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Über Springer - Presse - Springer Select | Wörter haben Gefühle

Heidelberg | New York, 11. Dezember 2012

Wörter haben Gefühle

Emotionen in der Stimme wecken beim Zuhörer Aufmerksamkeit, die Worte bleiben aber weniger präzise im Gedächtnis haften

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Hinterlassen Emotionen in der Stimme einen dauerhaften Eindruck? Annett Schirmer und Kollegen von der National University of Singapore gehen davon aus, dass die Worterkennung durch Emotionen schneller und akkurater erfolgt – langfristig allerdings erinnert sich der Zuhörer an emotional gefärbte Sätze nicht so deutlich wie an neutrale. Bleiben die Worte doch im Gedächtnis, haben sie einen emotionalen Wert bekommen: Sätze, die mit trauriger Stimme geäußert wurden, sind in der Erinnerung negativer besetzt als Sätze, die in neutraler Stimme ausgesprochen wurden.
Schirmers Studie, die sich mit der Bedeutung von Emotionen im Worterkennungsgedächtnis befasst, erscheint online im Springer-Journal Cognitive, Affective & Behavioral Neuroscience.
Schwingt Ärger, Traurigkeit, Heiterkeit oder Angst mit, bekommt Sprache einen eindringlichen Charakter, der sonst fehlt. Die Stimme wird lauter oder weicher, eiliger oder langsamer, melodischer, schwankender oder monotoner. Solche Veränderungen fesseln sofort die Aufmerksamkeit. In der Studie gingen Schirmer und Kollegen nun der Frage nach, ob solche Emotionen eine anhaltende Wirkung auf das Erinnerungsvermögen haben.
Insgesamt 48 Männer und 48 Frauen hörten sich traurig und neutral gesprochene Wörter an; später zeigte man ihnen diese Worte visuell – untersucht wurden Worterkennung und die Gefühle, die die Worte hervorriefen. Gemessen wurde zu diesem Zweck auch die Gehirnaktivität der Probanden.
Die Analysen zeigten, dass die Teilnehmer Wörter besser wiedererkannten, wenn sie sie zuvor in neutralem, statt in traurigem Tonfall gehört hatten. War der Tonfall zuvor traurig, so war auch die Erinnerung an die Worte negativ gefärbt.
Die Wissenschaftler untersuchten auch, ob die Worte von Männern und Frauen unterschiedlich verarbeitet wurden. Sie stellten fest, dass Frauen sensibler auf emotionale Elemente reagierten als Männer. Frauen erinnerten sich außerdem häufiger an die Emotion in der Stimme des Sprechers. Diese individuellen Unterschiede standen im Einklang mit dem aktuellen Level des weiblichen Sexualhormons Östrogen, das bei jedem Probanden durch Tests ermittelt wurde.
Schirmer und Team: „Emotionale Stimmen bewirken Veränderungen im Langzeitgedächtnis. Sie fesseln die Aufmerksamkeit des Zuhörers und haben Einfluss darauf, wie Wörter später erkannt und welche Emotionen ihnen zugeordnet werden. Genauso wie andere emotionale Signale, beeinflusst auch die Stimme den Zuhörer noch über einen langen Zeitraum.“
Quelle:
Schirmer A et al (2012). Vocal emotions influence verbal memory: neural correlates and inter-individual differences. Cognitive, Affective & Behavioral Neuroscience; DOI 10.3758/s13415-012-0132-8
Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

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