Logo - springer
Slogan - springer

Über Springer - Presse - Springer Select | Eye-Tracking-Technik bestätigt: Frauen werden mit einem Blick „abgecheckt“

Heidelberg / New York, 29. Oktober 2013

Eye-Tracking-Technik bestätigt: Frauen werden mit einem Blick „abgecheckt“

Frauen mit „Sanduhrfigur“ kommen besser an

Fig Ideal
Die Eye-Tracking-Technik hat bestätigt, was Frauen längst wissen: beim ersten Blick sind Geschlechtsmerkmale wichtiger als das Gesicht. Eine Studie unter Leitung von Sarah Gervais von der University of Nebraska-Lincoln (USA) hat gezeigt, dass besonders Frauen mit einer typischen Sanduhrfigur - also größeren Brüsten, einer schmaleren Taille und breiteren Hüften - oft ‚bewertende Blicke‘ auf sich ziehen. Die Studie erscheint jetzt im Springer-Journal Sex Roles.
Die Studie ist eine der ersten, die die Eye-Tracking-Technik einsetzen, um die Blicke einzuordnen, mit denen Männer - besonders im westlichen Kulturkreis - Frauen angeblich oft „begaffen“, „anstarren“ oder „abchecken“. Als Folge davon haben Wissenschaftler bei Frauen in den USA eine „social physique anxiety“ festgestellt. Dies ist eine extreme Form von Figurkomplex, der sich in verminderter kognitiver Leistung, emotionaler Zurückgezogenheit und Unterordnung der eigenen Bedürfnisse zeigt. Diese Art von Aufmerksamkeit degradiert die Frauen zu bloßen Objekten und reduziert sie ausschließlich auf ihr Äußeres.
Bisher haben sich Studien zu diesem Phänomen nur auf die persönliche Einschätzung der Frauen selbst verlassen. Gervais und ihre Kollegen nutzten nun das Eye-Tracking-System Eyelink II, um zu untersuchen, wie 29 Frauen und 36 Männer von einer großen Universität in den Vereinigten Staaten auf digital manipulierte Fotografien von ein- und derselben Gruppe Models mit unterschiedlich bearbeiteten Figuren reagierte.
Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Teilnehmer, wenn sie aufgefordert waren, die Frauen aufgrund ihres Äußeren objektiv zu beurteilen, sich mehr auf Brüste und Taille und weniger auf das Gesicht konzentrierten. Bei Frauen mit der im westlichen Kulturkreis idealisierten Sanduhrfigur war dieser Effekt ausgeprägter als bei Frauen mit kleineren Brüsten und breiteren Hüften, die dem Schönheitsideal weniger entsprechen. Im Gegensatz zu den Teilnehmerinnen unterschieden die Männer generell zwischen Frauen mit unterschiedlichen Maßen, unabhängig davon, ob sie sich auf das Äußere oder die Persönlichkeit konzentrieren sollten. Frauen mit der „idealen“ Sanduhrfigur kamen grundsätzlich besser an als Frauen mit durchschnittlicher oder weniger guter Figur. Interessanterweise kamen Männer, die sich auf die Persönlichkeit der Frauen konzentrierten, zu den gleichen Ergebnissen.
Wenn für Männer demnach das Äußere einer Frau wichtiger ist als die Persönlichkeit, so spüren, laut der Wissenschaftler, alle Frauen diese bewertenden Blicke, und zwar ungeachtet ihrer Körpermaße. Dies entspricht der Theorie, dass ein erwachsener weiblicher Körper im gebärfähigen Alter in allen Kulturen, unabhängig von seiner Attraktivität, ständig angeschaut, begutachtet und beurteilt wird.
Interessanterweise scheinen auch Frauen andere Frauen oftmals als Objekte zu betrachten. Dies passt zu der Annahme, dass Frauen diese männlichen Blicke verinnerlichen und sich selbst als Objekt wahrnehmen. Gleichzeitig beurteilen sie jedoch mit denselben Blicken andere Frauen.
„Generell kommen attraktivere Frauen besser an als weniger attraktive“, sagt Gervais. „Attraktivität kann für eine Frau aber auch zur Last werden: Sie wird zwar positiv wahrgenommen, doch für die „Gaffer“ ist der Körper wichtiger als individuelle und persönliche Merkmale wie das Gesicht.“
Quelle:
Gervais, S. J., Holland, A., & Dodd, M. (2013). My eyes are up here: The nature of the objectifying gaze toward women, Sex Roles DOI 10.1007/s11199-013-0316-x
Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

Kontakt: