit am besten zu behandeln sind.“
In der Studie wurden 1.068 Siebt- bis Neuntklässler aus einer schwedischen Stadt über einen Zeitraum von vier Jahren beobachtet. Mädchen und Jungen waren zu fast gleichen Teilen in der Gruppe vertreten, 92,5 Prozent von ihnen waren Jugendliche schwedischer Abstammung. Psychopathische Persönlichkeitsmerkmale wurden mithilfe eines Testverfahrens für psychopathologische Befunde (Youth Psychopathic Traits Inventory) ermittelt. Dieses Selbstbeurteilungsinstrument hilft, spezifische Merkmale bei Jugendlichen im Alter ab 12 Jahren festzustellen.
Salihovic und ihre Kollegen fanden vier Untergruppen von Jugendlichen, bei denen ein hohes, niedriges bzw. moderates Level psychopathischer Züge mit abnehmender oder stabiler Entwicklung zu beobachten war. Wie erwartet, war bei den meisten ein niedriges bis moderates Level zu verzeichnen, das mit den Jahren weiterhin abnahm. Diese Jugendlichen wiesen auch ein niedriges Maß an kriminellem Verhalten auf und berichteten von einer herzlichen, verständnisvollen Beziehung zu den Eltern. Bei einer kleinen Gruppe von Jugendlichen allerdings blieb das Level während des gesamten Zeitraums der Studie hoch und stabil. Bei diesen Teenagern blieben alle psychopathischen Züge gleichermaßen ausgeprägt. Allerdings konnte ein ganz leichter Rückgang im Bereich des rücksichtslos-gefühllosen sowie impulsiv-verantwortungslosen Verhaltens verzeichnet werden. Diese Verhaltensweisen sind ganz typisch für eine psychische Störung. Es war keine Überraschung, dass diese jungen Leute auch am häufigsten straffällig wurden und sie das schwierigste Verhältnis zu den Eltern hatten.
Salihovic räumt ein, dass die Studie wenig optimistisch stimmt, was speziell diese kleine Gruppe junger Leute mit hohem und stabilem Level an psychopathischen Persönlichkeitsmerkmalen betrifft. Sie sagt jedoch weiter: „Wie alle Charakterzüge sind auch solche psychopathischen Merkmale während der Teenagerjahre ständig in der Entwicklung; sie sind darum auch nicht unwiderruflich und eine effektive therapeutische Intervention kann den Kurs durchaus noch ändern.“
Quelle:
Salihovic, S. et al (2013). Trajectories of Adolescent Psychopathic Traits, Journal of Psychopathology and Behavioral Assessment. DOI 10.1007/s10862-013-9375-0
Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

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