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Über Springer - Presse - Springer Select | Machen Videospiele anfällige Jugendliche aggressiver?

Heidelberg / New York, 26. August 2013

Machen Videospiele anfällige Jugendliche aggressiver?

Neue Studie: Gewaltvideospiele fördern kein antisoziales Verhalten bei psychisch auffälligen Jugendlichen

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Machen gewaltverherrlichende Videospiele wie ‚Mortal Kombat‘, ‚Halo‘ und ‚Grand Theft Auto‘ Teenager mit Depressionen oder ADS-Syndrom zu aggressiven Mobbern oder Straftätern? Nein, sagen US-amerikanische Wissenschaftler in einer Studie, die in der Springer-Zeitschrift Journal of Youth and Adolescence online erscheint. Im Gegenteil: Solche Videospiele hatten einen eher beruhigenden Effekt auf Jugendliche mit ADS und trugen zur Reduzierung von aggressivem und schikanierendem Verhalten bei.
Die Wissenschaftler Christopher Ferguson und Cheryl Olson untersuchten 377 amerikanische Kinder aus unterschiedlichen ethnischen Gruppen mit klinisch nachgewiesenen Symptomen für ADS oder Depressionen. Die durchschnittlich 13 Jahre alten Kinder gehörten in ein hauptsächlich öffentlich finanziertes Projekt, das sich mit den Auswirkungen von Gewalt in Videospielen auf Jugendliche befasst.
Öffentlich wird immer wieder debattiert, ob gewaltverherrlichende Videospiele Gewalt und Aggressionen unter Jugendlichen, speziell jungen Menschen mit bereits bestehenden psychischen Problemen, fördern oder nicht. In diesem Kontext ist die Studie von enormer Bedeutung. Es geht um Mobbing, Gewaltanwendung, Körperverletzung, sogar Mord. Und häufig stellen die Medien eine Verbindung zwischen gewalttätigen Videospielen und den Tätern von Schulmassakern in den USA her.
Die Wissenschaftler unterstützen nicht die allgemeine Auffassung in der Bevölkerung, dass gewalttätige Videospiele Aggressionen bei psychisch anfälligen Jugendlichen fördern. Sie stellten bei Kindern mit klinisch belegten Depressions- oder ADS-Symptomen keinen Zusammenhang zwischen solchen Spielen und späterem Mobben und Kriminalität fest. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung stimmen mit einem Bericht des Secret Service überein, der kürzlich belegte: Das Auftreten gängigerer Formen jugendlicher Gewalt ist eher mit Aggressivität und Stress als mit gewalttätigen Videospielen in Verbindung zu bringen. Interessanterweise stießen die Verfasser der aktuellen Studie auf ein paar Fälle, wo die Gewalt in Videospielen sogar einen leicht positiven Effekt auf Kinder mit erheblicher ADS-Symptomatik hatte und dazu beitrug, aggressive Tendenzen und Mobbingverhalten zu reduzieren.
Dass ihre Erkenntnisse nicht pauschal auf Extremfälle wie Massenmorde übertragbar sind, stellten Ferguson und Olson natürlich klar. Sie raten jedoch, die Einstellung zum Einfluss von Gewaltvideospielen neu zu überdenken, selbst wenn es um psychisch auffällige Kinder geht.
„Wir fanden keinerlei Hinweise darauf, dass diese Art von Videospielen Mobbing oder kriminelles Verhalten unter anfälligen Jugendlichen mit klinisch nachgewiesenen psychischen Auffälligkeiten steigert“, betonte Ferguson. Im Hinblick darauf, dass einige jugendliche Massenmörder Gewaltvideospiele gespielt haben, sagt er weiter: „Statistisch gesehen wäre es in der Tat mehr als ungewöhnlich, wenn jugendliche Straftäter oder Schützen keine derartigen Spiele spielen würden – die Mehrheit der jungen Leute und speziell der jungen Männer tut dies zumindest gelegentlich.“
Quelle: Ferguson C.J, Olson C. (2013). Video game violence among ‘vulnerable’ populations: the impact of violent games on delinquency and bullying among children with clinically elevated depression or attention deficit symptoms, Journal of Youth and Adolescence. DOI 10.1007/s10964-013-9986-5
Der Volltext-Artikel ist für Journalisten auf Anfrage verfügbar.

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