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Über Springer - Presse - Springer Select | Singen Vögel auf dem Land anders als in der Stadt?

Heidelberg | New York, 20. November 2012

Singen Vögel auf dem Land anders als in der Stadt?

Studie untersucht was Purpurtyrannen veranlasst die Länge ihres Gesangs zu verändern

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Einige Vogelarten passen ihren Gesang an den Lärm der Stadt an. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie von Dr. Alejandro Ariel Ríos-Chelén von der Universidad Nacional Autónoma de México und seinen Kollegen. Sie zeigen, dass sich einige Vögel nach der Lautstärke ihrer Umgebung richten und ihren Gesang daran anpassen – manche durch Änderungen der Frequenz, andere durch länger andauernden Gesang. Zu dieser zweiten Vogelart gehört auch der Purpurtyrann. Die Arbeit der Wissenschaftler erscheint in der Online-Ausgabe der Springer-Fachzeitschrift Behavioral Ecology and Sociobiology.
Vögel nutzen ihren Gesang, um Weibchen anzulocken und Eindringlinge fernzuhalten. Städtischer Lärm kann diese Kommunikation stören und so den Bruterfolg beeinträchtigen. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass einige Singvogelarten wie das Rotkehlchen, die Nachtigall und die Amsel ihren Gesang bei Lärm verändern. In einer lauten Umgebung verbessern die Vögel so ihre akustische Kommunikation untereinander. Derzeit stützt sich die Forschung jedoch überwiegend auf Studien zu Singvögeln. Ihren tropischen Artverwandten, zu denen auch der Purpurtyrann zählt, wurde bisher weniger Beachtung geschenkt.
Rios-Chelén und sein Team untersuchten, ob männliche Purpurtyrannen ihren Gesang genauso an eine laute Umgebung anpassen wie die Singvögel. Dazu zeichneten die Forscher den Gesang von neunundzwanzig Purpurtyrann-Männchen in unterschiedlichen Parks und städtischen Gebieten von Mexico City auf. Sie verzeichneten die Lärmpegel zu unterschiedlichen Zeitpunkten vor und während des Morgengrauens. Und sie maßen die Länge des Vogelgesangs und zählten die Anzahl von Gesangselementen, um die Vielseitigkeit der Melodien zu bewerten.
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Männchen in Territorien mit vergleichsweise hohem Lärmpegel länger sangen, während die Gesangslänge von Männchen in ruhigeren Gebieten stärker variierte. Des Weiteren war der Gesang der Männchen am späten Morgen, als der Lärmpegel hoch war, weniger vielseitig. Diese zweite Veränderung im Gesang ist jedoch eher auf die Tageszeit zurück zu führen als auf den erhöhten Lärmpegel.
Die Autoren kommen zu der Schlussfolgerung: „Auch wenn diese Ergebnisse zeigen, dass die Tageszeit einen Einfluss auf die Vielfältigkeit des Gesangs eines Vogels hat, so lässt sich doch auch ein Einfluss durch Lärm nicht ausschließen... Diese Studie spricht dafür, dass sich die tropischen Vögel wie auch die Singvögel an Lärm anpassen, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Dies legt Unterschiede bei den Fähigkeiten von Vogelarten nahe, stätische Gebiete zu besiedeln und dort zu überleben.“
Quelle:
Ríos-Chelén AA et al (2012). Dealing with urban noise: vermilion flycatchers sing longer songs in noisier territories. Behavioral Ecology and Sociobiology; DOI 10.1007/s00265-012-1434-0.
Der Volltext-Artikel ist für Journalisten auf Anfrage verfügbar.

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