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Über Springer - Presse - Springer Select | Woher weiß ein Fisch, wie groß er ist?

Heidelberg | New York, 6. Februar 2013

Woher weiß ein Fisch, wie groß er ist?

Chemische Signalsubstanzen helfen Fischen beim Finden gleichgroßer Artgenossen

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Haben Sie sich jemals gefragt, weshalb Fischschwärme aus Fischen der gleichen Größe bestehen? Fische verwenden unterschiedliche sensorische Signale, um Schwarmgefährten auszumachen. Aber chemische Signalsubstanzen helfen ihnen dabei, gleichgroße Artgenossen zu identifizieren. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie von Ashley Ward an der University of Sydney in Australien und Suzanne Currie von der Mount Allison University in Kanada. Mithilfe dieser Signale können die Fische große und starke Schwärme bilden. Die Forschungsarbeit erscheint in der Online-Ausgabe der Springer-Fachzeitschrift Behavioral Ecology and Sociobiology.
Für Tiere ist die Bildung von Gruppen sehr vorteilhaft. In der Gruppe ist das einzelne Tier besser vor Raubtieren geschützt. Wenn Tiere Gruppen bilden, sehen sich Räuber einer Vielzahl von fast identischen Beutetieren gegenüber, wodurch es ihnen schwerer fällt, ein Ziel zu wählen.
Dr. Ward sagt: „Normalerweise bilden Fische Schwärme mit gleich großen Artgenossen. Die wichtigste Frage, die uns zu unserer Studie motiviert hat, ist: Woher weiß ein Fisch, wie groß er ist? Für Menschen ist das trivial - wir können uns auf eine ebene Fläche stellen und sehen, ob wir größer oder kleiner als unser Gegenüber sind. Oder wir können in den Spiegel schauen. Fische haben diese Möglichkeiten nicht – wie wählen sie also gleich große Artgenossen zur Schwarmbildung aus?“
Die Wissenschaftler untersuchten, welche Sinne Fische dazu verwenden, die Größe ihrer Artgenossen und ihre eigene Größe zu bestimmen. Sie studierten zwei Süßwasserfischarten, die Schwärme bilden: den dreistachligen Stichling und den gestreiften Killifisch. In einer Reihe von Experimenten setzten sie die Fische unterschiedlichen chemischen Signalsubstanzen aus. Entweder von Fischen der gleichen Art – wobei deren Größe variierte – oder einer Kontrollsubstanz, einer sogenannten 'leeren' Substanz. Chemische Signalsubstanzen werden durch die ständige Molekülabgabe von Fischen an ihre Umgebung gebildet.
Ward fährt fort: „Wir wissen, dass der Geruchssinn bei Fischen sehr gut entwickelt ist und dass sie empfindlich gegenüber kleinen Unterschieden der chemischen Signatur sind, die andere Fische abgeben. Konnten die Fische also riechen, wie groß sie selbst sind und dies als Einschätzung für die Größe anderer Fische verwenden? Es sieht so aus.“
Beide Arten von Schwarmfischen bevorzugten die chemischen Signalsubstanzen der Fische gleicher Größe gegenüber den Substanzen größerer oder kleiner Fische ihrer jeweiligen Artgenossen. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Fische in der Lage waren, ihre eigene Größe in Bezug auf die Größe anderer Fische der gleichen Art einzuschätzen – im Wesentlichen durch ihre eigene chemische Signalsubstanz als Referenzwert.
„Die Fische nutzen ihre chemischen Signalsubstanzen, um gleich große Artgenossen ausfindig zu machen und mit diesen Schwärme zu bilden. Auf diese Weise irritieren sie Raubfische und optimieren gleichzeitig die Koordination und Effizienz ihrer Fortbewegung und ihrer Nahrungsaufnahme.
Quelle:
Ward A & Currie S (2013). Shoaling fish can size-assort by chemical cues alone. Behavioral Ecology and Sociobiology; DOI 10.1007/s00265-013-1486-9
Der Volltext-Artikel ist für Journalisten auf Anfrage verfügbar.

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