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Über Springer - Presse - Springer Select | Geschichten erzählen – am besten ausführlich

New York / Heidelberg, 27. März 2013

Geschichten erzählen – am besten ausführlich

Neue Studie: Mütter geben Erfahrungen besser und gefühlsbetonter wieder – so entwickeln die Kinder emotionale Fähigkeiten

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Bisher ging man nicht davon aus, dass es beim Erzählen geschlechtsspezifische Unterschiede gibt. Nun aber hat eine neue Studie, die im Springer-Journal Sex Roles erscheint, festgestellt: es gibt subtile Unterschiede zwischen den Geschlechtern, was die Fähigkeit betrifft, eine Geschichte zu erzählen und vor allem, dabei Erinnerungen aufleben zu lassen. Die Untersuchung von Widaad Zaman von der University of Central Florida und ihrem Kollegen Robyn Fivush von der Emory University in Atlanta, Georgia, geht der Frage nach, inwieweit sich solche geschlechtsspezifischen Unterschiede bei Eltern auf die emotionale Entwicklung der Kinder auswirken.
Andere Untersuchungen auf diesem Gebiet haben bereits gezeigt, dass das gemeinsame Erinnern von Eltern und Kindern die Kinder in die Lage versetzt, Erfahrungen zu interpretieren und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einen Zusammenhang zu bringen. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Eltern weniger zum Ausschmücken neigen, wenn sie mit ihren Söhnen statt mit den Töchtern sprechen.
Hauptziel von Zamans Studie war es, zu vergleichen, wie Mütter und Väter ihren Vorschulkindern von Erlebnissen aus der Vergangenheit berichten. Dazu gehörte auch, wie sehr die Geschichten ausgeschmückt wurden und wie aufmerksam die Kinder während des Erzählens waren.
42 Familien mit Kindern zwischen vier und fünf nahmen an der Studie teil. Die Eltern wurden gebeten, von vier emotionalen Erlebnissen des Kindes aus der Vergangenheit zu berichten (fröhlich, traurig, ein Konflikt mit einem Gleichaltrigen, ein Konflikt mit einem Elternteil) sowie von zwei Spiel-Situationen, die sie zusammen erlebt hatten. Die Eltern besuchten die Kinder getrennt und wechselten sich beim Erzählen ab.
Die Wissenschaftler stellten fest, dass Mütter die Geschichten aus der Vergangenheit mehr ausschmückten als Väter. Vorangegangene Studien hatten ergeben, dass das Geschlecht des Kindes eine Rolle dabei spielte, wie sehr Vater oder Mutter die Geschichten ausschmückte. Zamans Untersuchung konnte hierbei allerdings keine Unterschiede feststellen. Mütter neigten generell dazu, sich emotionaler auszudrücken als Väter; sie erklärten dies dem dann Kind auch und sprachen mit ihm darüber. Dieses stärkere Engagement der Mutter vermittelt dem Kind die Bedeutung einer eigenen Version, eines eigenen Blickwinkels und eigener Gefühle.
Die Autoren gehen davon aus, dass Mütter durch die stärkere Interaktion ihren Kindern die Aufarbeitung des Erlebten erleichtern, gleichgültig, um welche Art von Erlebnis es sich handelt. Dies geht möglicherweise einher mit dem Bemühen der Mutter, ihrem Kind den Umgang mit schwierigen Emotionen, vor allem negative Erlebnisse betreffend, zu erleichtern – dies wiederum fördert das emotionale Wohlergehen.
„Unsere faszinierenden Ergebnisse helfen uns zu verstehen, wie elterliche Erzählungen über die Vergangenheit zur geschlechtsspezifischen Sozialisation der Kinder beitragen und wie Jungen und Mädchen die Geschlechterrollen dann in ihre eigenen Berichte und ihr Leben integrieren“, so die Autoren.
Quelle
Zaman, W. and Fivush, R. (2013). Gender differences in elaborative parent-child emotion and play narratives. Sex Roles. DOI 10.1007/s11199-013-0270-7
Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

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