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Über Springer - Presse - Springer Select | Haben wir falsche Vorstellungen von weiblichen Kriminellen?

Heidelberg | New York, 23. Januar 2013

Haben wir falsche Vorstellungen von weiblichen Kriminellen?

Die gesellschaftliche Wahrnehmung zu weiblichen Straftätern steht oft in scharfem Kontrast zu dem, was die Wissenschaft sagt

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Ist eine kriminelle Frau eine Anomalie? Wir glauben oft, dass Frauen weniger zu Gewalt neigen als Männer. „Sie hat aus Notwehr gehandelt“ oder „Sie rebelliert gegen das Klischee weiblichen Verhaltens“, heißt es häufig. Das bei Springer erschienene Buch Perceptions of Female Offenders – How Stereotypes and Social Norms Affect Criminal Justice Responses macht deutlich, dass diese verbreitete Vorstellung mit der Realität nicht übereinstimmt.
In den letzten Jahrzehnten ist die Kriminalitätsrate unter Frauen stark angestiegen – ein Anlass für Forscher, sich mit einem Thema zu beschäftigen, das in der Vergangenheit oft ausgespart wurde. Unsere sozialen Normen gehen davon aus, dass Frauen nicht gefährlich seien und einfach keine Verbrechen begehen. Der Gedanke an Kriminalität bei Frauen widerspricht der Vorstellung von der traditionellen Geschlechterrolle: Frauen gelten als fürsorglich und passiv. Die Zunahme der Verbrechensrate bei Frauen widerspricht dem jedoch.
Was an Untersuchungen zu weiblicher Kriminalität existiert, zeigt, dass Männer und Frauen unterschiedlich wahrgenommen werden. Kommt es zu Delikten, wird darum auch anders mit Frauen umgegangen. Das Buch macht deutlich, dass die Entscheidungen des Strafrechtssystems im Umgang mit straffällig gewordenen, Gewalt anwendenden Frauen auf verzerrten stereotypen Vorstellungen beruhen.
Editor Brenda Russell von der Pennsylvania State University in den Vereinigten Staaten: „Untersuchungen zur Auswirkung von herkömmlichen Vorstellungen auf das Vorgehen der Strafjustiz sind relativ neu. Viele wesentliche Fragen zur Bedeutung von Klischees, gesellschaftlichen Normen und falschen Vorstellungen von weiblichen Straftätern bleiben offen. Unsere Wahrnehmung von der Frau in der Gesellschaft und im Strafjustizsystem muss hinterfragt werden. Wir müssen der Frage nachgehen, ob Gleichheit in der Strafjustiz der Gesellschaft und/oder den weiblichen Delinquenten tatsächlich nutzen oder schaden würde.“
Perceptions of Female Offenders verbindet Forschungsergebnisse aus Psychologie, Soziologie und Kriminologie; das Buch setzt sich mit den geschlechtsspezifischen Überzeugungen auseinander, die sowohl den Umgang der Gesellschaft mit weiblichen Delinquenten beeinflussen wie auch deren Behandlung durch die Strafjustiz. Beleuchtet wird des Weiteren der Umgang der Medien mit kriminellen Frauen sowie der Einfluss von Geschlecht, Alter und Sexualität eines Opfers auf unsere Vorstellung von sexuellen Übergriffen durch Frauen. Auch Gewalt und Missbrauch zwischen Partnern – und die diesbezüglichen Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Delinquenten – werden thematisiert.
Quelle:
Russell, Brenda L. (Ed) Perceptions of Female Offenders. How Stereotypes and Social Norms Affect Criminal Justice Responses. Springer 2013. ISBN: 978-1-4614-5870-8 (Print) 978-1-4614-5871-5 (Online)

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