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Über Springer - Presse - Springer Select | Gemeinsames Sorgerecht ist die Regel

Heidelberg / New York, 21. Mai 2014

Gemeinsames Sorgerecht ist die Regel

Eine Auswertung von Gerichtsurteilen der letzten zwei Jahrzehnte zeigt, dass Mütter immer seltener das alleinige Sorgerecht erhalten

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Dass Mütter in Amerika nach einer Scheidung das alleinige Sorgerecht für ihre Kinder erhalten, ist nicht länger selbstverständlich. Betrachtet man die Urteile des Gerichtes in Wisconsin der letzten 20 Jahre, scheint das gemeinsame Sorgerecht inzwischen Standard zu sein. Zu dieser Schlussfolgerung kommen Maria Cancian und ihre Kollegen von der University of Wisconsin-Madison in den USA. Ihre Forschungsergebnisse erscheinen online in der Springer-Fachzeitschrift Demography.
Nach Scheidungen und auch Trennungen unverheirateter Paare war es im 20. Jahrhundert meist selbstverständlich, dass die Kinder bei ihrer Mutter lebten. Dies entsprach den gängigen Geschlechterrollen, nach denen Mütter als geeigneter galten, insbesondere junge Kinder zu versorgen. Seither ist jedoch verstärkt das Wohl des Kindes zur Entscheidungsgrundlage in Sorgerechtsfragen geworden. Seit der Jahrtausendwende haben einige Staaten ihre Sorgerechtspolitik geschlechterneutral ausgerichtet und die Einbindung beider Elternteile gefördert.
Im Jahr 1998 veröffentlichten Maria Cancian und ihr Kollege Daniel Meyer ihre ersten Ergebnisse. Sie zeigten eine Abnahme der Fälle, in denen Müttern das alleinige Sorgerecht zugesprochen wurde, von 80 Prozent im Jahr 1986 auf 74 Prozent im Jahr 1994. Der Anteil der Fälle mit gemeinsamem Sorgerecht stieg von 7 Prozent auf 14 Prozent. Die Analyse beruhte auf allen Urteilen des Gerichtes in Wisconsin zu Scheidungen mit minderjährigen Kindern im Zeitraum von 1986 bis 1994.
Cancian und ihre Kollegen weiteten nun die Studie aus und untersuchten alle relevanten Gerichtsakten des Gerichtes in Wisconsin bis zum Jahr 2008 – dies waren insgesamt 9.873 Scheidungsfälle. Die Ergebnisse zeigen anhaltende Veränderungen in den letzten 20 Jahren bezüglich der Fälle, in denen die Mütter das alleinige Sorgerecht erhielten: So gingen diese zwischen 1986 und 2008 von 80 auf 42 Prozent zurück. Diesem Rückgang steht eine enorme Zunahme beim Zuspruch des gemeinsamen Sorgerechts gegenüber. Der Anteil der Fälle, bei denen das Sorgerecht gleichwertig geteilte wurde, die Kinder also die gleiche Zeit bei beiden Elternteilen verbringen, stieg von 5 auf 27 Prozent an. Fälle von ungleich geteiltem Sorgerecht erhöhten sich von 3 auf 18 Prozent.
Im letzten Jahrzehnt wurden weniger Gerichtsurteile gefällt, in denen Müttern das alleinige Sorgerecht zugesprochen wurde, als Urteile, in denen sie es nicht bekamen. In den Augen der Wissenschaftler wurde damit ein bedeutender Meilenstein erreicht. Die Anzahl der Fälle, in denen der Vater das alleinige Sorgerecht erhielt, änderte sich hingegen kaum: 11 Prozent waren es 1988, im Jahr 2008 noch 9 Prozent. Die Analyse der Daten zeigt außerdem, dass das gemeinsame Sorgerecht häufiger bei Familien mit hohem Einkommen vereinbart wurde. Geschlecht und Alter der betroffenen Kinder haben dagegen kaum Auswirkungen.
Die Autoren der Studie sehen die Gründe für die veränderten Entscheidungen bezüglich des Sorgerechts in dem sich ändernden Gefüge der sozialen Normen. Auch spielen die neuen Verfahren eine Rolle, nach denen das Sorgerecht festgelegt wird. Diese Forschungsergebnisse könnten bedeutende Folgen für die Strukturierung der Sozialpolitik, etwa bei Steuerprogrammen und Transferausgaben, in den USA haben.
„Der Trend geht insgesamt weg vom alleinigen Sorgerecht für Mütter und stark hin zum gemeinsamen Sorgerecht. Damit ändert sich die Lebenssituation von Kindern, deren Eltern sich scheiden lassen, innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne erheblich“, so Cancian.
Quelle: Cancian, M., Meyer D.R., Brown P.R., Cook S.T. (2014). Who Gets Custody Now? Dramatic Changes in Children’s Living Arrangements After Divorce, Demography DOI 10.1007/s13524-014-0307-8.
Bild: Demography | © Springer

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