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Über Springer - Presse - Springer Select | Schimpansen wählen ihre Verbündeten sorgfältig aus

Heidelberg | New York, 3. Dezember 2012

Schimpansen wählen ihre Verbündeten sorgfältig aus

Männliche Schimpansen haben bessere Chancen auf Nachwuchs, wenn sie erkennen wie wichtig ihr soziales Netz ist

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Männliche Schimpansen profitieren von Bündnissen mit anderen Männchen. Gemeinsam treten sie Dritten gegenüber aggressiv auf und stärken so ihre Position in der Gruppe. Doch nicht jedes dieser Bündnisse erzielt gleiche Erfolge. Nach einer neuen Studie von Ian Gilby von der Duke University in North Carolina und seinen Kollegen kommt es auf den richtigen Bündnispartner an. Vor allem Schimpansen, die eine Schlüsselrolle im sozialen Netz der Gruppe einnehmen, haben die besten Chancen Nachwuchs zu zeugen und im Rang aufzusteigen. Gleichzeitig sind Bündnispartner, die sonst keinerlei Bündnisse eingehen, die sicherste Garantie für den Erfolg eines Bündnisses. Die Arbeit der Wissenschaftler erscheint in der Springer-Fachzeitschrift Behavioral Ecology and Sociobiology.
Wenn sich zwei Individuen verbünden und sich gegenüber Dritten aggressiv zeigen, wird das ‚gemeinschaftliche Aggression‘ (coalitionary aggression) genannt. Bei vielen Tierarten spielen solche Aggressionen und Bündnisse eine große Rolle, wenn es um die Positionierung in der Gruppe geht. Grundsätzlich liegen alle Vorteile bei den dominanten Tieren: Ihre Chancen auf eine erfolgreiche Paarung sind spürbar höher und entsprechend zeugen sie mehr Nachwuchs. Männchen, die ein wirkungsvolles Bündnis geschlossen haben, sind jedoch auch sehr erfolgreich. Sie paaren sich deutlich häufiger, als es ihrem Rang entsprechen würde.
14 Jahre lang wurden im Gobe Nationalpark in Tansania Daten über freilebende Schimpansen gesammelt. Diese Daten nutzten Gilby und seine Kollegen für die Studie. Sie untersuchten, inwiefern Schimpansen von der gemeinschaftlichen Aggression profitieren. Dazu beurteilten sie vier verschiedene Verhaltensmerkmale der Affen. Das einzige dieser vier Merkmale, das sowohl auf den Rang als auch auf die Zeugung von Nachwuchs Auswirkungen hatte, war „Betweenness“. Dies ist ein Maß dafür, wie zentral die Position ist, die ein Männchen im sozialen Netz einer Gruppe einnimmt. Je mehr Verbindungen zu anderen Affen bestehen, desto zentraler die Stellung. „Betweenness“ gibt außerdem Auskunft darüber, ob ein Männchen dazu neigt Bündnisse mit Schimpansen einzugehen, die sonst keine Bündnispartner haben. Die Forscher beobachteten, dass Schimpansen mit einer hohen „Betweenness“-Bewertung die einzigen Nicht-Alpha-Männchen waren, die Nachwuchs zeugen konnten. Auch stiegen diese Tiere im Rang auf, was sich wiederum positiv auf ihre Paarungschancen auswirkte.
Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass Schimpansen das Geflecht der sozialen Netzwerke innerhalb ihrer Gruppe verstehen und bewerten können. Diese Fähigkeit nutzen sie für die sorgfältige Auswahl ihrer Bündnispartner.
Die Autoren: „…wir haben in unserer Studie gezeigt, dass Schimpansen die Beziehungen innerhalb ihrer Gruppe beurteilen können und dass sie dieses Wissen nutzbringend für sich einsetzen. Diese Erkenntnis trägt zum besseren Verständnis von sozialer Intelligenz und Teamwork unter Schimpansen bei.“ Es seien jedoch weitere Untersuchungen nötig, um die Ergebnisse der Studie im vollen Umfang erfassen zu können, fügten die Wissenschaftler hinzu.
Reference:
Gilby IC, Brent LJN, Wroblewski EE, Rudicell RS, Hahn BH, Goodall J and Pusey AE (2012). Fitness benefits of coalitionary aggression in male chimpanzees. Behavioral Ecology and Sociobiology. DOI 10.1007/s00265-012-1457-6
Der vollständige Artikel steht Journalisten auf Anfrage zur Verfügung.

Kontakt: 

Ann Koebler, tel. +49 6221 487 8414, ann.koebler@springer.com