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Über Springer - Presse - Springer Select | Japanische Blattgold-Künstler arbeiteten im Nanobereich

Heidelberg / New York, 2. Juli 2014

Japanische Blattgold-Künstler arbeiteten im Nanobereich

Studie zeigt, dass Röntgen-Fluoreszenz-Spektroskopie eine zerstörungsfreie Methode zu der Bestimmung des Alters von Kunstwerken ist

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Antike Blattgold-Künstler aus Japan waren wahre Meister ihres Fachs. Die Analyse von sechs antiken Namban-Wandschirmen zeigt, dass diese Artefakte mit von Hand geschlagenem Blattgold im Nanometerbereich vergoldet sind. Die Leiterin der Studie, Sofia Pessanha vom Zentrum für Atomphysik der Universität Lissabon in Portugal, ist davon überzeugt, dass die von ihr und ihrem Team bei der Analyse eingesetzte Röntgen-Fluoreszenz-Technik auch zur Altersbestimmung anderer Kunstwerke verwendet werden könnte, ohne diese zu beschädigen. Die Forschungsergebnisse erscheinen in der Springer-Fachzeitschrift Applied Physics A: Material Science and Processing.
Blattgold bezeichnet ein sehr dünnes Blech, das aus einer Kombination aus Gold und anderen Metallen hergestellt wird. Es besitzt nahezu kein Gewicht und kann nur mit speziell entwickelten Werkzeugen verarbeitet werden. Auch wenn die antiken Ägypter wahrscheinlich die ersten waren, die Kunstwerke damit vergoldeten, wird den Japanern schon seit langem zugeschrieben, dass sie das dünnste Blattgold weltweit herstellen können. Im Japanischen wird die traditionelle Malerei, bei der Blattgold zur Dekoration verwendet wird, als Kin-haku bezeichnet. Die bekanntesten Beispiele dieser Kunst sind die Namban-Wandschirme beziehungsweise byōbu, die in der späten Momoyama-Zeit (ca. 1573 bis 1603) und der frühen Edo-Zeit (ca. 1603 bis 1868) gefertigt wurden.
Das Team von Sofia Pessanha untersuchte sechs Wandschirme, die zum einen aus einer Museumssammlung und zum anderen aus einer privaten Sammlung in Portugal stammen. Vier Wandschirme können der Momoyama-Zeit zugeordnet werden und die zwei anderen der frühen Edo-Zeit. Die Wissenschaftler setzten verschiedene Röntgen-Fluoreszenz-Spektroskopie-Techniken ein, um die Stärke und die Eigenschaften der Goldschichten zu untersuchen. Das Verfahren ist absolut zerstörungsfrei, es müssen keine Proben entnommen werden, sodass die Kunstwerke in keiner Weise beschädigt wurden. Außerdem ist die Apparatur, die für die Durchführung dieser Prüfung benötigt wird, tragbar und kann außerhalb eines Labors eingesetzt werden.
Zur Auswertung der Vergoldung wurde die Abschwächung der unterschiedlichen Kennlinien der Blattgoldschichten berücksichtigt. Die Methodik wurde für hochwertige Goldlegierungen mit einem maximalen Silberanteil von 5 Prozent, der als vernachlässigbar betrachtet werden kann, erfolgreich getestet.
Bisher ging man davon aus, dass die beiden Wandschirme aus der frühen Edo-Zeit gleich alt seien. Das Team von Sofia Pessanha fand aber heraus, dass das Blattgold auf einem der im Museu Oriente in Lissabon aufbewahrten Stellschirme dünner war und dieser somit später angefertigt wurde. Dies steht im Einklang mit der fortlaufenden Weiterentwicklung der Goldschlagtechniken, deren Ziel es war, immer dünneres Blattgold erzeugen zu können.
„Dieser einfache Vergleich ermöglichte die Bestimmung einer Zeitlinie zwischen der Herstellung der beiden Stücke, die der gleichen Zeit zugeordnet werden. Dies beweist, dass die Röntgen-Fluoreszenz-Techniken ein wichtiger Bestandteil bei der zeitlichen Einordnung von Kunstwerken sein können“, sagt Sofia Pessanha.
Quelle: Pessanha, S. et al (2014). Comparison of gold leaf thickness in Namban folding screens using X-ray fluorescence, Applied Physics A: Material Science and Processing. DOI 10.1007/s00339-014-8531-z

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