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Über Springer - Presse - Springer Select | Affen gaffen… und damit wollen sie den Paarungsakt ihrer Artgenossen verhindern

Heidelberg | New York, 30. Oktober 2012

Affen gaffen… und damit wollen sie den Paarungsakt ihrer Artgenossen verhindern

Studie untersucht Gruppendynamik zum Sexualverhalten von Langschwanzmakaken

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Während der Paarung ziehen sich Affen vor Zuschauern zurück, unabhängig von deren Geschlecht oder Rang. Doch die Paarung im Verborgenen scheint keine bewusste Verschleierungstaktik zu sein, sondern vielmehr das Ausnutzen einer günstigen Gelegenheit. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Studie von Anne Overduin - de Vries und ihrem Team vom Biomedical Primate Research Centre in den Niederlanden. Ihre Arbeit erscheint in der Online-Ausgabe der Springer-Fachzeitschrift Behavioral Ecology and Sociobiology.
In Primaten-Gruppen, die sich aus vielen Männchen und Weibchen zusammensetzen, kommt es häufig zum Wettbewerb um die Sexualpartner. Als Konsequenz finden daher viele Paarungen im Verborgenen und ohne die Anwesenheit störender Zuschauer statt. Unklar ist jedoch, ob diese Vermeidung von Zuschauern – die sogenannte heimliche Paarung – auf taktischer Irreführung beruht oder ob es sich um zufällige Begegnungen handelt, bei denen keine Nebenbuhler in der Nähe sind.
Die Autoren beobachteten dazu das gruppendynamische Sexualverhalten von 27 Langschwanzmakaken, die im Biomedical Primate Research Centre in den Niederlanden leben. Sie untersuchten, welche der Gruppenmitglieder andere belästigten und ob die dadurch vereitelten Paarungen in Zusammenhang mit der Art des störenden Verhaltens, mit dem Geschlecht oder mit dem Rang des sich einmischenden Affen stand. Die Wissenschaftler überprüften außerdem, ob die Makaken das Werben um Sexualpartner von der Anwesenheit potenziell störender Zuschauer abhängig machten. Und ob sich die Affen absichtlich von der Gruppe entfernten, um sich heimlich zu paaren.
Overduin - de Vries und ihre Kollegen fanden heraus, dass sowohl Männchen als auch Weibchen andere Pärchen bei der Paarung belästigen. Beide Geschlechter versuchten das Sexualverhalten ihrer Gruppenmitglieder zu verhindern und gleichzeitig passten sie alle ihr eigenes Sexualverhalten an, indem sie in Anwesenheit potenziell lästiger Zuschauer seltener um Sexualpartner warben. Dieses Zuschauerverhalten zeigt, dass es ein Konkurrenzverhalten sowohl unter Männchen als auch unter Weibchen gibt. Beide sind wichtige Faktoren für das gruppendynamische Sexualverhalten von Langschwanzmakaken.
Im Bezug auf die Motivation zur heimlichen Paarung fanden die Autoren keine Beweise für ein taktisches Vorgehen: Oft kommt es zu Paarungen ohne Zuschauer, wenn sich Nichtalpha-Männchen und -Weibchen paaren. Damit nutzen sie ihre „Randstellung“ im doppelten Sinne aus: Sie profitieren sowohl von ihrem niederen Rang als auch von ihrer physischen Position am Rande der Gruppe und kommen so in den Genuss von unbeobachtetem Sex.
Quelle:
Overduin - de Vries et al (2012). Sneak copulations in long-tailed macaques (Macaca fascicularis): no evidence for tactical deception. Behavioral Ecology and Sociobiology; DOI 10.1007/s00265-012-1430-4
Der Volltext-Artikel ist für Journalisten auf Anfrage verfügbar.

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Kontakt: 

Ann Köbler, Springer, Tel.: +49-6221-487-8414, ann.koebler@springer.com