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Über Springer - Presse - Springer Select | Das ist Musik in den Ohren eines Glücksspielers

Heidelberg / New York, 2. Juli 2013

Das ist Musik in den Ohren eines Glücksspielers

Spieler lieben laut klingelnde Spielautomaten: Da macht Gewinnen richtig Spaß

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Wenn die Geräuschkulisse stimmt, wird das Gewinnen an Spielautomaten noch aufregender – so das Ergebnis einer neuen Studie von Mike Dixon und Kollegen von der University of Waterloo in Kanada. In ihrer Arbeit machen sie deutlich, dass Geräusche auch dazu führen, dass Spieler die Häufigkeit ihrer Gewinne an Spielautomaten oft überschätzen. Die Studie erscheint online in der Springer-Fachzeitschrift Journal of Gambling Studies.
Die Geräuschkulisse war immer wichtig beim Spielen an Automaten. Schon seit 1900 werden Spieler bei jeder Gewinnkombination mit einem Klingelton belohnt. Die heutigen Spielautomaten haben im Schnitt 400 verschiedene Soundeffekte.
Spielen kann man an den modernen „Einarmigen Banditen“ auf unterschiedliche Art. Dreht man und verliert, bleibt der Automat still. Gewinnt man mehr als den Einsatz, hört man eine Jubelmelodie. Gewinnt man weniger als den Einsatz (Einsatz etwa €1,00, Gewinn 20 Cent), hört man interessanterweise auch die Jubelmelodie, obwohl man unterm Strich verloren hat. Dixon und seine Kollegen wollten herausfinden, ob diese Jubelklänge möglicherweise darüber hinwegtäuschen, dass der Spieler bei diesen vermeintlichen „Gewinnen“ im Grunde Geld verliert.
Dixon und seine Kollegen erfassten die physiologischen Reaktionen der Spieler bei verschiedenen Situationen am Spielautomaten: bei Gewinn, Verlust und bei „als Gewinn getarntem Verlust“, mit und ohne spielbegleitende Geräuschkulisse. Während des Spiels werden oft die Hände feucht. Dies erhöht die Leitfähigkeit der Haut, ein Maßstab der Erregung.
Insgesamt hatten 96 Spieler zwei Sitzungen an einem Slotmaschinensimulator. In einer Sitzung wurden Gewinne und „als Gewinn getarnte Verluste“ von Kullergeräuschen und Jubelgeklingel wie auch von visuellem Feedback begleitet. In der zweiten Sitzung wurde der Ton abgestellt, es gab lediglich das visuelle Feedback. Die Wissenschaftler erfassten Leitfähigkeit der Haut und Herzreaktion. Am Ende wurden die Spieler gefragt, welche Sitzung sie warum bevorzugten. Sie sollten auch schätzen, bei wie vielen Drehungen sie mehr gewonnen als eingesetzt hatten.
Die Geräuschkulisse beeinflusste deutlich das Erregungslevel der Spieler. Beim Spiel mit Ton war die Hautleitfähigkeit deutlich höher als beim tonlosen Spiel. Das geräuschvolle Spiel wurde als aufregender eingestuft als das geräuschlose. Die Mehrheit der Spieler bevorzugte die Sitzung, in der die Gewinne von Tönen begleitet wurden. Offenbar steigern die Töne die Aufregung nicht nur, dies wird auch durchaus genossen.
Die Soundeffekte führten dazu, dass die Spieler ihre Gewinne überschätzten. Dies passierte zwar in beiden Sitzungstypen, war aber deutlich höher, wenn Töne mit im Spiel waren – bei 24 Prozent der Spieler im Gegensatz zu 15 Prozent, wenn Ruhe herrschte. Die Autoren gehen davon aus, dass bei den als Gewinn getarnten Verlusten die Geräuschkulisse Teil der Tarnung ist. Die Spieler glauben, häufiger gewonnen zu haben, als es tatsächlich der Fall ist.
Die Autoren: „Die Geräusche tragen zwar möglicherweise zum Vergnügen der Spieler bei. Sie führen aber auch dazu, dass Gewinne falsch eingeschätzt werden. Beide Effekte könnten zu Spielproblemen führen, etwa einer Fehleinschätzung der Gewinnchancen oder der Unfähigkeit, aufzuhören.“
Quelle
Dixon MJ et al (2013). The Impact of Sound in Modern Multiline Video Slot Machine Play. Journal of Gambling Studies; 10.1007/s10899-013-9391-8
Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

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